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Zur Frühlingszeit

Porträt: Der OGV Malsch will für Natur & Gärtnern begeistern

Der Obst- und Gartenbauverein Malsch blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Heute begeistert er mit Kindergärtnern und Naturprojekten Nachwuchs.
Klaus Hampel steht in roter Jacke vor einem Zaun, der mit großen bunten Schmetterlingen verziert ist.
Der Obst- und Gartenbauverein Malsch blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Heute begeistert er mit Kindergärtnern und Naturprojekten Nachwuchs.Foto: fri

Ausgerechnet Rebläuse sind die Ursache dafür, dass es in Malsch den Obst- und Gartenbauverein gibt. Mit Weinanbau hat der Traditionsverein heute nichts mehr zu tun, mit Wissensvermittlung und Spaß am Gärtnern umso mehr.

Das Jahr 2026 fing für den Obst- und Gartenbauverein Malsch (OGV) gut an. Ende Januar wurde wieder das beliebte Kindergärtnern angeboten – und dafür wurden so viele junge Malscherinnen und Malscher angemeldet, dass der Kurs geteilt werden musste. Vogelkekse und Futterglocken für die heimischen Wildvögel herstellen, stand auf dem Kursprogramm. In den vorigen Kinderkursen wurden bereits Futterhäuschen und Nistkästen aus selbst hergestellten Holzbausätzen gebaut.

„Früher musste jeder mitschaffen“

Die Aktiven des Vereins haben ihren Spaß an der Begeisterung der Kinder. In Kürze werden Erdbeeren gepflanzt, im Mai geht es weiter mit Sommerblumen in Gummistiefeln. Als nächstes Bauprojekt von Karl Knam stehen im Malscher Ferienprogramm selbstgefertigte Werkzeugkisten auf dem Programm.

Der Verein geht gerne auf das Interesse des Nachwuchses ein, der oft von Eltern oder Großeltern zum Kindergärtnern begleitet wird. Sie wollen Kindern eine Brücke zur Natur geben, erzählt Vereinsmitglied Jürgen Seekircher. „Früher hatte jeder Landwirtschaft, jeder musste mitschaffen“, sagt der Malscher. Doch diese Verbindung fehlt heute vielen.

Vereinseigener Garten beim alten Gaswerk

„Das Kindergärtnern funktioniert supergut“, sagt auch Vereinsvorstand Klaus Hampel. „Dann geht es erst wieder mit 70 los.“ Immerhin hat der Verein 114 Mitglieder, im Vorjahr kamen einige neue hinzu.

Dabei geht es längst nicht mehr darum, Obst zu produzieren und gemeinschaftlich zu vermarkten. Viele Mitglieder haben private Gärten für den Obst- und Gemüseanbau.

Der Verein selbst unterhält seit 2000 einen Garten neben seinem Vereinsheim im alten Gaswerk. Hier stehen etliche Apfelbäume und ein Kirschbaum, ein Maulbeerbaum, Hochbeete, eine Erdbeersäule, Brombeer-, Himbeer- und Johannisbeersträucher. Ein großes selbstgebautes Insektenhotel befindet sich neben dem Sandarium für die Erdbienen und den Steinen für die Eidechsen, auf der anderen Seite bietet eine Benjeshecke (Totholzhecke) Tieren Unterschlupf. Und am Zaun neben dem Eingang ist das Ergebnis eines erfolgreichen Kindergärtnerns zu sehen: Bemalte Holzschmetterlinge lassen den Garten auch außerhalb der Saison fröhlich bunt wirken.

Vom Weinbau zum Obstanbau

Eigentlich hatte in Malsch alles ganz anders angefangen, nämlich mit Weinbau. Wie in vielen Orten in der Nachbarschaft wurde Wein angebaut – bis aus den USA die Reblaus eingeschleppt wurde und deutschlandweit die Reben eingingen. Die Malscher stellten auf die Amerikanerrebe um – ein Rebstock, der der Reblaus widersteht, allerdings keinen sonderlich guten Wein liefert. In den 1930er Jahren war dann auch damit Schluss, als die Amerikanerrebe verboten wurde.

Die Malscher stellten wieder um – und begannen mit dem Obstbau. Aus dem Rebverein ging später der Obst- und Gartenbauverein hervor. Der gab nicht nur Wissen weiter, sondern sammelte das angebaute Obst auch ein, um es bei der Genossenschaft in Bühl anzuliefern.

