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Einblick in die Stadtgeschichte:

Projekt „Nationalsozialismus in Böblingen“

Ein Zwischenbericht zum Forschungsprojekt zur Aufarbeitung von Zwangsarbeit in Böblingen im Nationalsozialismus (1939-1945) im Stadtarchiv
Foto: Stadtarchiv Böblingen

Die historische Aufarbeitung „Nationalsozialismus in Böblingen“ im Stadtarchiv geht voran. Das stadtgeschichtliche Forschungsprojekt, das zum Ende des letzten Jahres gestartet war, hatte im Gemeinderat große Unterstützung gefunden. Zwei freischaffende Historiker*innen bearbeiten seither in guter Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Böblingen das gewiss unbequeme, aber umso wichtigere Thema „Zwangsarbeiterlager in Böblingen im Nationalsozialismus“.

Um das Projekt, das bis zum Jahresende läuft und mit einer Forschungsarbeit abgeschlossen werden soll, weiterhin für alle Interessierten transparent zu gestalten und Beteiligung zu ermöglichen, wird es medial über mehrere Einblicke in die Stadtgeschichte des Stadtarchivs begleitet. Das Forschungsteam „Fachwerk“, Dr. Michael Walther und Dr. Yvonne Arras, fassten ihren Forschungsstand (vor der Sommerpause) zu diesem Projekt über eine dunkle Zeit der deutschen Geschichte zusammen.

Im Sommer 2025 hatte das Forscherteam seine Recherchen in einschlägigen Quellen zum Thema „Zwangsarbeiterlager in Böblingen zwischen 1939 und 1945“ weitestgehend abgeschlossen. Mit Unterstützung der Böblinger Stadtarchivarin Tabea Scheible sichteten sie die bislang verfügbaren Quellen des Stadtarchivs zum Thema. Und auch im Kreisarchiv Böblingen arbeiteten die beiden Forschenden wichtiges und aufschlussreiches Quellenmaterial aus, ebenso recherchierten sie nach weiteren Unterlagen im württembergischen Staatsarchiv in Ludwigsburg und dem Bundesarchiv Berlin.

Dr. Michael Walter: „Auffällig ist dabei, dass einige relevante Quellen in den Archiven nicht vorhanden sind. Das betrifft beispielsweise die Böblinger Gemeinderatsprotokolle der Jahre 1939 bis einschließlich 1943, die als womöglich verbrannt gelten. Andere zeitgenössische Akten wurden auch in Böblingen nachweislich vernichtet.“

Für den heutigen Stadtteil Dagersheim, der im Zuge der Gemeindereform im Jahr 1971 zu Böblingen kam, arbeitet das Forscherteam ebenfalls daran, Informationen zu Zwangsarbeiterlagern zu ermitteln. Die Gemeinderatsprotokolle von Dagersheim, die über die ganze Zeit des Nationalsozialismus vorliegen, werden gegenwärtig im Stadtarchiv Böblingen digitalisiert und stehen demnächst für Recherchearbeiten – sowohl für dieses Forschungsvorhaben als auch für alle weiteren Archivnutzerinnen und Archivnutzer zur Verfügung.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens konnten Walther und Arras inzwischen eine ganze Reihe von sogenannten ‚Ostarbeiterlagern‘ und ‚Kriegsgefangenenlagern‘ ermitteln. Zudem haben sich auch Zwangsarbeiterlager in Böblinger Industrieunternehmen identifizieren lassen. Sie stellten heraus, dass viele Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus Westeuropa, etwa aus Frankreich, den Beneluxstaaten und Skandinavien, in Privatquartieren in Böblingen untergebracht wurden. Dennoch sind die Quellen rar, sodass das das Forscherteam und das Stadtarchiv sich erneut mit der Bitte an die Stadtbevölkerung wendet, das Projekt zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu unterstützen. „Falls Ihnen privat Dokumente oder Quellenmaterial zu Zwangsarbeitern und ihrer Unterbringung vorliegen, freuen wir uns auf einen Hinweis an das Stadtarchiv“ vermeldet Stadtarchivarin Tabea Scheible; und weiter: „Wir bedanken uns bereits jetzt für die eingegangen Informationen und Hinweise aus der Stadtbevölkerung, die einen wertvollen Überstützung der Forschungsarbeit sind. Auch wenn es nur vage Erinnerungen sind, womöglich, dass im Hause Zwangsarbeitende untergebracht waren, oder es sich um ein einzelnes Schriftstück oder Foto handelt, können daraus Ansatzpunkte für das Forscherteam erwachsen. Wir freuen uns auf Hinweise von ihnen zu privaten Dokumenten und Quellenmaterial an das Stadtarchiv.“

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
14.10.2025
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