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Offizielle Übergabe des neuen Gemeindewohnhauses in der Albert-Einstein-Straße

In der letzten Woche übergab Architekt Günter Pfeifer symbolisch für den sozialen Wohnungsbau in Brühl acht Zwei-Zimmer-, zwei Ein-Zimmer- und zwei...
Bürgermeister Dr. Ralf Göck (l.) und Vertreter des Gemeinderats erhalten von den Architekten Professor Günter Pfeifer und Lisa Barucco eine kleine Broschüre mit Bildern und einer ausführlichen Beschreibung des neuen GemeindewohnhausesFoto: Brühl News

In der letzten Woche übergab Architekt Günter Pfeifer symbolisch für den sozialen Wohnungsbau in Brühl acht Zwei-Zimmer-, zwei Ein-Zimmer- und zwei Drei-Zimmer-Wohnungen an Bürgermeister Dr. Ralf Göck, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter. Diese Wohnungen, die ab Mai von den ersten Mietern bezogen werden, sind alle barrierefrei und vier davon zudem rollstuhlgerecht. Finanziert wird das am Ende wohl 5 Millionen Euro teure Gemeindewohnhaus zur Hälfte von der Kommune. Ein Drittel kommt vom Land Baden-Württemberg, ein Fünftel stammt aus Zahlungen des Bauträgers des Quartiers „Grüne Mitte“, der damit den dadurch nicht mehr geforderten sozialen Wohnungsbau am Schrankenbuckel ausgleicht.

Bürgermeister Dr. Ralf Göck begrüßte Gemeinderatsmitglieder sowie weitere am Bau Beteiligte in einer der Wohnungen im dritten Obergeschoss, die einen weiten Blick in Richtung Heidelberg und an die Bergstraße bietet.

Die Gemeinde habe sich engagiert für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eingesetzt. Anfangs seien verschiedene Ideen diskutiert worden: Ob man das Grundstück verkauft und einen privaten Investor bauen lässt, ob man mit der benachbarten Stiftung Schönau um Wohnungsbelegungsrechte verhandelt oder ob man selbst baut, damit man stets die volle Souveränität über die Wohnungen hat. Bekanntlich habe man Letzteres beschlossen, dankte Göck dem Architekten Professor Günter Pfeifer und seiner Kollegin Lisa Barucco für den „genial einfachen Solitärbau“ in der Albert-Einstein-Straße. Das sei ja auch die Vorgabe an der „Albert-Einstein-Straße Numero 1“ gewesen, scherzte Günter Pfeifer und dankte seinerseits der Gemeinde und ihrem Bauamt, namentlich Chris Oelsner, sowie dem Rhein-Neckar-Baurechtsamt für die gute Zusammenarbeit. „Das Haus hat eine tolle Lage, einen großen Spielplatz nebenan und einen Blick bis zur Bergstraße“, zählte Pfeifer auf, was außer seiner Architektur zum Wohlbefinden der künftigen Bewohner beitrage.

Wer dort einziehen will

… braucht einen Wohnberechtigungsschein von der Gemeinde. Die Wohneinheiten sind deutlich günstiger als vergleichbare Neubauwohnungen (7,20 Euro Kaltmiete). Aber der Wohnraum ist begrenzt. Pro Person gibt es nur bestimmte Wohnungsgrößen. „Deswegen sind wohl noch nicht alle Wohnungen vermietet“, mutmaßte der Bürgermeister, „manchen waren die Wohnungen schlicht zu klein.“

Leben zwischen den Denkern Fichte und Einstein

Die Namensgebung des Grundstücks an der Ecke sei „ein möglicherweise zufälliges Synonym für Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein einerseits und andererseits ein neues Verständnis von Raum und Zeit, Masse und Energie“, führte Pfeifer aus. Während das Ausnahmegenie Albert Einstein nahezu jeder kenne, sei der Philosoph Johann Gottlieb Fichte wahrscheinlich nur unter den Pädagogen bekannt. Für Fichte sei die Bestimmung des Menschen das zentrale Thema.

