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„Reichsadler“ als dringend notwendiges Wirtshaus empfohlen

Die letzte noch vorhandene traditionelle Gaststätte in Wiesental - „Zum Reichsadler“ - geht auf das Jahr 1896 zurück. Damals beantragte der – wie...
Foto: Bild: Heimatverein

Die letzte noch vorhandene traditionelle Gaststätte in Wiesental - „Zum Reichsadler“ - geht auf das Jahr 1896 zurück. Damals beantragte der – wie es hieß – ledige, untadelige und friedvolle Johann Joseph Stöckel die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft mit Branntweinausschank. Da es wohl Einsprüche gegen das Gesuch gab, reichte die Gemeinde die Entscheidung an das Bezirksamt Bruchsal weiter.

Das Bürgermeisteramt berichtete dorthin: Stöckel wolle in seinem neu zu erbauenden zweistöckigen Wohnhaus ein Lokal betreiben. Für die Eröffnung der Wirtschaft spreche, dass diese an einer sehr befahrenen Straße liegt, auf der täglich fremde Fuhrwerke und Radfahrer verkehren.

1899 informierte der Gemeinderat das Bezirksamt: Stöckel habe vor, in seinem nunmehr neu erbauten zweistöckigen Wohnhaus Nr. 373 eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Einsprüche gegen das Vorhaben gebe es nicht.

Der Gemeinderat verwies in einer wohlwollenden Stellungnahme auf die Lage an der „äußerst verkehrsreichen Straße“. Das zweistöckige Gebäude entspreche allen Wirtschaftsanforderungen. Ganz in der Nähe befinde sich eine große Zigarrenfabrik mit über 100 Arbeitern, „die dringendst eine Wirtschaft benötigen.“ Auch wachse Wiesental mit einer Seelenzahl von über 3.000 ständig, „so dass an Sonn- und Feiertagen die vorhandenen Wirtshäuser überfüllt sind.“ Noch vor 1900 wurde der „Reichsadler“, angeblich mit Steinen der Festung Germersheim gebaut, eröffnet.

Mitte der 1920er Jahre wurde das baugleiche Haus nebenan (in Richtung zum Ort) gebaut, heute ein Wohnhaus. Zuvor stand dort ein kleines Häuschen, das an Silvester abgebrannt ist und das dann der Reichsadler-Besitzer aufgekauft hat.

1939 ist das Hinterhaus des „Reichsadlers“ als Zigarrenfabrik mit Wohnung gemeldet. Dort sind noch zwei Steine mit den Initialen „J. Stöckel“ und „1985“ zu sehen.

Im Saal des „Reichsadlers“ befand sich auch ein Café, das Bäckermeister Fritz Gund in seinem bekannten „Loblied auf Wiesental“ erwähnt hat: „Äm Adler isch ä Kaffeestubb“.

W. Schmidhuber

Erscheinung
Mitteilungsblatt der Stadt Waghäusel
NUSSBAUM+
Ausgabe 36/2025
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Waghäusel