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Soziales

Projektarbeit im Waldkindergarten am Waldparkring

Wir haben in dieser Welt einen Platz im Wald und darauf Platz für eine ganze Welt. Im Waldkindergarten spielen und forschen die Kinder und lernen, ihre...
Kinder malen im Bauwagen des Waldkindergartens.Foto: Postillion e.V. Waldkindergarten Waldparkring

Wir haben in dieser Welt einen Platz im Wald und darauf Platz für eine ganze Welt. Im Waldkindergarten spielen und forschen die Kinder und lernen, ihre Umwelt aus erster Hand zu begreifen. Ein besonderer Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit ist die Projektarbeit, welche fest in unserer Konzeption verankert ist. Sie ermöglicht den Kindern, ihre Interessen einzubringen, demokratische Prozesse zu erleben und Themen ganzheitlich zu erforschen. Am Anfang eines neuen Projekts steht die intensive Beobachtung der Kinder im Freispiel. Als Team sammeln wir über einen längeren Zeitraum Eindrücke zu Interessen, Fragen und Bedürfnissen der Kinder. Aus diesen Beobachtungen entwickeln wir mehrere mögliche Themen, welche wir den Kindern in einer Kinderversammlung vorstellen. In einer geheimen Abstimmung entscheiden sich die Kinder demokratisch für ihr Projektthema. Der aktuelle Gewinner: Steinzeit! Ein Thema, das uns zurück zu unseren Wurzeln führt und zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten im Erfahrungsraum Wald bietet. Als das Thema feststand, haben wir gemeinsam mit den Kindern Ideen zum Projektthema gesammelt. In Brainstorming-Runden, Gesprächskreisen und Planungskonferenzen überlegten wir gemeinsam: Was möchten wir wissen? Was wollen wir bauen, gestalten oder ausprobieren? Die Ideen wurden mithilfe von Plakaten visualisiert, geordnet und priorisiert. Die Kinder entschieden sich als Erstes dafür, Steinzeitwerkzeug herzustellen – „denn ohne Werkzeug kann man ja gar nichts bauen!“ So entstanden in kürzester Zeit die ersten Faustkeile, Steinzeitbeile und Steinzeitmesser. Die Kinder haben dabei wie richtige Steinzeitmenschen gearbeitet: Sie suchten passende Stöcke, schlugen Stein auf Stein und verklebten mithilfe unseres selbst hergestellten Steinzeitklebers aus Harz und Kohle und Naturfasern die einzelnen Elemente. Dieser Kleber wurde durch zahlreiche Experimente am Lagerfeuer immer weiter verbessert und zuletzt mit Bienenwachs und selbst hergestelltem Birkenpech optimiert. Unser Naturkleber kam auch zum Einsatz, als die Kinder sich im weiteren Projektverlauf vermehrt für das Jagen interessierten. Nach ein paar Wissenskreisen, in denen wir uns die nötigen Informationen erarbeiteten, war schnell klar: Wir brauchen Speere! So bauten die Kinder zahlreiche Speere, Pfeile und Bögen, um sich auf die Jagd zu machen. Dabei wurden zum ersten Mal kleinere Projektgruppen von Kindern geleitet, um die Selbstwirksamkeit der Kinder zu fördern und die Idee der Projektarbeit weiterzuentwickeln. Das hat prima funktioniert und inzwischen haben wir viele geschickte Speerwerfer und Bogenschützen, die zielsicher unser Heuballen-Mammut am Waldrand treffen. Auch andere Steinzeittiere, wie Wölfe oder Bisons, haben das Interesse der Kinder geweckt und bieten großes Potenzial für kleinere, von den Kindern angeleitete Projektgruppen. Neben den Tieren und Werkzeugen darf auch das Leben im Stamm nicht zu kurz kommen. Bereits zu Beginn des Projekts wurden wir durch zahlreiche Spenden der Eltern mit Lederstücken, Fellen, Muscheln, Federn und vielem Mehr ausgestattet, die wir nun kreativ verarbeiten können. An dieser Stelle sprechen wir ein großes Dankeschön an die Eltern aus! Die Kinder hatten großen Spaß dabei, sich aus Leder und Fellen echte Steinzeitkleidung herzustellen und diese mit Muscheln und Federketten zu schmücken.

Je tiefer wir in das Projektthema versinken, desto häufiger taucht dieses im Rollenspiel auf: So entstehen aktuell die ersten Steinzeithöhlen und -behausungen, in denen die Kinder mit Steinzeitkleidung und Beilen das Leben im Stamm nachspielen. Die Kinder sind Feuer und Flamme, verwirklichen ihre Ideen, spielen zu ihrem Projektthema vielfältige Kooperationsspiele und singen mit Begeisterung unsere selbst komponierten Steinzeitlieder. Einer der Höhepunkte des Projekts ist der Bau unseres Steinzeithauses. Auch hier trafen sich die Kinder, um im Vorfeld das Vorhaben zu besprechen und verschiedene Baupläne zu zeichnen. Dank der überwältigenden Unterstützung der Elternschaft bei der Materialbeschaffung konnte es auch bald losgehen. Es wurden Holzstämme gesägt, Weiden geschnitten und sorgfältig in das Grundgerüst verflochten. Wir sind voller Tatendrang und freuen uns schon darauf, das Haus mit einem Gemisch aus Lehmerde und Stroh zu verputzen. Während des Hausbauens machten sich die Kinder schon Gedanken, wie sie ihr Steinzeithaus einrichten möchten und was die Steinzeitmenschen früher zum Leben brauchten. Die Kinder entschieden, dass sie als nächstens ihre eigenen Schüsseln und Becher töpfern möchten.

Projektarbeit im Waldkindergarten bedeutet für uns: ganzheitliches Lernen, Mitbestimmung, nachhaltiger Umgang mit Materialien und das Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder. So entsteht Bildung dort, wo Kinder am stärksten lernen – im selbsttätigen Handeln, in einer starken Gemeinschaft und im Erfahrungsraum Natur. Wir sind dankbar, die Kinder in diesem Prozess begleiten zu dürfen und freuen uns auf alle spannenden Abenteuer, die diese Reise durch die Steinzeit noch mit sich bringen wird!

(Postillion e.V. Waldkindergarten Waldparkring)

Das Steinzeithaus im Wald.Foto: Postillion e.V. Waldkindergarten Waldparkring
Erscheinung
exklusiv online
von Postillion e. V.Redaktion NUSSBAUM
24.04.2026
Orte
Bad Schönborn
Kategorien
Panorama
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