
Zu gleich zwei Preisträgerkonzerten durfte der erst achtjährige Anselm Inselmann aus Ketsch, Schüler von Tatjana Worm-Sawosskaja im klassischen Klavier und bei Dmitrij Koschew in Jazz in Schwetzingen, in den Faschingsferien 2026 nach Frankreich reisen: Beim französischen Wettbewerb Nouvelle Étoile erreichte er in der zweiten Saison 2025 in seiner Alterskategorie am Klavier den ersten Preis und wurde deshalb zu Preisträgerkonzerten in festlichem Rahmen nach Paris und Brunoy eingeladen.
Trotz kalter Witterung war die Reise ins Herz Frankreichs ein großer Erfolg und eine beeindruckende Erfahrung für ihn – sowohl musikalisch als auch menschlich. Anselm erfuhr die Wertschätzung der Jury gegenüber seiner Darbietung von nachdenklichen Werken Bachs, stürmischen Herausforderungen Liszts und abwechslungsreichen Jazz-Momenten Petersons; das Publikum forderte ihn sogar zu einer Zugabe auf – und er gab Beethovens „für Elise“ als „für Paris“.
Neben der musikalischen Erfahrung fühlte er sich außerdem sehr wohl zwischen den engagierten, fachkundigen, vor allem aber warmherzig-freundlichen Organisatoren des Wettbewerbs.
Maria Christiani und ihr Mann Jean-Michel organisierten unkompliziert und persönlich den Transfer zum Konzertort, als es mit der Regionalbahn an der Haltestelle Brunoy Probleme gab – und so lernten sich die jungen Nachwuchstalente verschiedenen Alters aus Zypern, Polen, Aserbaidschan, Rumänien und Frankreich auf ungewöhnliche und fröhliche Weise schon bei der Autofahrt in Frankreich näher kennen. Tatsächlich ist der gegenseitige internationale Austausch, die musikalische Völkerverständigung ein Ziel dieses expandierenden Wettbewerbs. Die jungen Menschen hörten einander aufmerksam zu, unterstützten sich und tauschten sich musikalisch aus. Ganz ohne den Konkurrenz- und Konzentrationsdruck, der bei Präsenzwettbewerben gegeben ist, konnten sich die jungen Musikerinnen und Musiker bei diesem Preisträgerkonzert offen und interessiert aneinander begegnen. Auch musikalische Sommerferienreisen mit musikalischen Meisterkursen, Auftrittsmöglichkeiten und kulturellen Austauschprogrammen bieten die Organisatoren von „Nouvelle Étoile“ ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern an.
Anselm war an den Preisträger-Konzertabenden dieses Wochenendes der jüngste Pianist – und wurde von den „Großen“ hervorragend integriert. Denn er zeigte auch am 14. Februar beim Preisträgerkonzert in der klassizistischen Pariser Kirche „Église des Batignolles“ sein Einfühlungsvermögen für musikalischer Werke verschiedener Epochen. Die auch literaturhistorisch berühmte Kirche, in der dieses Konzert am 14.02.26 stattfand, erinnert architektonisch an einen griechischen Tempel und spielt in Joseph Roths „Legende vom heiligen Trinker“ aus dem Jahr 1939 eine zentrale Rolle. Was für ein Glück für den jungen Schüler des Schwetzinger Klavierstudios Worm-Sawosskaja für begabte Kinder und Jugendliche, in solch besonderer Umgebung auftreten zu dürfen.
Die Konkurrenz an kulturellen Angeboten ist in der Hauptstadt Frankreichs besonders groß – aber auf die jungen Talente, die „neuen Sterne“ freuten sich an diesem Abend so viele Zuhörer, dass die jungen Menschen vor prächtiger Kulisse der Kirche und vollen Zuschauerreihen spielen durften. Auch der folgende Abend in der barocken Konzertkirche von Brunoy, der Église Saint-Médard, war für die jungen Künstler ein erinnerungswürdiger Erfolg. Denn sie interpretierten und hörten altersgerecht auf höchstem Niveau Werke von Liszt, Beethoven, Messiaen, Bach, Schumann und Debussy. Anselm hat sich nach diesen Eindrücken begeistert vorgenommen, demnächst mit dem Erarbeiten einer Etüde von Moszkowski in g-Moll zu beginnen, die in sehr beeindruckt hat.
Inzwischen hat sich Anselm ein farbenfrohes Lehrbuch mit französischen Vokabeln besorgt und ist hoch motiviert, nebenher diese romanische Sprache zu lernen, denn er hat bereits die nächste Reise in Aussicht: Kurz nach der Rückkehr aus Frankreich hat er erfahren, dass er auch bei der 13. Auflage des Nouvelle-Étoile-Wettbewerbs 2026 den ersten Preis gewonnen hat, diesmal mit 96 Punkten – wann und wo das Preisträgerkonzert dafür in Paris stattfinden wird, wurde noch nicht bekannt gegeben. (red)