Lang lang ist’s her, dass die Mitglieder des Sersheimer Posaunenchors von der örtlichen Blechblaskonkurrenz als „Jericho-Bläser“ bezeichnet wurden. Bereits im ersten Corona-Jahr 2020 begann eine neue Ära der Zusammenarbeit: Der Musikverein Sersheim unterstützte den Posaunenchor beim traditionellen Kurrendeblasen.
Präsenzgottesdienste waren verboten, stattdessen luden die Kirchengemeinden zu einem ökumenischen Mini-Gottesdienst an Heiligabend ein. In Gruppen machten sich Musikerinnen und Musiker des Posaunenchors und des Musikvereins auf den Weg und spielten Weihnachtslieder. Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden gestalteten den Gottesdienst mit Impuls, Gebet und Verlesung der Weihnachtsgeschichte.
2021 wurde die Zusammenarbeit um einen gemeinsamen Beginn am Pflegeheim erweitert: Musikverein und Posaunenchor spielten gemeinsam, bevor drei Gruppen aufbrachen, um an mehreren Stationen die Weihnachtsbotschaft unter die Menschen zu bringen. So geht Kirche an vielen Orten!
Seither spielen Posaunenchor und Musikverein an Heiligabend gemeinsam vor dem Pflegeheim Weihnachtslieder, anschließend zieht der Posaunenchor zur Kurrende durch den Ort, während der Musikverein das Weihnachtsspielen vor dem Haus am Schlösslesbrunnen fortsetzt.
Das zarte Pflänzchen der Zusammenarbeit ist mittlerweile kräftig gewachsen. Ob im Musikverein ein Tubist fehlt oder beim Posaunenchor sowohl ein Paukist als auch die dazugehörigen Kesselpauken fehlen: gegenseitige Unterstützung ist mittlerweile selbstverständlich!
2026 wurde die Zusammenarbeit weiter intensiviert. Im März wurde an den Posaunenchor die Bitte herangetragen, den Musikverein an Fronleichnam bei der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes und der Prozession zu verstärken. „Selbstverständlich, das machen wir gerne“, kam die Antwort aus dem Posaunenchor. „Aber: Prozession spielen, das heißt ja marschieren und dabei spielen: Das beherrschen wir nicht!“
Also eine neue Herausforderung, der sich die Mitglieder des Posaunenchores nach anfänglichem Zögern stellten. Die Auswahl der Stücke, die für beide Bläserformationen spielbar sind, war die erste Hürde, die es zu überwinden galt. Hinzu kam die Beschaffung des notwendigen Equipments für den Posaunenchor. Marschgabeln samt Befestigungsmöglichkeiten wurden mit Unterstützung des Musikvereins organisiert und im Mai fand die erste gemeinsame Probe statt.
Ein Dienstagabend, Anfang Juni: „Was ist das? Durch Sersheim schweben Klänge, die nicht ganz leicht zu orten sind. Woher kommen sie? Wer spielt da? Was ist heute los?“
Mehrere Menschen machen sich auf den Weg, um herauszufinden, wo die Musik spielt. Sie sehen Musikverein und Posaunenchor einträchtig durch die Ochsenweide marschieren und hören vertraute Weisen: „Großer Gott wir loben Dich – Nun danket alle Gott – Lobe den Herren“. Da fühlt sich eine Zuhörerin gar motiviert, zum Fronleichnamsgottesdienst zu kommen, obwohl sie nicht der St. Stephanusgemeinde angehört.
Wie wir seit Fronleichnam wissen, hat der Posaunenchor die „laufende“ Herausforderung spielend gemeistert. Das gemeinsame Musizieren hat allen Beteiligten viel Freude bereitet und beim anschließenden Austausch im Saal der St. Stephanusgemeinde wurde die Gemeinschaft gepflegt.
Übrigens: beim nächsten Ereignis – dem ökumenischen Gottesdienst zum Feuerwehrjubiläum – hat der Posaunenchor einen Engpass und Bläser des Musikvereins werden zur Verstärkung mitspielen.