Vom Bankwesen in die soziale Verantwortung: Warum Julia Schild aus Altlußheim den Schritt zur rechtlichen Betreuerin wagte / Nächste Infoveranstaltung der Betreuungsbehörde am 18. Mai im Landratsamt Heidelberg
Spricht Julia Schild heute über ihren Beruf, wirkt sie gelassen, klar und zufrieden. Die 42-Jährige aus Altlußheim im Rhein-Neckar-Kreis führt mittlerweile ein eigenes Betreuungsbüro mit vier Aushilfen im Minijob – und trägt Verantwortung für 65 Menschen, die Unterstützung in ihrem Alltag benötigen. Dass sie einmal rechtliche Betreuerin werden würde, war ursprünglich nicht geplant. „Nach der Elternzeit wollte ich wieder einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen“, sagt sie. „Mir war wichtig, fachlich gefordert zu werden, mich auf neue, interessante Aufgaben einzulassen und andere Menschen zu unterstützen.“
Der Weg dorthin begann 2017, zunächst ehrenamtlich. Ein Bekannter hatte ihr von der Tätigkeit des Berufsbetreuers erzählt. „Ich hatte vorher BWL studiert und viele Jahre in einer Bank gearbeitet, wo ich Firmenkunden betreut habe“, erzählt sie. „Aber nach der Elternzeit habe ich gemerkt: Ich möchte meine Fachexpertise in einem sozialen Umfeld einsetzen.“ Aus dem Ehrenamt wurde binnen kurzer Zeit eine Berufung. Seit sechs Jahren arbeitet sie hauptberuflich als rechtliche Betreuerin – und hat sich so eine Arbeit geschaffen, die sie jeden Tag motiviert.
„Toll, dass Sie Ordnung in mein Leben gebracht haben!“
Wer rechtliche Betreuung benötigt, hat oft schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Für Julia Schild ist das ein zentraler Antrieb: „Die Menschen sind oft überfordert mit ihrem Leben. Sie brauchen jemanden, der Ordnung reinbringt – aber sie wollen trotzdem mitentscheiden dürfen.“ Eine Aussage einer Betreuten ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Toll, dass Sie Ordnung in mein Leben gebracht haben!“
Die Aufgabe einer rechtlichen Betreuerin ist vielfältig. Sie koordiniert Kontakte zu Ämtern, Pflegekassen, Sozialleistungen, Wohnheimplätzen, Ärzten und Behörden. „Wir sind Alltagsmanager“, sagt die Altlußheimerin. „Wir sind kein Pflegedienst oder Sozialarbeiter – wir organisieren das nur. Ich muss genau wissen, welche Hilfe die richtige ist: Eingliederungshilfe, Pflegegrad, Versorgungsamt, Sozialamt oder Jobcenter.“ Der Beruf fordert Organisationsgeschick, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, den Überblick zu behalten. „Es kommt wirklich viel Post“, sagt Schild schmunzelnd. „Man muss Fristen im Blick haben, man muss Probleme lösen können – und man muss gemeinsam mit den Betreuten Entscheidungen treffen Wichtig ist: nicht gegen den Willen der Person entscheiden.“
Schicksale, die berühren
Der Beruf bringt Höhen und Tiefen mit sich. Besonders nahe gegangen ist ihr das Schicksal einer jungen Frau, die gegen ihre Alkoholsucht kämpfte. „Sie war eigentlich schon trocken – und dann ist sie rückfällig geworden und verstorben. Das hat mich sehr getroffen.“ Doch gerade deshalb bleibt für sie die positive Seite so wertvoll: Dankbarkeit, kleine Erfolge, sichtbare Stabilität im Leben eines anderen Menschen. „Es ist ein toller Beruf“, sagt sie. „Man ist selbstständig, aber muss sich um die Auftragslage keine Sorgen machen. Ich gehe morgens wirklich gerne in mein Büro.“
Ein Berufsweg, der offensteht – und Mut macht
Dass jemand wie sie den Weg in die Betreuung findet, ist kein Einzelfall. Viele beginnen wie Julia Schild zunächst ehrenamtlich. „Mein Tipp: bei Interesse mit einer ehrenamtlichen Betreuung starten. Wenn anschließend das Büro als Berufsbetreuer gut organisiert ist, hat man ein gutes Auskommen.“ Neben ihrer praktischen Erfahrung hat sie sich auch fachlich weitergebildet – unter anderem in einem freiwilligen Seminar beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Heute zeigt ihr Berufsweg, wie vielfältig der Einstieg sein kann. Und dass es Menschen braucht, die Verantwortung übernehmen möchten. „Es ist ein Beruf mit Sinn. Und er gibt einem sehr viel zurück“, sagt sie abschließend.
Was macht ein rechtlicher Betreuer oder eine rechtliche Betreuerin?
Rechtliche Betreuerinnen und Betreuer unterstützen volljährige Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Sie treffen – stets gemeinsam mit den Betreuten – Entscheidungen zu Themen wie Finanzen, Gesundheit, Behördenkontakten oder Wohnsituation.
Welche Voraussetzungen gibt es?
Seit der Reform 2023 benötigen neue berufliche Betreuerinnen und Betreuer einen gesetzlich vorgeschriebenen Sachkundenachweis. Dieser umfasst Kenntnisse in den Bereichen Sozialrecht, Kommunikation, Medizin und Selbstorganisation. Wer rechtlicher Betreuer werden möchte, sollte zudem zuverlässig sein, soziale Kompetenz und Empathie mitbringen, organisatorisch sicher arbeiten, und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Vor der Aufnahme der Tätigkeit ist eine Registrierung bei der zuständigen Betreuungsbehörde erforderlich.
Betreuungsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises
Die Betreuungsbehörde unterstützt Interessierte umfassend: mit Beratungsgesprächen für Neueinsteiger, Informationen zu Voraussetzungen, Registrierung und zu den ersten Betreuungsschritten sowie durch Schulungen und Informationsveranstaltungen. Die nächste findet am Montag, 18. Mai, von 16 bis 18 Uhr
im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis (Kurfürsten-Anlage 38 – 40, 69115 Heidelberg, Raum 421) statt.
Weitere Informationen unter www.rhein-neckar-kreis.de/betreuungsbehoerde
Kontakt: E-Mail: Betreuungsbehoerde@Rhein-Neckar-Kreis.de, Telefon: 06221 / 522-1479