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Wertvolle Hilfe für Betroffene

Onkolotsin Herrmann begleitet Krebspatienten in Wiesloch

Eine Krebsdiagnose zieht vielen Betroffenen und ihren Angehörigen den Boden unter den Füßen weg.
Mit ihrer Arbeit als Onkolotsin hilft Birgitta Herrmann Menschen mit Krebsdiagnosen. Hilfe bietet sie im Bürgerzentrum Wiesloch an.Foto: privat

„Das Gesundheitssystem ist überlastet, und oft fehlt die Zeit, ausführlich auf die Sorgen und Fragen einzugehen“, sagt Birgitta Herrmann. Die in Wiesloch lebende Onkolotsin möchte diese wertvolle Unterstützung bekannter machen.

Über Umwege zur Onkolotsin

Auf das Thema stieß Herrmann eher zufällig im Internet. Dabei habe sie sich schon immer für Medizin interessiert. Doch ihr eigener Lebensweg war ungewöhnlich. Mit elf Jahren erblindete sie infolge einer Autoimmunerkrankung nach einer Streptokokken Infektion. In den 1980er-Jahren waren die Möglichkeiten für blinde Menschen, in Deutschland Medizin zu studieren, noch kaum vorhanden.

„Ich hätte extrem viel Unterstützung gebraucht, die es damals so nicht gab“, erinnert sie sich. Stattdessen studierte sie in den USA Klinische Ernährungswissenschaft und unterrichtete später in Deutschland. Berufsbegleitend ließ sie sich zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ausbilden.

Engagement im Ruhestand

Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand widmete sich Herrmann ganz dem Ehrenamt. Sie absolvierte die Ausbildung zur Onkolotsin bei der Sächsischen Krebsgesellschaft – derzeit der einzige Anbieter in Deutschland. Bis heute investierte sie rund 10.000 Euro in unterschiedlichste Weiterbildungen. Wenn jemand etwas spenden möchte, fließt das Geld direkt in ihren „Ausbildungstopf“.

Beratung im Bürgerzentrum Wiesloch

Ihre Beratungen bietet sie im Bürgerzentrum Wiesloch an, wo ihr die Stadt – allerdings nur vormittags – einen Raum zur Verfügung stellt. „Ich wünsche mir dringend Räumlichkeiten, die zeitlich flexibler nutzbar sind und groß genug, damit auch Angehörige dabei sein können“, erklärt sie.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Die meisten Ratsuchenden finden Birgitta Herrmann über ihre Homepage www. leben-ist-hoffen-psychotherapie.jimdosite.com. Zunächst dachte sie, die Gespräche würden vor allem telefonisch stattfinden. Doch schnell zeigte sich: „Alle wollen die persönliche Beratung.“ Dabei ist sie stets auch auf die Unterstützung ihrer treuen Begleithündin Willow angewiesen.

Unterstützung

„In Wiesloch fühle ich mich wohl. Die Stadt ist überschaubar, und die Menschen sind sehr aufmerksam und hilfsbereit“, sagt sie. Mit ihrem Ehrenamt möchte sie der Gesellschaft etwas von der Unterstützung, die sie bisher selbst im Leben erfahren hat, zurückgeben. Bei ihren Bemühungen, das Onkolotsen-Angebot bekannter zu machen, hat Herrmann jedoch schon einige weniger gute Erfahrungen gemacht. Wiederholt wurden ihre Anfragen, Flyer auslegen zu dürfen, ignoriert oder gar abgelehnt.

Hilfe in einer erschütternden Lebenslage

Ihre Arbeit beschreibt sie als Wegbegleitung in einer extrem belastenden Lebenssituation. Meist sind es Angehörige, die sie kontaktieren, weil sie nicht mehr weiterwissen. „Die Menschen sind bodenlos erschüttert. Als neutrale Außenstehende kann ich gemeinsam mit ihnen Wege entwickeln, die sie abwägen können“, berichtet Herrmann. Dabei gehe es auch darum, den Blick von dem, was nicht möglich scheint, hin zu dem zu lenken, was möglich ist.

Ein besonderes Gespür für Familien

Besonders am Herzen liegt ihr die altersgerechte Einbindung von Kindern. „Sonst leiden sie unermesslich. Gerade durch meine eigene Biografie kann ich die Perspektiven von betroffenen Familien gut nachvollziehen.“

Mehr Bekanntheit für Onkolotsen

Onkolotsen sind speziell geschulte Begleiterinnen und Begleiter für Menschen mit einer Krebserkrankung und deren Angehörige. Sie unterstützen bei:

  • Orientierung im oft unübersichtlichen Gesundheitssystem
  • Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten, Reha-Angeboten und Unterstützungsleistungen
  • Entlastung von Angehörigen, die häufig stark belastet sind
  • Begleitung bei Entscheidungen, etwa ob eine Zweitmeinung sinnvoll ist
  • Vermittlung von Kontakten zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Kliniken

Onkolotsen arbeiten neutral, verschwiegen und unabhängig. Sie ersetzen keine ärztliche Behandlung, sondern ergänzen diese mit Zeit, Verständnis und praktischer Hilfe:
www.onkolotse.de (ch)

Erscheinung
Wieslocher Woche
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Ausgabe 32/2025
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
06.08.2025
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