Ab 2016 machte sich so langsam der Verschleiß einer so langen Zugehörigkeit im Vorstand bemerkbar. Bei jeder Jahreshauptversammlung in Folge bat Peter darum, dass Jüngere im Vorstand mitmachen sollten. Die Coronazeit 2020-22 hätte dem Chor beinahe den Todesstoß versetzt. 2,5 Jahre keine wirklichen Proben und Auftritte bzw. wenige Wochen dazwischen und dann wieder Verbote. Das hinterließ bei Peter Betroffenheit und Ratlosigkeit. Dass es Peter und Franz jedoch in dieser Zeit gelungen ist, im ehemaligen Gasthaus „Frank“ eine neue, dauerhafte Bleibe für die Lyra zu finden, war allerdings ein wirklicher Geniestreich. Ich denke mal, dass ohne dauerhafte Bleibe der Chor auseinandergelaufen wäre.
Bevor wir zum Ende seiner Vorstandszeit bei der Lyra kommen, erlauben Sie mir ein paar persönliche Worte, denn ich saß fast 20 Jahre direkt neben Peter im 2. Bass. Als ich 2003 zur Probesingstunde bei der Lyra kam, tat ich das nicht, weil ich von meinen Gesangskünsten überzeugt war. Ganz im Gegenteil. Ich kam eigentlich nur aus Respekt vor Siegfried Keller, der so viel Mühe aufgewendet hatte, mich zu werben. Ich kam damals in den „Schwarzen Adler“ und dachte mir, okay, das wird jetzt ein kurzes Vergnügen, ich mache den Mund auf, dann sagen die Dankeschön, das wird nix, tschüss, schönes Leben noch.
Stattdessen sagte Frank Ewald, okay, du bist ein 2. Bass, setz dich da mal dazwischen, am Anfang nicht so laut singen, mehr zuhören. Ich kam dann zwischen Theo Windisch und Peter zum Sitzen. Theo, links von mir, kannte ich schon. Den etwas strenger blickenden Herren rechts von mir kannte ich nicht. Ich wusste jetzt nicht, ob man sich da vorstellt und die Hände schüttelt und was ich eigentlich machen sollte, und während ich noch überlegte, was zu tun sei, dann ging es schon mit Einsingen und Probe los. Peter war eine klare Konstante. Er war immer da. Er schien jedes Lied zu kennen, das die Lyra in den kommenden Jahren proben oder singen würde. Ich kannte damals in der ersten Stunde seinen Namen nicht, aber er sang mir schon derart intensiv vor, dass ich aus lauter Trotz hätte falsch singen müssen, wenn ich überhaupt hätte falsch singen wollen. Da ich keine Noten lesen konnte, Peter konnte das zum Glück tausendmal besser, hatte ich jemanden, der die Notenwerte vollkommen richtig aussang, damit ich mir das so im Gedächtnis abspeichern konnte. Im Verlauf der Jahre wurde ich dann mit Peters Hilfe immer sicherer … Teil 4 folgt
Ingo Kuntermann