Peter Kummer lebte von 1881 bis 1963, er war in seinem langen Leben Zeuge von entscheidenden Phasen der deutschen Geschichte. Daher sollen in dieser Serie auch die Zeitumstände aufgeführt werden, in denen er gelebt hat.
Quelle
Dussel, Ebhausen, Heimatbuch (S. 194–199)
Gerne wäre er wieder nach Südwestafrika zurückgegangen, aber bereits im Jahre 1908 heiratete er seine Marie geb. Binder. Sie war Hebamme, das gilt als der älteste
Frauenberuf der Welt.
Marie Binder hatte einen anstrengenden Beruf als Hebamme. Für die Nachbarskinder war sie auch eine Art Kinderärztin, die um Hilfe gebeten wurde, wenn ein Kind krank war.
Zu dieser Zeit gab es noch kein Auto, alle Wege mussten zu Fuß mit dem Hebammenkoffer geleistet werden. Auch die Verständigung, wenn es so weit war, konnte nur per pedes gemacht werden. Telefon gab es damals nur in ganz wenigen Häusern. Daher kam der Vater häufig mit einer Begleitung, die dann den schweren Hebammenkoffer trugen und die Hebamme zur Entbindung begleiteten.
Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor, vier Töchter und zwei Söhne. Die Söhne starben bereits im Alter von fünf Jahren bzw. einem Jahr. Wenn seine Frau zu einer Geburt musste, brachte sie ihr Enkelkind Peterle zu den Nachbarn Gauss, die gegenüber wohnten und die dann auf ihn aufpassten.
Peter Kummer hatte sein Haus in der Steighalde, dieses Haus steht heute noch.
Als einer der wenigen in der Steighalde besaß er ein Wetterglas. So konnten die Frauen ihn fragen, bevor sie die Wäsche wuschen, ob es wohl regnen würde oder nicht. Im Wohnzimmer neben dem Spiegel hing ein Bild von seinem Stiefbruder Karl (1900 – 1943), der 1943 im Krieg gefallen war.
Als Peter Kummer 1907 wieder aus Südwestafrika zurückkam, gab es in Ebhausen schon seit 16 Jahren eine Eisenbahnverbindung von Altensteig nach Nagold. Und hier fand er seinen Arbeitsplatz als Streckenläufer bei der Bahn zwischen Ebhausen und Altensteig. Dazu stand er morgens um halb vier Uhr auf und lief mit seinem Hund Liesele die Strecke zu Fuß nach Altensteig. Er hatte Werkzeug dabei, um die Querbalken zu überprüfen und gegebenenfalls zu reparieren. Außerdem mussten abgebrochene Äste entfernt, Beschädigungen an den Gleisen kontrolliert und in Ordnung gebracht werden. In Altensteig stieg er dann in den ersten Zug um 5 Uhr 45. Wenn er um 6 Uhr 10 in Ebhausen ankam, ging er gewöhnlich in den Schwanen zu einem kleinen Frühstück. Der Schwanen war damals eine Wirtschaft mit Bäckerei und Landwirtschaft. Christine Brenner als Wirtin und Bäckereiverkäuferin ist noch einigen in guter Erinnerung.
An Stellen, an denen ein Weg die Bahnstrecke kreuzte, war ein Schild LP angebracht. Das war ein akustisches Warnsignal und bedeutete für den Lokführer „Läuten und Pfeifen“. Im Volksmund wurde das als „Lauf Peter“ umgedeutet.
Wird fortgesetzt

