
Als Pfarrer Immanuel Gottfried Bossert 1810 den Garten von den Erben seines Vorgängers Zeller abkaufte, musste er 200 Gulden bares Geld auf den Tisch legen, sowie „die Gerichtsgebühren und den passierlichen Weinkauf“ leiden. Als leidenschaftlicher Gärtner bringt Bossert den Garten wieder „auf Vordermann“.
1846 ist erstmals das Gartenhaus erwähnt, wiewohl es schon im Jahr 1830 samt der geometrisch-kreuzförmig angelegten Gartenfläche im Ortsgrundriss festgehalten wurde. Bossert dürfte an der Nordwestecke seines Grundstückes noch Mauerreste des früheren Badegebäudes vorgefunden haben – wo sonst sollte auch die in der nördlichen Mauer verborgene Wasserrinne (Nr. 4) herrühren? Auf dieses knapp 2 Meter hohe Fundament setzte also Bossert ein vergipstes Stübchen, fast quadratisch, und mit einem Walmdach versehen. An der Südostecke, gegen den Garten, wurde das Fachwerkhäuschen von einer Holzsäule getragen. Eine gedrehte Säule (Nr. 6) stützte das Dach über der Stiege. Ansonsten war das Häuschen äußerst schlicht ausgestattet. Im Inneren war nur eine Klappbank, und die Fensteröffnungen waren nur mit Läden versehen.
1850 verkauft Witwe Bossert den Garten samt Brunnen (Nr. 5) und Häuschen „auf dem Oberen Brühl beim Bad“ für 400 Gulden an das Königlich Evangelische Consistorium der Pfarrei Entringen. Ab da war er auch in der Pfarrbesoldung entsprechend berücksichtigt. Etwas später sind in den Akten auch die heute noch gebräuchlichen Maßeinheiten genannt: 14 a 39 m² für den Gemüsegarten, für das Gartenhaus 11 m².
Als 1901 die Pfarrscheuer hinter dem Pfarrhaus abgebrochen war, wurde dort ein weiterer Garten für die Pfarrfamilie angelegt. Dieser war zwar bei Weitem nicht so groß wie der an dr Badgasse, hatte aber den Vorteil der sehr kurzen Wege. In dieser Zeit fällt wohl auch die letzte große Blüte des traditionsreichen, „äußeren Gartens“.
Dieser Text und die 5 weiteren Teile sind ungekürzt veröffentlicht in „Entringen – Fotografien erzählen aus der Ortsgeschichte, Band 3“; erhältlich im Bürgerbüro (Rathaus Entringen) und bei R. Bauer.
Reinhold Bauer