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An der Sézanner Straße wird gebaut

Pestel-Studie: Viel zu wenig Wohnungen – nicht nur in Malsch

Das Pestel-Institut meldet eine hohe Wohnungsnot in Deutschland. Besonders betroffen sind junge und ältere Menschen. Auch in Malsch gibt es zu wenig.
Wohnungen.
Laut einer Pestel-Studie ist der Wohnungsmarkt in Baden-Württemberg angespannt. Auch in Malsch schlägt sich dies nieder, vor allem bezahlbarer Wohnraum fehlt. (Symbolbild)Foto: acilo/iStock/Getty Images Plus

Schon in Ausgabe KW46 berichtete die MAZ von einem angespannten Wohnungsmarkt, der sich auch in Malsch niederschlägt. Das ist ein deutschlandweites Problem: Ende 2024 fehlten bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen, wie Forschende des Pestel-Instituts mitteilen. Besserung ist laut Studie für das Jahr 2026 nicht in Sicht.

In Baden-Württemberg liegt das Defizit demzufolge bei 196.000 Wohnungen. Für den Zeitraum 2025 bis 2030 fordert das Institut im Südwesten bis zu 362.000 neue Wohnungen – im Schnitt wären dafür etwa 60.300 Neubauten pro Jahr nötig.

Wie ist es in Malsch?

In Malsch gibt es laut Angaben des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen (MLW) in Stuttgart einen leicht defizitären Wohnungsversorgungsgrad, also es gibt mehr Haushalte in der Gemeinde als Wohnungen. Das deckt sich grob mit Angaben der Gemeinde, die auf Anfrage mitteilen konnte, dass kein Leerstand bei Wohnungen bekannt sei.

Laut der Gemeinde gibt es vor Ort „einen erheblichen Mangel“ an kleineren Wohnungen. Das heißt: Es gibt zu wenig Geschosswohnungen, es werde zu viel in großen Häusern gewohnt. Das geht aus einer soziodemografischen Studie durch die Stadtberatung Dr. Fries hervor.

Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, werden momentan auf dem Areal der ehemaligen Tankstelle in der Sézanner Straße Wohnungen mit Sozialquote gebaut. Die MAZ berichtete in Ausgabe KW32 im vergangenen Jahr.

Zu wenig Sozialwohnungen

Besonders angespannt ist der Markt bei Sozialwohnungen. Von mehr als 23 Millionen Mieterhaushalten in Deutschland hätten etwa die Hälfte einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein, meinen die Forschenden des Pestel-Instituts. Dem stehen bundesweit allerdings nur rund eine Million Sozialwohnungen gegenüber.

Das deckt sich auch mit einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtverbandes: Demnach ist die wohnkostenbereinigte Armut in Baden-Württemberg seit 2024 von 18,5 auf 19,9 Prozent angestiegen. Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Wohngeldempfänger massiv angestiegen, was allerdings auch auf die Wohngeldreform 2023 zurückzuführen ist. Das geht aus Angaben des MLW hervor.

Vor allem Ältere und Azubis betroffen

Die Härte der Wohnungsnot treffe vor allem junge Menschen bis 25 Jahre sowie Ältere. Studierende und Auszubildende müssten im Schnitt 53 Prozent ihres monatlich verfügbaren Geldes für das Wohnen ausgeben, heißt es vom Pestel-Institut. „Viele Azubis im Landkreis Karlsruhe können sich keine eigene Wohnung leisten und wohnen notgedrungen weiter bei ihren Eltern“, sagte zudem Wolfgang Kreis, Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft IG BAU Nordbaden.

Sorge bereitet der Gewerkschaft darüber hinaus die Wohnsituation älterer Menschen: Im Landkreis Karlsruhe leben rund 59.000 sogenannte „Babyboomer“, die bis 2035 in Rente gehen werden. Viele von ihnen würden nur über geringe Renten verfügen und könnten sich ihre bisherigen Wohnungen künftig nicht mehr leisten.

Warum nicht einfach bauen?

Die Anzahl der vom Land geförderten Wohnungen hat immerhin leicht zugenommen, wie aus Daten des MLW hervorgeht. Die Landesvereinigung Bauwirtschaft meldet ebenfalls eine Zunahme der Baugenehmigungen, wie Präsident Markus Böll in Stuttgart mitteilte. Grund dafür seien zusätzliche Fördergelder von Land und Bund.

Das Pestel-Institut betont aber in einer Mitteilung, dass trotz der Erhöhung finanzieller Fördermittel des Bundes in diesem Jahrzehnt, diese oft „häppchenweise“ in fünf Tranchen über fünf Jahre fließen würden. Für den Bau werde der Großteil der Förderung jedoch sofort benötigt.

Erleichtertes Bauen gefordert

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, fordert die IG BAU eine Verdopplung des Sozialwohnungsbestands auf zwei Millionen Einheiten bundesweit bis Mitte der 2030er-Jahre. Zudem plädiert die Gewerkschaft für das sogenannte „Erleichterte Bauen“, um Baukosten zu senken und mehr Wohnungen in gleicher Qualität zu errichten. „Nur mehr bezahlbarer Wohnraum kann den Mietanstieg bremsen“, betonte Kreis. „Der soziale Wohnungsbau muss endlich wieder zur politischen Herzenssache werden.“

Erscheinung
MAZ – Das Wochenmagazin für Malsch, Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier
Ausgabe 06/2026
von Redaktion NUSSBAUMJustin Schick
02.02.2026
Orte
Malsch
Stuttgart
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