Entschieden war das Thema schon längst, doch in der Gemeinderatssitzung formierte sich nochmals Widerstand gegen die teilweise Überdachung des Wiesenseeparkplatzes. Auf den Dächern sollen Solaranlagen installiert werden. Eigentlich ging es nun um die Vergabe des durchaus lukrativen Geschäfts. Dem setzte Karl-Heinz Schwab die Tradition gegenüber.
„Wenn die PV-Anlage kommt, wird es wahrscheinlich kein Bergsträßer Schleppertreffen mehr geben“, sagte Karl-Heinz Schab im Rahmen der Bürgerfragestunde in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Er, der sich im Vorstand der Freunde Historischer Fahrzeuge engagiert, hatte zuvor auf die lange Tradition dieser Veranstaltung hingewiesen. Sie finde laut Schwab auf Hemsbachs einzigem Platz mit genügend Raumangebot statt. Bevor man den verbaue, sollte man Alternativen suchen. Dem Gemeinderat warf Schwab Überheblichkeit vor, da man die Bürger nicht gehört habe, der Verwaltung mangelndes Demokratieverständnis, da sie das Thema nach einer ersten Ablehnung wieder zur Abstimmung gestellt hatte – bei Fehlen von dem Vorhaben gegenüber kritischen Stimmen des Gremiums. „Das war geplant“, so Schwab.
Fachbereichsleiter Christopher Wetzel betonte, dass man das Vorhaben erst nach Ablauf der Bindefrist nochmals eingebracht habe. „Daher ist mir der Vorwurf undemokratisch sehr fremd“, sagte er. Dem vorausgegangen sei zudem die Verabschiedung des Klimaschutzkonzepts. „Darin ist es Bestandteil“, verteidigte Wetzel das städtische Vorgehen. Vielleicht das noch größere Argument: Die Stadt kassiert 500.000 Euro Pacht über 20 Jahre Vertragslaufzeit. „Ohne dass wir uns um die Anlage kümmern müssen“, so Wetzel. Rückendeckung bekam Wetzel von Manuel Fink (CDU). „Wir haben das Klimaschutzkonzept mit großer Mehrheit verabschiedet“, befand auch er die erneute Einbringung 2024 als richtig. Gleiches galt für Thomas Embach (Bündnis 90/Die Grünen). „Wir denken, hier ein Zeichen zu setzen, ist ein richtiger Weg“, betonte Embach. Fink verwies wie auch Wetzel auf die Einnahmen, die man erhalte, ohne einen Cent zu investieren. Das Schleppertreffen sah er auch nicht als gefährdet an. „Die meisten Traktoren passen da drunter“, sagte Fink mit Blick auf die von Embach zuvor ins Feld geführten drei Meter Bauhöhe. Wäre dies nicht der Fall, blieben im Außenring noch genügend Plätze übrig. Die SPD hatte laut Clemens Domeier durchaus Bedenken hinsichtlich des Schleppertreffens. „Wir sehen aber die Vorteile“, blickte auch Domeier offenkundig auf die Einnahmenseite des geschröpften Haushalts.
Anders beurteilte das Marlies Drissler (Pro Hemsbach). „Ohne Zweifel haben wir dem Klimaschutzkonzept zugestimmt, aber nicht dem Verbau des letzten Festplatzes“, sagte sie. Auch sie wollte – wie schon Schwab – PV-Anlagen lieber an anderer Stelle sehen, führte dabei allerdings städtische Dächer an. Thorsten Rheinfrank (Freie Wähler) führte dabei die Hans-Michel-Halle an und kündigte die Ablehnung der Vergabe an. „Wir wollen PV, aber nicht an diesem Ort“, bließ Andreas Wiegand (FPD) in das gleiche Horn. Er vermisse das Leben der Tradition und das sei nicht nur, sich an der Kerwe einige Bier reinzuschütten.
Am Ende sprachen sich 13 Gremiumsmitglieder für die Auftragsvergabe aus, sieben stimmten dagegen, Ernst Hertinger (FW) enthielt sich. Den Zuschlag erhielt die Firma IONITY. Das ist ein Joint Venture der Automobilhersteller BMW Group, Ford Motor Company, Hyundai Motor Group, Mercedes-Benz AG und Volkswagen Group mit Audi und Porsche sowie der Climate Infrastructure Platform von BlackRock als Finanzinvestor. Der Anbieter ist in 24 EU-Ländern mit 5097 Ladepunkten an insgesamt 757 Standorten vertreten. (cs)