Von Anton Ottmann
Im Theater im Bahnhof in Dielheim wurde dieser Tage „Pinocchio“ aufgeführt. Die „Originalgeschichte einer Holzpuppe“ hatte vor fast 150 Jahren der italienische Schriftsteller Carlo Collodi (1826–1890) geschrieben, sie erfreut seither ganze Generationen von Kindern. Im Gegensatz zu vielen anderen Märchen spielt sie unter Menschen wie „Du und ich“. Ein König und eine Prinzessin, die geheiratet werden will, kommen nicht vor. Die beiden Glitzerfiguren mussten widerwillig und unter Protest gleich zu Beginn der Aufführung von der Bühne verschwinden. Die „blaue Fee“ und die „altkluge Grille“ sorgten dann dafür, dass am Ende, nach vielen Irrungen und Wirrungen, alles gut ausgeht. Es wird eine Welt auf die Bühne gezaubert, in der die Kinder mit Magie und Fantasie Kummer und Schmerz bewältigen können und so ungeahnte Kräfte freigesetzt werden.
Zur Handlung: Der alte und gebrechliche Gepetto wünscht sich nichts sehnlicher als einen Sohn, und den schafft er sich mit dem, was er am besten kann, dem Schnitzen. Es entsteht eine Holzpuppe mit Augen, Nase und Mund. Nachdem er ihr noch Arme und Beine gegeben hat, nennt er sie liebevoll Pinocchio. Dass die Regisseurin Petra Kirsch den Papa, im Gegensatz zu allen anderen Mitwirkenden, Dialekt sprechen lässt, macht ihn zu einem warmherzigen und bodenständigen Menschen, dem Ruhm und Reichtum gleichgültig sind – ein geschickter Regieeinfall.
Das Glück des „Vaters“ währt aber nur kurze Zeit. Pinocchio will nicht wie andere Kinder in seinem Alter in die Schule gehen, das ist ihm viel zu langweilig. Stattdessen rennt er hinaus in die weite Welt und geht auf eine aufregende Reise voller Versuchungen und Verlockungen, Gefahren und Tücken. Am Ende kommt es zu einer wunderbaren Begegnung mit seinem Vater im Bauch eines Walfisches. Außerdem hat er es faustdick hinter den Ohren, und Fehler zuzugeben ist nicht seine Sache. Dafür schlägt er sich mit Lügen durchs Leben, bis er merkt, dass seine Nase damit länger und immer länger wird. Da sie aber aus Holz ist und abgebrochen werden kann, rettet sie ihm und dem Papa am Ende sogar das Leben. „Der Weg vom hölzernen Hampelmann zum echten Jungen ist holprig, chaotisch und manchmal sogar ein bisschen gefährlich. Aber er zeigt uns, dass man nicht perfekt sein muss, um geliebt zu werden.“ Der so im Programmheft beschriebenen Intension des Theaterstückes ist nicht hinzuzusetzen.
Die bewährte Theaterpädagogin Petra Kirsch hat es wieder einmal geschafft, viele Kinder, unterstützt von der Gruppe der jungen Erwachsenen des Theaters, in einer beeindruckenden Aufführung auf die Bühne zu bringen. Alle agieren mit Engagement und Begeisterung, meistern lange Textpassagen und zeigen ungewöhnliche akrobatische Leistungen. Dass die zahlreichen Kinder im Premierenpublikum der Handlung bis zum Ende gebannt folgten, immer wieder begeistert Szenenapplaus spendeten und mit gut gemeinten Zwischenrufern helfend eingreifen wollten, ist der beste Beweis.
Info: Weitere Aufführungen sind am Samstag, den 25. und Sonntag, den 26. April, um 16 Uhr. Karten gibt es online unter www.ticketino.com und am Kiosk Hollerbach in Dielheim.