Beim Düngen von Äckern und Wiesen müssen bestimmte Fristen eingehalten werden. Das war 1843 noch nicht so. Damals mag es eher wegen des vorsätzlichen Ausbringens von Mist und Gülle Konflikte gegeben haben; denn: Manche konfessions-spezifischen Feiertage wurden an Tagen begangen, an denen bei der anderen Konfession Werktag war – wie z. B. an Fronleichnam, Allerheiligen oder am Buß- und Bettag.
Jedenfalls sah sich der Poltringer Kirchenconvent im August 1843 veranlasst, an das Entringer Gremium heranzutreten mit der Aufforderung, ein gegenseitiges Strafverfolgen wegen Feldgeschäften einzuführen – auf der Markung Poltringen an catholischen Fest- und Feiertagen und so umgekehrt an evangelischen von Seiten der Einwohner von Poltringen auf der Markung Entringen.
Die Kirchenconvente waren 1644 in Württemberg eingerichtet worden, um die im Krieg verkommenen Sitten wieder zu bessern. Schultheiß, Pfarrer und ein paar weitere ehrenwerte Männer gehörten diesen Gremien an, die „kleinere Vergehen“ umgehend und vor Ort abstraften. Es ist anzunehmen, dass 1843 aktuell ein Fall vorlag, der den Poltringer Convent veranlasst hat, in Entringen vorstellig zu werden. Wahrscheinlich hatten Entringer Bauern an Fronleichnam am Rande ihrer Markung – in der Nähe von Poltringen – Arbeiten verrichtet, die die Gläubigen bei der feierlichen Prozession über die Felder gestört hat.
Der Entringer Kirchenconvent glaubte sich damals nicht mit dem Beschluss der Poltringer vereinigen zu dürfen und können – aus der Befürchtung heraus, dass das bisherige nachbarlich gute und friedliche Verhältnis gefährdet und gestört werden könnte. Weiter wurde argumentiert, Poltringen würde dadurch entschieden in Nachtheil versetzt und Unannehmlichkeiten ausgesetzt werden. Drittens glaubten die Entringer, dass nach dem Religions-Edict die gegenseitigen Bürger nicht durch Strafen gezwungen werden dürfen u. können, die Feier der catholischen und evangelischen Feiertage zugleich zu beobachten.
Dem Kirchenconvent Poltringen sollte dies nun mitgetheilt und den Catholiken versichert werden, daß wir durchaus ihrer Confession mit aller Achtung zugethan sind, und daß gerade diese uns bestimme, uns mit dem Beschluß von Poltringen nicht zu vereinigen.
Solcherlei „Geschichten“ gehören im Zeichen gelebter Ökumene der Vergangenheit an.
Reinhold Bauer


