Trotz des demografischen Wandels bietet der Arbeitsmarkt ungenutzte Potenziale zur Erhöhung der Quote sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Ein Ansatzpunkt sind familienfreundlichere Arbeitszeiten.
In den vergangenen 15 Jahren ist die erwerbsfähige Bevölkerung um zwölf Prozent gewachsen, die geleisteten Arbeitsstunden jedoch nur um sechs Prozent. Der Beschäftigungszuwachs entstand vor allem durch Teilzeitjobs von Frauen und Älteren, die oft zusätzlich unbezahlte Care-Arbeit leisten.
Laut Berechnungen vom Sozialverband VdK und der Nichtregierungsorganisation Fiscal Future könnten durch flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Kita-Plätze und eine partnerschaftlichere Verteilung von Care-Arbeit 325.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen. Auch die Reform steuerlicher Anreize wie das Ehegattensplitting oder Minijobs könnte rund 200.000 weitere Vollzeitstellen schaffen.
Durch Weiterbildung, flexible Arbeitszeitmodelle und Gesundheitsförderung lässt sich die Erwerbsquote 55- bis 64-jähriger Arbeitnehmer über die aktuellen 75 % hinaus steigern.
Der Anteil der Renten-Versicherten ohne deutschen Pass hat sich in zehn Jahren von elf auf 21 Prozent erhöht. Entscheidend sind Sprachförderung und Weiterbildung, damit Zugewanderte schnell Beschäftigung finden.
Studien zeigen, dass sich das Arbeitsvolumen bis 2035 trotz demografischen Wandels stabilisieren ließe, wenn mehr Frauen und Ältere in Anstellungen arbeiten und jährlich etwa 330.000 Menschen netto zuwandern. Das könnte der Rentenversicherung zusätzliche Einnahmen von 23 bis 33 Milliarden Euro pro Jahr bringen.


