Bei den Narren der GroKaGe Malsch herrscht Hochbetrieb. Requisiten und Deko müssen vom Vereinshaus NarrenNest ins Bürgerhaus gebracht werden, die Technik wird eingerichtet, die Akteure proben für den Auftritt bei der Prunksitzung. Und was macht das Prinzenpaar? Entspannen, Tee trinken und auf den großen Auftritt vorbereiten? Weit gefehlt! Zwischen Auftritten und Besuchen legen Prinz Mario I. und seine Prinzessin Melanie I. ihre royalen Kostüme ab und arbeiten mit, damit zu den Prunksitzungen alles klappt.
„Prinzessin Melanie I., Tanzender Feger, Verwalterin von Pillen und Kanülen“ – so lautet der offizielle Titel der neuen Prinzessin der GroKaGe Malsch. Im royal-blauen Kleid, mit Diadem und eindrucksvollem Collier um den Hals, zeigt sie sich bei ihren Auftritten dem karnevalistischen Volk.
Prinzessin zu werden, war für die 29-Jährige ein lange gehegter Wunsch, seit sie mit zwölf Jahren zum ersten Mal eine Prinzessin sah und sofort begeistert war. „Der Trubel, die Kleider, der Glitzer, die Lichter, die Aufmerksamkeit – da will ich hin!“, wusste sie. Doch dann fehlte irgendwie immer die Zeit: Erst kam die Schule, dann Ausbildung, sie tanzte, wurde mit 14 selbst Trainerin. „Da war überhaupt keine Zeit für Krönchen und Zepter und Kleidchen.“
Das war noch in Beiertheim, wo sie viele Jahre tanzte und auch Funkenmariechen war. Seit drei Jahren gehört sie nun der GroKaGe Malsch an – und das mit Begeisterung: Hier hat sie ihre neue Vereinsfamilie gefunden, sagt sie. Während des Jahres trainiert sie an vier Tagen in der Woche mit den Kindern und Jugendlichen. Und jetzt kommen an drei weiteren Tagen die Verpflichtungen als Prinzessin hinzu.
Melanie I. war schon mit sechs Jahren im Karnevalsverein. Sie erinnert sich noch gut an ihr allererstes Kostüm – ihre Mutter hatte sie mit einem selbstgenähten Kostüm als Bezaubernde Jeannie verkleidet.
Und heute? Heute geht sie als großer Pokemon-Fan gerne in ihrem Glurak-Onesie-Kostüm los. Oder als Piratin, in einem Kostüm, das sie seit dem 16. Lebensjahr besitzt und das nach ihrer Regentschaft wieder zum Einsatz kommt. Ihre Familie erfuhr von ihrem anstehenden Prinzessinnen-Dasein tatsächlich erst, als sie bei der Prinzenherausdeutung von Prinz Mario I. ausgewählt wurde.
Im bürgerlichen Leben arbeitet Melanie Franke in der Pflege. Da sie als begeisterte Karnevalistin ohnehin jedes Jahr über Fasching Urlaub nimmt, klappt es nun auch mit dem Dasein als Prinzessin, auf das sie sich akribisch vorbereitet hat: Vier Kleider hat sie als Prinzessin – drei hat sie gekauft, eines bekam sie von Vorgängerin Prinzessin Danny I., die sich auch dieses Jahr um das Prinzessinnenmanagement kümmert. Sie richtet und stylt Melanie I. vor fast jeder Veranstaltung und investiert überhaupt viel Zeit und Nerven, damit die Prinzessin perfekte Auftritte hinlegt. Mehrere Kleider müssen schon sein, denn wenn es schneit und der Weg matschig ist, ist das Kleid schnell ein Fall für die Wäsche.
Freizeit bleibt ihr derzeit keine. Nach Aschermittwoch kann sie sich wieder ihren beiden Katzen widmen und ihren Hobbies Zeichnen, Handwerken und Renovieren. Und natürlich den Tänzergruppen der GroKaGe, denn die nächste fünfte Jahreszeit kommt schnell.
