
Im Mittelalter war in unseren Breitengraden die Blütezeit der Badehäuser. Deren eines befand sich auch in Entringen – außerhalb des Ortes, am Ende der Badgasse. Vor mehr als 500 Jahren ist als Eigentümer der Badstube „Meister Albrecht Scherer“ ausgewiesen. Als „Grundsteuer“ musste er jeden Herbst zwei junge Hühner an die Kellerei in Tübingen abführen. Aus seiner Scheuer und dem Garten gegenüber der Badstube, westlich der Badgasse (heute stehen dort Altglas-Container und ein Bänkle), schuldete er dasselbe. Das etwas schwefelige Wasser, das zum Baden benutzt wurde, war aus der Badquelle, etwa 150 Meter nordöstlich gelegen, hierher geleitet worden.
1558 ist Michael Bäuerle der Entringer Bader. 1630 wird nur noch das Stück östlich der Badgasse vom Bader – Hannß Ulrich Wagenknecht – allein bewirtschaftet. Die jenseits der Badgasse stehende Scheuer teilt er mit Martin Gänzle. Wagenknecht stirbt 1659, ein Verwandter von ihm, Dietrich Wagenknecht, führt das Geschäft weiter, als „ein Bäder seines handwerks“, bis zu seinem Tod 1673. Er war wohl der letzte Entringer Bader. Jedenfalls gibt es ab dieser Zeit hier nur noch sog. Barbiere, Wundärzte und Chirurgen … und die Badstube kam – auf welchem Weg auch immer – samt dem dazugehörenden Grundstück in die Hände der Entringer Pfarrerschaft.
Der hier gekürzte Text samt den 5 weiteren Folgen ist ungekürzt veröffentlicht im Buch „Entringen – Fotografien erzählen aus der Ortsgeschichte, Band 3“; erhältlich im Bürgerbüro im Rathaus Entringen und bei R. Bauer.
Reinhold Bauer


