
Die Omas gegen Rechts Deutschland e.V. wurden im Februar 2019 von Anna Ohnweiler gegründet – inspiriert vom österreichischen Vorbild.
Die überparteiliche, zivilgesellschaftliche Organisation steht „fest auf dem Boden des Grundgesetzes und der Rechtsstaatlichkeit. Demokratiefeinde aus politisch und religiös extremistischen Spektren werden von uns bekämpft, niemals unterstützt!“ In Neckargemünd führte eine „Kleine Anfrage“ des amtierenden Bundeskanzlers zum Thema Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen zur Gründung der Bürgerinitiative „Omas gegen Rechts Neckargemünd plus“. Mitstreiterinnen und Mitstreiter kommen zum Beispiel aus Mauer, Darsberg, Handschuhsheim, Bammental, Ziegelhausen und natürlich Neckargemünd.
Im März dieses Jahres hatte Anne Gransow auf „nebenan.de“ auch eine kleine Anfrage gestellt, wer Lust hätte, eine Ortsgruppe von Omas gegen Rechts zu gründen? Prompt war der Zuspruch groß und mehr als 40 Aktive fanden sich bisher zusammen. Deutschlandweit zählen die Omas rund 40.000 Aktivistinnen und sind somit die größte Frauenbewegung in Deutschland.
„Aber man muss keine Enkel haben, um bei uns mitzumachen“, so Doris Prinzl-Wimmer beim Treffen mit dem Neckarboten, „wir fühlen uns verantwortlich für die Generationen nach uns“. Man muss auch nicht in Rente sein, es gibt kein Mindestalter, aber die meisten Mitglieder sind über 50 Jahre alt, die Älteste ist knapp über 80. Wichtig sind gute Laune, Lebenserfahrung, offen sein für alle Menschen. Sie stehen für Gleichberechtigung, Inklusion, Toleranz. Für Respekt und Zusammenhalt finden sich die Omas zu ihren Treffen; zum Beispiel im Familienzentrum Bammental, um Aktionen abzusprechen und rechtsextremen Tendenzen in der Umgebung etwas entgegenzusetzen.
„Eigentlich würden wir lieber 'für' etwas sein, Omas für Demokratie zum Beispiel. Aber wir haben uns dem Dachverband angeschlossen, weil wir hier auch bessere Vernetzungsmöglichkeiten sehen“, sagt Juliane Gräbner-Müller. Die vier ehrenamtlich engagierten Frauen, die sich dem Neckarboten vorstellen, sind alle lebenslustig und herzlich. „Bei uns kann sich jeder mit dem einbringen, was er gerne macht oder gut kann", erläutert Prinzl-Wimmer. Susanne Weller ergänzt: „Wir haben eine Kreativ-AG, die sich um Flyer, Plakate und Lieder kümmert." Einer der wenigen Opas fungiert als „IT-Manager“. Er baut aus Gewissensgründen auf Portale abseits der gängigen Anbieter. So ist die Neckargemünder Initiative auf Fediverse unter rheinneckar.social/@omasgegenrechts_neckargemuend zu finden. Untereinander läuft die Vernetzung und Kommunikation über den Anbieter Signal.
Rund um die Großstädte lebt man oft ein komplett anderes Leben. Nicht nur „irgendwo im Osten“. Die Zahlen aus Kommunal- und Bundestagswahlen zeigen deutlich eine Tendenz: Je kleiner der Ort, desto höher sind oft die Wahlergebnisse der AfD. Aktivistinnen der Omas gegen Rechts möchten sich faschistischen Entwicklungen entgegenstellen. Ihr Wirken richtet sich gegen Diskriminierung aller Art, Demokratiefeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Frauenfeindlichkeit. „Trotzdem sind wir nicht verbissen kritisch“, lassen die Omas gegen Rechts Neckargemünd verlauten, „wir beschäftigen uns mit dem 'Warum'. Warum wählen hauptsächlich junge Männer die vermeintliche Alternative?“, so Sylvia Klinner.
Nur weil hier „einfache Lösungen“ angeboten werden, wird hier bezweifelt. Die Omas folgen mehr den Gedanken von Sozialpsychologe Ulrich Wagner über die Furcht vor dem Fremden. "Die Menschen sind extrem verunsichert, insbesondere wegen Fragen der Migration, des Klimawandels, der inneren und äußeren Sicherheit", sagte er in einem Interview mit der Rheinischen Post. Hier ist der Ansatz, einen Gegenpol zu schaffen und als Omas gegen Rechts mit einer zuversichtlichen Haltung und Atmosphäre die Vorurteile gegen „Neues“ abzubauen.
Die Omas gegen Rechts Neckargemünd plus haben gerade eine Lesung veranstaltet. Eintritt auf Spendenbasis, denn die Gruppe finanziert sich allgemein nur über Spenden. Autor und Journalist Michael Kraske las im evangelischen Gemeindehaus Bammental aus seinem, zusammen mit Co-Autor Dirk Laabs recherchierten, faktenbasierten Buch „Angriff auf Deutschland, die schleichende Machtergreifung der AFD" vor. Eine letzte Lesung aus diesem Werk, das nächste Buch steht schon in den Startlöchern.
Bei der letzten Aktion auf dem Marktplatz in Neckargemünd versammelten sich die Omas gegen Rechts am 8. November zum mahnenden Gedenken der Reichspogromnacht. Mit einem großen Infostand trotzten sie dem kalten Wetter. Eine kleine Abordnung der Omas gegen Rechts Neckargemünd Plus reiste sogar nach Gießen, um dort die Proteste gegen die Neugründung der radikalen AfD-Jugendorganisation zu unterstützen. Eine weitere Delegation wird im Januar an einem Treffen der „Südomas“ in Stuttgart teilnehmen. Hier gibt es Vorträge und den Besuch einer Gedenkstätte. Am 28. Februar folgt die Aktion „Lichterkette“ vor den Landtagswahlen. Den Omas ist es wichtig, auch hier Position zu beziehen – für eine offene Gesellschaft.