
Die Asiatische Hornisse stellt Imker weiterhin vor große Herausforderungen. Der Badische Imkerverband, bei dem auch der Bienenzuchtverein Malsch Mitglied ist, schlägt Alarm.
Seitdem die MAZ das letzte Mal über die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse berichtete (KW25), hat sich die Anzahl der gefundenen Nester und Tiere einer Karte der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg zufolge in Malsch fast verzehnfacht. Der Badische Imkerverband möchte deshalb ein Netzwerk aus Nestentfernern aufbauen. Zuvor berichtete der SWR.
Man fühle sich im Stich gelassen, beklagt Bianca Duventäster, Vorsitzende des Verbands. Meike Albert vom Bienenzuchtverein Malsch kann sich dem nur anschließen: Die Asiatische Hornisse sei eigentlich kein Imkerproblem, trotzdem müsse man die Bienen schützen. Das sei jedoch nicht mit Vereinsgeldern finanzierbar, sagt Albert.
Die Asiatische Hornisse ist eine erhebliche Gefahr. Nach Angaben von Bianca Duventäster kann eine einzelne Kolonie im Jahr bis zu elf Kilogramm Biomasse vertilgen.
Eine Kolonie kann bis zu 2.500 Tiere zählen. Als „Freibrüter“ sind die Tiere darüber hinaus extrem aggressiv, reagieren sensibel auf Erschütterungen ihres Nests. Hinzu kommt, dass die Insekten sehr anpassungsfähig sind.
Wenn ein Nest gefunden wird, muss ein ausgebildeter Nestentferner kommen. Der saugt die Hornissen zunächst ab und betäubt den Rest mit CO2. Das Nest kann dann problemlos abgenommen und zur Verbrennung gebracht werden.
Das ist nicht ungefährlich, die Stechgefahr ist hoch. Wer gestochen wird, wird mit einem Duftstoff markiert, der weitere Artgenossen anzieht. Laien sollten deshalb die Nester in Ruhe lassen.
Letztes Jahr konnte die Hornisse noch aktiv bekämpft werden. Seitdem das Bundesumweltministerium sie im März aber zu einer „etablierten Art“ umgestuft hatte, darf man das nur noch, wo das Ökosystem akut gefährdet ist.
Früher koordinierte außerdem das Regierungspräsidium die Entfernung von Nestern – heute ist das Aufgabe der Kommunen. Meike Albert lobt die Gemeinde: Isa Weinerth, Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte in Malsch, mache ihre Arbeit super, die meisten Nester würden von der Gemeinde entfernt werden. Damit sei man „weiter als andere Kommunen.“
Trotzdem gibt es Hürden: Die Entfernung ist sehr zeitaufwändig, die Nester befinden sich oft in schwer erreichbaren Höhen. Wenn ein Nest auf Privatgrund gefunden wird, ist auch das Hausrecht ein Hindernis: Eine Privatperson muss ein Betreten seines Grundstücks erlauben. Eine Entfernung kostet darüber hinaus ca. 80 bis einige hundert Euro.
83 aktive Imker sind Mitglied beim Bienenzuchtverein. Zwei davon seien ausgebildete Nestentferner, sagt Meike Albert. Der Verein habe aber nicht genug verfügbare Mitglieder, um das Problem allein zu lösen.
Die Vereinsvorsitzende appelliert: Die Ausbildung zum Nestentferner könne jeder absolvieren, der an Umweltschutz interessiert sei. Der Badische Imkerverband bietet Schulungen auf seiner Webseite an.
Das Problem sollte Albert zufolge mehr Leute beschäftigen. Das Problem betreffe nicht nur Imker, sondern auch Landwirte oder Winzer, die durch die fehlende Bestäubung bei der Ernte einbußen müssen. Die Arbeit auf dem Feld kann zudem durch die Stechgefahr gefährlich werden.
Sie hofft im Frühjahr einen Stammtisch von Vereinen und Umweltschützern zusammenzukriegen. Bei einer solchen Veranstaltung könne man eine Interessengemeinschaft zur Bekämpfung der invasiven Art gründen.
Wichtig sei aber auch, dass die Bekämpfung wieder mehr in staatliche Hand kommt. Im Gespräch mit Meike Albert ist eines besonders klar: Der Frust ist groß. (jay)
Um Nester zu finden, kann man Locktöpfe aufstellen. Meike Albert erklärt: Die Töpfe werden mit einer süßlichen Alkoholmische befüllt und dort aufgehängt, wo Hornissen sich regelmäßig aufhalten (z.B. Blumenbeete). Die Tiere werden anschließend beobachtet, um die Flugrichtung und damit den möglichen Standort des Nests zu ermitteln. Über die gemessene Flugzeit lässt sich die ungefähre Entfernung abschätzen.
Ein Locktopf lässt sich mit einfachen Mitteln herstellen: In ein Schraubglas, etwa ein Honigglas, wird ein Loch in den Deckel gebohrt, durch das ein gelber Schwammtuchstreifen als Docht geführt wird. Das Tuch sollte bis auf den Boden reichen und leicht aus dem Glas herausragen. Aufgestellt wird der Locktopf in etwa 50 bis 70 Zentimetern Höhe.
Unsere freie Mitarbeiterin konnte einen Nestentferner bei seiner Arbeit begleiten. Mehr dazu gibt es auf NUSSBAUM.de, scannen Sie dafür einfach folgenden QR-Code:
go.nussbaum.de/nestentferner-qr