Bei dem architektonischen Konzept für die 773 qm Wohnfläche habe man sich als generelle Grundlage das Nachhaltigkeitsdreieck aus den drei Flanken Soziologie, Ökologie und Ökonomie zu eigen gemacht. Zum soziologischen Konzept gehöre die Mischung von differenzierten Wohnungsgrößen, die ausnahmslos barrierefrei sind.

Vier rollstuhlgerechte Wohnungen ergänzen den Anspruch auf Teilhabe und Integration. Sechs von 18 Stellplätzen befinden sich in einem offenen und lichtdurchfluteten Parkdeck. Das nur 1,40 Meter tief gelegte Parkdeck bewirkt, dass die Wohngeschosse ab dem Hochparterre beginnen. „Wir wollten mit dieser Aufgabe ein Zeichen setzen, dass das Soziale an diesem Haus etwas Sichtbares ist“, so Pfeifer. „Ein architektonisches Konzept, bei dem Gemeinschaft, Interaktion und Inklusion durch bauliche Gestaltung direkt erlebbar gemacht werden.“ Alle Fenster reichen vom Boden bis zur Decke. Nicht nur Rollstuhlfahrer profitieren von der Situation, sitzend aus dem Fenster sehen zu können. Die Loggien vor den Wohnungen sollen visuelle und nutzbare Raumvergrößerungen und in jeder Wettersituation brauchbar sein.

Beim Bau werden nur nachhaltige Materialien verwendet

Das ökologische Konzept bedeutet, dass nachhaltige Baumaterialien verwendet wurden, die sich durch geringe Umweltbelastung, Wohngesundheit und gute Recyclingfähigkeit auszeichnen. Der durchgehende Mauerwerksbau mit 42,5 Zentimetern starken Außenwänden wurde mit Betonwänden und -decken ergänzt. Der Energiestandard beschreibt ein Gebäude, das nur 55 Prozent der Primärenergie eines vergleichbaren Standardneubaus verbraucht.

Er markiert damit ein hohes Niveau an Energieeffizienz durch eine Kombination aus exzellenter Wärmedämmung und dem Einsatz erneuerbarer Energien. Ein Effizienzhaus 55 darf keine Wärmeerzeuger auf Basis fossiler Energie nutzen. Der rein mineralische Außenputz wird ergänzt mit lasierten Holzfenstern. Der Bodenbelag verzichtet auf PVC, Weichmacher und Chlor. Regenwasser wird sichtbar gesammelt und der natürlichen Versickerung zugeführt. Die Parkplätze außerhalb des Parkdecks sind als offene, nicht versiegelte Flächen angelegt. Rund 750 Pflanzen für den Außenbereich sollen zudem für eine grüne Oase sorgen. Das ökonomische Konzept spiele als dritte Säule der Nachhaltigkeit in der Architektur des Hauses eine bedeutende Rolle, führte Pfeifer aus. Vieles Wünschenswerte habe man weggelassen, die Materialien seien in ihrer ursprünglichen Wahrhaftigkeit sichtbar und auch wahrnehmbar. Die Betondecken bildeten die Tragfähigkeit des Hauses nicht mehr nur abstrakt ab, sondern seien als sichtbarer Wert roh belassen worden.

Behindertenbeauftragter ist stolz auf Gebäude

Der Behindertenbeauftragte der Gemeinde, Rudi Bamberger, zeigte sich begeistert von dem Neubau. Er sei „richtig stolz“ auf Brühl, dankte er Bürgermeister und Gemeinderat für das Engagement bei Inklusion und Integration. Bei solchen Bauvorhaben könne man ein gutes Beispiel geben. Brühl sei inzwischen bereits Vorbild für die Nachbargemeinden.

Erscheinung
Brühler Rundschau
Ausgabe 18/2026
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Brühl
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