Halb Malsch war beteiligt

Johannisbeeren, vor allem die wertvolleren schwarzen Früchte, gab es allerorten in Malsch. „Halb Malsch hat Träubles angebaut“, erzählt Jürgen Seeberger. Etliche Änderungen bei Steuern und Anlieferbedingungen sorgten schließlich dafür, dass der Johannisbeer-Anbau in Malsch Anfang der 1970er Jahre zum Erliegen kam. Erst über zehn Jahre später wurde der Obst- und Gartenbauverein wieder aktiv – mit Schnittkursen und Beratungen.

Streuobstwiese statt Pferdekoppeln

Viele Streuobstwiesen werden heute nicht mehr gepflegt, und manche werden – zum Leidwesen des Vereins – in Pferdekoppeln umgewandelt. Auf anderen wiederum wird Spalierobst angebaut, was wirtschaftlicher ist.

Für den Verein steht die Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund. Den Mitgliedern geht es um den Erhalt der Anlagen und das Malscher Landschaftsbild. Und hier setzt der Verein an: 2023 beschaffte der Obst- und Gartenbauverein über 300 Obstbäume alter Sorten – eine Aktion, die von der Streuobstinitiative Karlsruhe und der Gemeinde Malsch gefördert und 2025 wiederholt wurde. Diese Bäume, meist Apfel, Birne und Pflaume, konnten in Malsch dank der Förderung für gerade mal zehn Euro abgegeben werden. Der Verein bietet den Käufern für einen kleinen Obolus an, den Pflanzschnitt und nach zwei Jahren den sogenannten Erziehungsschnitt zu machen, denn ohne fachgerechten Schnitt trägt der Baum bald nicht mehr.

Viele Angebote für Obst und Garten

Für den fachgerechten Schnitt kann sich die Malscher Bevölkerung an die Spezialisten des Obst- und Gartenbauvereins wenden, denn zwei von ihnen sind Fachwarte für Obst- und Gartenbau. Oder: selbst einen Schnittkurs belegen, denn auch das bietet der Verein, ebenso wie einen Sensen- und Dengelkurs.

Für den Austausch oder Fragen treffen sich etliche Vereinsmitglieder immer am ersten Donnerstag im Monat im Vereinsheim – hier ist jede und jeder willkommen und kann vom Wissen der Gruppe profitieren. Es gibt den Spezialisten für Veredelungen, für Baumschnitt und mehr.

Eigener Saft aus der alten Kelter

Wer nun erfolgreich Obst angebaut und geerntet hat, dem bietet der OGV etwas ganz Besonderes: In der Garage neben den Vereinsräumen steht die historische Kelter aus Waldprechtsweier, die der Verein zusammen mit dem Kelterverein und dem Umweltverein retten und in mühseliger Kleinarbeit restaurieren konnte. 2011 wurde sie in Betrieb genommen. Seither können die Malscher hier nach der Ernte ihren Obstsaft pressen lassen und beim „Schaukeltern“ dabei zusehen.

Nutzungsbörse für Gärten geplant

Zusammen mit dem Umweltverein wird der OGV dieses Jahr zum fünften Mal eine Pflanzentauschbörse auf dem Mühlenplatz anbieten. Und auch bei der jährlichen Genusswanderung setzt der Verein auf Kooperationen mit den Nachbarn: Sie wird gemeinsam mit den Obst- und Gartenbauvereinen aus Völkersbach, Waldprechtsweier und Sulzbach veranstaltet.

2026 will der Verein eine Idee umsetzen, mit der sich Gärten und Obstbäume retten ließen, die nicht mehr bewirtschaftet werden: Entstehen soll eine Nutzungsbörse, bei der sich Gartenbesitzer melden können, die sich nicht mehr selbst um ihre Gärten kümmern können. Gerade die Hochstämme der typischen Streuobstwiese, für deren Bewirtschaftung Leitern nötig sind, sind für viele ältere Besitzer ein Problem.

Sie sollen über den Verein Kontakt zu Bürgern bekommen, die daran interessiert sind, einen Garten zu nutzen und zu pflegen. So blieben Malsch die Obstbäume erhalten, anstatt wie einst die Reben aus dem Ortsbild zu verschwinden.

Erscheinung
MAZ – Das Wochenmagazin für Malsch, Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier
Ausgabe 11/2026
von Redaktion NUSSBAUMMartina Frietsch
08.03.2026
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