
Datum: Montag, 9. März 2026
Zeit: 19 Uhr
Ort: Kriegsstraße 100 in Karlsruhe (ehemaliges Postgirogebäude) 6. OG
(S-Bahn-Haltestelle Ettlinger Tor)
Anmeldung erwünscht: geschaeftsstelle.difk@landratsamt-karlsruhe.de
Antisemitismus ist eine der ältesten und zugleich wandlungsfähigsten Formen von Menschenfeindlichkeit. Er tritt offen und verdeckt auf, speist sich aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Quellen und stellt Demokratien immer wieder vor neue Herausforderungen.
Petra Pau, langjährige Bundestagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a. D., blickt in ihrem Vortrag auf fast vier Jahrzehnte politischer Auseinandersetzung mit Antisemitismus zurück. Ausgangspunkt ist ihr eigener biografischer Weg: aufgewachsen in der DDR, in einem Staat mit „staatlich verordnetem Antifaschismus“ und zugleich großer Leerstelle jüdischen Lebens, begann sie sich seit den späten 1980er-Jahren intensiv mit jüdischer Geschichte, Erinnerungskultur und Gegenwartsfragen zu beschäftigen.
Der Vortrag verbindet persönliche Erfahrungen mit politischer Analyse. Petra Pau spricht über Lernprozesse, Irrtümer und Fortschritte im Umgang mit Antisemitismus in Politik und Gesellschaft. Sie thematisiert rechte, linke und israelbezogene Formen des Antisemitismus ebenso wie Phasen der Verdrängung und der politischen Instrumentalisierung des Themas. Erfahrungen aus parlamentarischen Expertengremien und die oft ausbleibende Umsetzung ihrer Empfehlungen fließen dabei ebenso ein.
Vor dem Hintergrund der Zäsur des 7. Oktober 2023 und der seither deutlich verschärften Debatten fragt der Vortrag, was Antisemitismusbekämpfung heute wirksam macht – und wo sie scheitert. Die deutsch-israelischen Beziehungen und die Bedeutung kommunaler Partnerschaften wie der zwischen dem Landkreis Karlsruhe und der Region Sha’ar HaNegev werden dabei bewusst mitgedacht, ohne den Vortrag auf außenpolitische Fragen zu verengen.