
Besondere Gäste bereicherten dieses Mal den „Freundeskreis-Special“-Abend. Der Freundeskreis des „theater am puls“ ist an fünf Terminen im Jahr zu einer besonderen Präsentation eingeladen. Dieses Mal stand zunächst ein Blick in die Proben zur kommenden Premiere auf dem Plan.
Die Gäste sahen eine Szene aus „Gift. Eine Liebesgeschichte“. Ein Ehepaar hat vor zehn Jahren ihr Kind durch einen unglücklichen Unfall verloren und trifft sich nun nach zehnjähriger Trennung wieder – in der Wartehalle eines Friedhofs, auf dem ihr gemeinsamer Sohn begraben liegt. Gift ist aus einer nahegelegenen Fabrik ausgetreten und nun sollen die Gräber umgebettet werden. Der ihnen zugestoßene Verlust und die Unfähigkeit, gemeinsam darüber zu trauern, brachte sie damals auseinander. Hier beginnt eine leise Annäherung, eine Bestandsaufnahme der zerschmetterten Beziehung zweier zutiefst verletzter Seelen.
Sie sind sehr unterschiedlich mit ihrer Trauer umgegangen, haben gegensätzliche Wege eingeschlagen. Aus einem offiziellen Termin wird eine Reise in ihre gemeinsame Vergangenheit, in der sie auch überraschend humorvolle Momente entdecken.
Das 2009 uraufgeführte, preisgekrönte Stück „Gift. Eine Ehegeschichte“ der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans gehört seitdem zu den meistgespielten Dramen an deutschen Bühnen. Regisseur und Intendant Joerg Mohr des Schwetzinger „theater am puls“ hat mit Erlaubnis des Verlags das Drama von der „Ehegeschichte“ in eine „Liebesgeschichte“ umbenannt. Denn ihm geht es um den positiven Blick.
Nun sahen die Freundeskreis-Mitglieder eine Szene, in der die Schauspieler Johanna Withalm und Max Rohland sich streiten, sich Vorwürfe machen – und doch blitzt da immer noch vorhandene Liebe auf.
Nach dieser Appetit-Anregung kamen zwei „Experten“ auf die Bühne. Joerg Mohr hatte zwei ehrenamtlichen Vertreter des „Sterntaler-Hospizes“ aus Dudenhofen bei Speyer eingeladen. Christoph Janker und Elke Anton sprachen über ihre Erfahrungen, wie Familien mit dem Verlust eines Kindes umgehen. Da war es so still im Zuschauerraum, als hielten alle den Atem an, wenn Elke Anton – seit 18 Jahren ehrenamtlich dabei - schilderte, wie liebevoll und tröstlich in dem Kinderhospiz mit dem zu erwartenden Tod eines Kindes umgegangen wird oder wie schließlich das gestorbene Kind über den geschmückten Weg abgeholt wird.
In dem Sterntaler-Hospiz mit acht Pflegeplätzen kommen zunächst Familien zum „Entlastungsaufenthalt“ zusammen. Sie können dort einige Tage oder Wochen wohnen. Krankenpfleger und Ärzte kümmern sich um das kranke Kind, ehrenamtliche Betreuer unternehmen etwas mit den Geschwisterkindern und bieten Treffs für die belasteten Eltern an. „Eltern empfinden diese Zeit als „Urlaub“, weil ihnen kurzzeitig die Pflege abgenommen wird“, erzählt Christoph Junker, der seit 15 Jahren ehrenamtlich mitarbeitet. Er berichtet, wie wichtig der Austausch zwischen den betroffenen Familien ist. Auch Jahre danach halten diese Freundschaften noch an. „Aber es gibt auch Fälle - wie in dem Theaterstück -, dass eine Ehe diese extreme Zerreißprobe nicht übersteht und sich die Eltern danach trennen. Das muss jedoch nicht immer schlecht sein.“ Janker und Anton beeindruckten mit ihrer Überzeugung, dass diese ehrenamtliche Arbeit ihnen viel zurückgibt: „Kinder gehen erstaunlich souverän mit dem Tod um – sogar in der Endphase, wenn sie sich auf den Weg machen. Wir können von ihnen lernen.“
Info
Premiere: Samstag, 21.2., 19 Uhr. Weitere Vorstellungen: Samstag, 7. März, 18. April, jeweils 19 Uhr. Karten unter www.theater-am-puls.de und unter 06202 9269996 (9:00-18:00).


