In Hemsbach hat sich im Jahr 2000 der Näh- und Patchwork-Treff Hemsbach gegründet. Seitdem findet dieser in den Räumen der Schillerschule in Hemsbach ca. einmal im Monat statt.
Es sind nicht nur Stoffe, die hier auf eine ganz besondere Art und Weise zusammengefügt werden. Es sind Geschichten, Erinnerungen und Begegnungen. Seit über 25 Jahren trifft sich der Patchwork-Treff in Hemsbach und hat sich längst zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens entwickelt.
Die Wurzeln reichen zurück in die Zeit, als Patchwork, inspiriert aus den USA, auch in Deutschland immer beliebter wurde. In Hemsbach bildete sich im Jahr 2000, vor allem durch das Engagement und die Initiative der Handarbeitslehrerin Schulz-Bauerhin, eine sehr engagierte Gruppe, die sich damals einmal im Monat im Werkraum des Bildungszentrums traf. Seit 2016 hat die Hemsbacherin Maria Adamik die Leitung. Man trifft sich „immer noch“ einmal im Monat, jetzt in der Schiller-Werkrealschule in Hemsbach. „Wir probieren gemeinsam neue Techniken aus oder arbeiten an eigenen Projekten. Jeder kann Vorschläge machen, bei uns kann jeder mitmachen, ob jung oder alt“, heißt es in der Jubiläumsschrift zum 25-jährigen Bestehen. Es ist eine lebendige Interessengemeinschaft, die Menschen verbindet. Neue Gesichter sind dabei jederzeit willkommen.
Der besondere Charme des Treffens liegt in seiner offenen Atmosphäre. Meist wird an eigenen Projekten gearbeitet, mal entsteht eine farbenfrohe Decke, mal ein Sitzwürfel oder eine Tasche – liebevoll gestaltete Einzelstücke. Gleichzeitig teilt jeder sein Wissen: Tipps zu Stoffen, Mustern oder Techniken wandern ganz selbstverständlich von Platz zu Platz. Wer Fragen hat, bekommt Unterstützung. Es geht um den Entstehungsprozess und die Freude am Gestalten. Was Patchwork dabei zusätzlich auszeichnet, erklärt die Teilnehmerin Monika Lübker so: „Man hat immer drei Lagen, eine Vorderseite, eine Rückseite und dazwischen ein Vlies und dann wird das Ganze zusammengenäht und wenn man möchte gequiltet.“
Für viele ist Patchwork mehr als Handarbeit. Es ist auch eine Form, Erinnerungen festzuhalten. So entstehen beispielsweise Arbeiten aus alten Kleidungsstücken. „Ich habe die Krawatten meines Vaters, nachdem er verstorben ist, zu einem Erinnerungskissen verarbeitet“, erzählt Teilnehmerin Angelika Fibi stolz. Der Vater war Lehrer an der Schiller-Werkrealschule. So setzt sich am Ende alles wie ein Patchwork zu einem stimmigen Ganzen zusammen.
Neue Ideen holen sich die Mitglieder auch außerhalb der Treffen. Besonders beliebt sind gemeinsame Ausflüge, etwa zur Nadelwelt Karlsruhe. „Da sind die ganzen Stoffhersteller und Aussteller, das ist natürlich wunderbar. Da gehen wir gemeinsam hin und lassen uns inspirieren.“ Auch Fachzeitschriften und Schnittmuster spielen eine Rolle: „Das ist wie beim normalen Nähen, man hat Vorlagen und entwickelt daraus eigene Ideen“, erzählen die Damen begeistert.
Im Laufe der Jahre entstanden nicht nur unzählige Decken und Taschen, sondern auch beeindruckende Gemeinschaftsprojekte. So fertigte die Gruppe 2011 ein Parament für den Altar und ein Ambotuch für die Kanzel der evangelischen Christuskirche in Hemsbach an, ein Projekt, das viel Planung, Geduld und Teamarbeit erforderte. Auch der Patchworktag 2015 bleibt vielen in Erinnerung: Mit Verkaufsständen von Stoffverkäufern, Tombola mit selbstgenähten Werken und Spenden aus der Hemsbacher Geschäftswelt wurde nicht nur gefeiert, sondern auch gespendet. Der gesamte Erlös ging zu gleichen Teilen an die Schillerschule und den Seniorenhilfsfond Neckar-Bergstraße, deren Schirmherr der Hemsbacher Bürgermeister Jürgen Kirchner ist. Solche Aktionen zeigen: Die Gruppe wirkt weit über das eigene Hobby hinaus in die Stadt hinein. Derzeit nähen die Teilnehmerinnen herzförmige Entlastungskissen, welche Brustkrebspatientinnen nach der Operation zur Entlastung und Schmerzlinderung unter den Arm klemmen können. Gemeinsam mit weiteren Gruppen aus der Region werden diese an das Brusttherapiezentrum Weinheim gegeben.
Der Patchwork-Treff Hemsbach ist heute ein offener und lebendiger Kreis für alle, die Freude am kreativen Arbeiten mit Stoffen haben. Ganz gleich, ob mit viel Erfahrung oder einfach aus Neugier. Wer sich inspirieren lassen, neue Techniken kennenlernen oder Teil einer gewachsenen Gemeinschaft werden möchte, ist jederzeit willkommen. Aktuelle Termine sowie weitere Informationen zu den Treffen und Aktivitäten finden Interessierte online unter: www.patchworktreff-hemsbach.de. Und vielleicht braucht es manchmal nur den ersten Stich, um Teil von etwas zu werden, das über Jahre hinweg verbindet. (rd)