„Prinz Karneval Mario I., Koordinator der technisch begabten Mitarbeiter, Herrscher über Bits und Bytes“ regiert in Malsch bis Aschermittwoch. Eigentlich wollte Prinz Mario I. (44) Fasching früher gemütlich genießen.
Als Zwölfjähriger kam er in den Verein. „Spät“, wie er sagt, denn die GroKaGe hat inzwischen Aktive auf der Bühne, die gerade mal drei Jahre alt sind.
Angefangen hat er als Fahnenschwinger und damit war er ganz zufrieden. „Einmal am Anfang einmarschieren, dann den Rest der Zeit unten in den Umkleidekabinen verbringen, um dann zum Finale mit der Fahne wieder auf der Bühne zu stehen. Das war viel entspannter als die ganze Zeit an der Technik.“
Doch da hatte er die Rechnung ohne den Technikchef der GroKaGe gemacht. Der wartete, bis Mario Bogner 18 war, dann war der Wechsel angesagt: vom Fahnenschwingen ans Mischpult.
Heute sorgt der IT-Systemtechniker als Leiter des Technikteams für den Technik-Aufbau, vor allem aber für den guten Ton bei den Veranstaltungen.
Und manchmal sorgt er auch für ungeplante Programmpunkte. So stürzte ihm vor einigen Jahren der Laptop ab, als die Jugendgarde bei der Prunksitzung gerade auf der Bühne war. Die Musik verstummte, doch die Mädels schafften ihren Tanz komplett auf das Klatschen des Publikums – und sorgten so für den Höhepunkt des Abends. Für selbstverschuldete Pannen hält der Verein sogar einen eigenen Orden parat: den Schlamper-Orden, den der Präsident am Aschermittwoch an denjenigen überreicht, der den dicksten Bock geschossen hat.
Auch Prinz Mario I. kommt aus einer faschingsbegeisterten Familie, seine Mutter war jahrelang Gardetänzerin und Büttenrednerin des Vereins, 1978 war sie selbst Prinzessin der GroKaGe Malsch. Sie schneiderte ihm auch das erste Kostüm, an das er sich erinnert – ein Schornsteinfeger-Outfit. Vom Vater gabs die selbstgebaute Leiter dazu.
Inzwischen ist er Elferrat und braucht die ganze Kampagne über kein Kostüm. Wenn er aber doch mal privat unterwegs ist, dann als großer flauschiger Bär – das war vor vielen Jahren das inoffizielle Kostüm der GroKaGe.
Auch als Prinz hat er es bei der Kleiderordnung einfacher als seine Prinzessin, denn er kann ein Prinzenkostüm des Vereins nutzen. Nur für die empfindliche weiße Hose hält er einen Ersatz parat, denn „die überlebt das Wochenende im Normalfall nicht“.
Prinz Mario I. bleibt der GroKaGe Malsch treu, auch wenn er mit seiner Familie inzwischen 40 Kilometer weiter südlich wohnt. Seine Frau war in seine Prinzen-Pläne eingebunden, verrät er. Das musste auch sein: Frau und Kind sehen von ihrem „königlichen“ Mitglied in der Zeit zwischen Inthronisierung und Aschermittwoch nämlich sehr wenig – ohne ihr Verständnis und ihre Unterstützung hätte er das Amt des Prinzen nicht angenommen. Ansonsten aber ist es hoch geheim, wen sich der Verein als nächsten Prinz ausgeguckt hat, der bei der Prinzenherausdeutung gefunden wird und seine Prinzessin vorstellt.
Und wie muss das Volk das Prinzenpaar eigentlich ansprechen? Da gebe es seines Wissens keine Regelung, grübelt Mario I. Manche sprechen ihn aus Jux derzeit mit „mein Prinz“ an. „Mario reicht“, erwidert seine Hoheit dann.
Am 31. Januar und 7. Februar finden jeweils Prunksitzungen der GroKaGe statt. Infos und Karten gibt es unter www.grokage-malsch.de.
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