
Die 25-jährige Bürokauffrau wuchs auf dem Hollmuth auf und ist seit ihrem 7. Lebensjahr in der NKG aktiv. Ihre Inthronisation in roter Glitzerrobe war einer der Höhepunkte des Jubiläumsabends „99 Jahre NKG“ am Samstag in der Aula der SRH.
Nach einer Lasershow begrüßte der NKG-Vorsitzende Matthias Strifler die 230 geladenen Gäste – NKG-Mitglieder, örtliche Honoratioren und Sponsoren sowie Delegationen aus karnevalistischen Verbänden und Vereinen der Region – sowie die zahlreichen Helfer. Es folgte eine gemeinsame Vorführung der Tanzgarden und Showtanzgruppen der NKG, die schließlich als große Gemeinschaft aller Generationen auf der Bühne posierte.
Auch danach reihte sich unter der Moderation von NKG-Sitzungspräsidentin Susanne Konrad und Vorstandsmitglied Franziska Holschuh Höhepunkt an Höhepunkt: Die bunt gekleidete Band „Tobbmaster Fitsch and the fabulous Fernando Horns“ brachte mit Hits wie „Westerland“ oder „Wackelkontakt“ den Saal schon früh zum Kochen – die Gruppe spendet ihre Gagen für einen guten Zweck und hat so in acht Jahren schon über 55.000 Euro für soziale Projekte zusammengebracht. Ein absoluter Hingucker und zugleich ein emotionales Highlight des Abends war das Defilee von fast 40 ehemaligen NKG-Prinzessinnen, von Gisela I. (1968) bis heute, die mit Schärpen dekoriert und oft in festlicher Robe ihre Verbundenheit mit dem Verein zum Ausdruck brachten. In deren Gegenwart wurde die vormalige Prinzessin Laura I. tränenreich und mit viel Lob für ihr herausragendes Engagement verabschiedet und in den illustren Kreis der „Ehemaligen“ aufgenommen. Sie dient ab sofort Helen I. als Hofdame und half mit bei der Verteilung des ersten Jahresordens.
Der Inthronisation von Helen I., die mit einem neu angefertigten Zepter als Machtsymbol ausgestattet wurde, ging ein feierlicher Auftakt durch den Fanfarenzug der Kurpfälzer Trabanten sowie ein Grußwort des Präsidenten der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine Jürgen Lesmeister voraus; der Inthronisation folgte die Übergabe des Stadtschlüssels durch Neckargemünds Bürgermeister Jan Peter Seidel. Doch auch wenn die Stadtkassen leer sind, wie Präsidentin Konrad treffend feststellte, mochte Seidel den Schlüssel nicht herausrücken, ohne dass Helen nicht eine Reimkette als Aufgabe absolviert hatte. Schließlich war die Machtübernahme perfekt und Helen I. verkündete ihre närrischen 11 Gebote.
Beim „Mariechenmedley“ zeigten die NKG-Tanzmariechen Aaliyah Schäfer, Angelina Funk und Helene Scheithauer anmutig ihr Können. Im Namen des Heidelberger Karneval-Komitees überbrachten „Perkeo“ Thomas Barth sowie die anwesenden Heidelberger Gesellschaften ihre Glückwünsche. Später sollten noch Grußworte der NKG-Ehrensenatoren, vorgetragen von Jürgen Rehberger, sowie der zahlreichen anwesenden Karnevalsvereine aus der Region folgen, aufgelockert von der Darbietung des Tanzpaars der Mühlburger KG.
Zu später Stunde stellte der Jubiläumschor in einer kleinen szenischen Darstellung mit zwei traditionellen Neckargemünder Karnevalssongs die Verbindung von den Anfängen der NKG zur Gegenwart her und beschwor die Liebe zur Heimatstadt herauf – „bist Du nicht hier daheim, dann wirst Du’s nirgends sein“ – und danach sorgten die Videoclips mit den „Blitzlichtern“ für einen weiteren emotionalen Höhepunkt: Zahlreiche NKG-Aktive erzählten aus persönlicher Perspektive „ihre“ Geschichte mit der NKG. Und auch den verstorbenen Aktiven der letzten 20 Jahre wurde an diesem Totensonntag gedacht.
Spontan rief Vorsitzender Strifler die Mitglieder auf die Bühne, die sich seit über einem Jahr bei den Jubiläumsaktivitäten engagiert hatten, indem sie den Festakt vorbereiteten sowie die Jubiläumsfestschrift und die Jubiläumsausstellung im städtischen Museum gestalteten: Franziska Holschuh, Susanne Konrad, Thomas Muley, Thomas Schmitz und Madeleine Seidl wurden deshalb besonders geehrt. Die Festschrift, eigentlich eher ein Buch mit 180 Seiten Chronik, Präsentation und Ausblick sowie hunderten von Fotos aus Vergangenheit und Gegenwart, wurde nach Mitternacht an alle Anwesenden verteilt und liegt weiterhin im Museum und bei den NKG-Veranstaltungen aus. Den Schlusspunkt des Abends setzten die „Neckarsternchen“ der NKG mit einem Gardetanz auf das Badner Lied. Nach der Verabschiedung klang der Abend an der eigens aufgebauten NKG-Bar aus.
Welch große Bedeutung solche „närrische“ Gemeinschaft in der heutigen Zeit hat, unterstrich in seinem Grußwort der Präsident des Bund Deutscher Karneval (BDK), gewissermaßen der oberste Karnevalist des Landes, Klaus Ludwig Fess, der aus dem Saarland angereist war und als erster Redner sprach: „Fastnacht ist kein Luxusgut, keine Spielerei, Brauchtum ist nicht rückwärtsgewandt, sondern eine Brücke in die Zukunft. Es schafft Halt, es schafft Gemeinschaft, es schafft Räume, in denen Menschen lachen, ohne ihre Sorgen zu vergessen.“ Der Karneval steht nach seinen Worten „für Integration, für Vielfalt, für Respekt und für demokratische Werte“, die Fastnacht sei „Ausdruck der Lebensfreude, des Widerstands gegen Mutlosigkeit“ und ein Ort des sozialen Miteinanders. Dass die NKG dies über fast ein Jahrhundert „mit bemerkenswerter Leidenschaft“ vorlebe, mache sie zu einem „Ort des Lichts, des Lächelns und der Zuversicht“.


