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ÖSTRINGEN IST MODERN, FORTSCHRITTLICH UND TECHNISCH AUF DER HÖHE DER ZEIT!

Und zwar war es das im Jahr 1884, zumindest was die Trinkwasserversorgung angeht. Damals waren die 1873 angefangenen Leitungsarbeiten abgeschlossen und...

Und zwar war es das im Jahr 1884, zumindest was die Trinkwasserversorgung angeht. Damals waren die 1873 angefangenen Leitungsarbeiten abgeschlossen und sowohl Ober- als auch Unterdorf mit Trinkwasser versorgt. Das Oberdorf bekam sein Wasser aus Brunnen im Eichtersheimer Bruch, Schleeberg und Hombach. Das Wasser-„Reserwa“ (Betonung auf der zweiten Silbe) dieser „Hochdruckzone“ lag am Ende der Kuhngasse. Da diese Quellen von Oberflächenwasser gespeist wurden, waren sie durch die in der Landwirtschaft üblich Fäkaliendüngung mehr oder weniger stark durch Coli-Bakterien belastet. Das störte aber bis in die 1950er-Jahre des letzten Jahrhunderts keinen Menschen.

Für das Unterdorf zuständig war die Neunbrunnenquelle. Der Hochbehälter für diese „Niederdruckzone“ lag im Steckigter Feld etwa dort, wo sich heute der Schulsportplatz befindet. Dieses Wasser war einwandfrei und kristallklar. Das war auch gut so, waren im Unterdorf doch gleich zwei Mineralwasserfabriken angesiedelt. Diese bedienten sich an diesem einwandfreien Wasser. Mir schmeckte trotz reichlich zugesetzter Kohlensäure dieses „Sodawasser“ zu fad. Der einzige Lichtblick war, dass in jedem Kasten je eine rot bzw. grün eingefärbte Flasche mit Himbeer- oder Waldmeistergeschmack war.

Die Hochbehälter waren große, grasbewachsene Erdhügel von etwa 3 m Höhe. Oben ragten mehrere Stutzen zwei Handbreit empor. Diese dienten der Belüftung und waren gegen Verschmutzung abgedeckt. Zugang gewährte eine verschlossene Metalltüre. Im Vorübergehen versäumte es kein Kind, kräftig dagegenzutreten. Das erzeugte ein lautes unheimliches Dröhnen mit langem Nachhall. Nach dem Öffnen der Tür stand man vor einem großen Gewölbe, welches ein Bassin von der Größe etwa eines heutigen Privatschwimmbeckens überdeckte. In der Mitte verlief der Länge nach ein Laufsteg zu Servicezwecken. Im Idealfall war dieses Becken bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Zumeist war das jedoch nicht der Fall.

In Notfällen wie z. B. bei der Bekämpfung eines Feuers, konnten diese beiden Wasserreservoirs durch Schieber verbunden werden, um kurzfristig eine größere Wassermenge zur Verfügung zu haben.

1950 sah die Sache mit der „Höhe der Zeit“ aber schon wieder ganz anders aus. Das gesamte Netz war inzwischen marode, total zerfressen, verrostet und undicht. Der Wasserverlust war enorm bei ständig steigendem Bedarf. Der Bauhof mit Hauptquartier in der ehemaligen Zigarrenfabrik Sieferer, an der Ecke Haupt- und Saarlandstraße gelegen, war dauernd unterwegs, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Kapo Josef Hotz war nicht umsonst bekannt unter dem Namen „Wasser-Seppel“. Und zum Straßenbild gehörte regelmäßig schon fast der Bauwagen als Pausenraum für die Arbeiter, die die Rohrbrüche flickten. Wenn ich mich recht erinnere, sah es darin recht gemütlich aus, sogar ein kleiner Ofen gegen die Winterskälte fehlte nicht.

Alles lief so seinen ruhigen Gang. Aber dann wurde der zuständige Amtsarzt pensioniert. War der Vorgänger noch recht lässig in seinen Ansichten, so fegte sein Nachfolger mit eisernem Besen und lauter Schikanen. Zum Beispiel musste eine Chlorierungsanlage für das Trinkwasser her! Die Wasserleitung musste erweitert werden! Und dann war da auch noch die Abwasserfrage ungeklärt!

Im Jahre 1956 schien ein Trinkwasser-Zweckverband zwischen Mingolsheim, Langenbrücken, Kislau und Kronau mit einer Brunnenbohrung zwischen Langenbrücken und Kislau eine Lösung zu versprechen. Aber wegen „finanzieller Behinderung“ konnte sich keine einzige der beteiligten Gemeinden für diesen Zusammenschluss entscheiden.

Eine Notlösung für Östringen war der Schwarze Brunnen. Er war zwar nicht gefasst, lieferte aber 4 Sekundenliter (Skl) an Wasser. Nach Tieferlegung des Quellgrundes um zweieinhalb Meter kam er auf kristallklare dauerhafte 13 Skl. Er wurde gefasst, die Rohre wurden oberirdisch offen verlegt und an das Netz angeschlossen. Pünktlich zum Östringer Markt 1961 kam wieder Wasser aus den Hähnen.

Errechneter Wasserbedarf pro Person waren 240 Liter pro Tag, das Unterdorf kam auf 100 l, das Oberdorf auf 60 l pro Person. Das bedeutete zwar immer noch Wassermangel, war aber besser als nix.

Bei sommerlicher Hitze war ab Mittag die Leitung trocken, die Wasser verarbeitenden Betriebe wie Metzger und Bäcker arbeiteten mit „Kübelwasser“, das sie nachts auf Vorrat abfüllten, und die Allgemeinheit tat desgleichen mit Kannen und Eimern. Nur mit der Bewässerung des Gartens sah es mau aus. Allerdings nicht in einigen Gärten, ausgerechnet in der hochgelegenen Siedlung. Gewitzte Gärtner hatten dort den Wasserhahn im Garten ganz leicht aufgedreht und ein Blech darunter gelegt. Wenn sie es spät in der Nacht tropfen hörten, wussten sie, dass die Zeit zum Gießen gekommen war.

Man richtete sich damit ein, und alle waren glücklich und zufrieden. Bis, ja bis sich der sagenhafte Bruder Fidelis der Sache annahm. Aber das ist eine andere Geschichte. (WDe)

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Östringer Stadtnachrichten
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Ausgabe 22/2026
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