
Der Duft von Kaffee, das Klicken von Werkzeugen, geduldiges Erklären, gemeinsames Grübeln: So klingt ein Samstagvormittag im Reparaturcafé Waldhilsbach, das seit nunmehr zehn Jahren dafür sorgt, dass defekte Geräte eine zweite Chance bekommen.
Ins Leben gerufen wurde das Reparaturcafé 2015 auf Initiative von Thomas Schwenk und Christian Erles, unterstützt von ihren Ehefrauen und der Ortsverwaltung. Mitstreiter der ersten Stunde war auch Raimund Stephan. Heute bilden die beiden gemeinsam mit einem festen Kreis von sieben bis acht Ehrenamtlichen das Team, das einmal im Monat samstags von 10 bis 13 Uhr im Bürgerkeller zusammenkommt.
Beim Besuch des Reparaturcafés standen gerade zwei Nähmaschinen mit vielversprechenden Aussichten auf dem Tisch – und eine Kaffeesiebträger-Maschine, bei der die Diagnose weniger hoffnungsvoll ausfiel. Ein zentrales Teil war stark korrodiert, eine Reparatur damit kaum sinnvoll. Solche Entscheidungen gehören dazu, auch wenn sie manchmal schwerfallen. Von Anfang an ging es den Initiatoren darum, kleinere Reparaturen aller Art zu ermöglichen – mechanisch, elektronisch, aus Holz oder aus einer Mischung davon – und dabei vorhandenes Wissen weiterzugeben. Die Reparatur selbst ist kostenlos, Materialkosten müssen die Besitzer übernehmen.
Folgende Reparaturen beschäftigten beim letzten Reparatur-Treff des Jahres: Drei Nähmaschinen, zwei Ladegeräte, eine Lampe, ein Hocker und die erwähnte Kaffeemaschine warteten auf Diagnose und Bearbeitung. Manche Geräte bekommen ein neues Leben, andere müssen am Ende doch entsorgt werden. Doch jeder erhält eine ehrliche Einschätzung und eine gründliche Beratung.
Besonders erfreulich ist, dass sich auch junge Menschen dem Team anschließen. Einer von ihnen ist der 17-jährige Friedrich Diesner, der das Reparaturcafé während seines Sozialpraktikums in der neunten Klasse kennenlernte und seit eineinhalb Jahren begeistert mithilft. „Ich fand Technik schon ziemlich interessant und das hat mir wesentlich besser gefallen, als im Kindergarten reinzuschnuppern. Man lernt unterschiedliche Geräte kennen und kann herumbasteln. Und ich habe auch an Wissen etwas mitnehmen können“, erzählt er. Inzwischen repariert er sogar zuhause weiter. Ein weiterer junger Mann ist ebenfalls zum Team gestoßen – eine Entwicklung, die Schwenk und Stephan sehr begrüßen.
Wenn Reparaturcafé angesagt ist, werden im Bürgerkeller schnell Tische zusammengeschoben und das privat mitgebrachte Werkzeug ausgepackt. „Wichtig ist uns, dass die Leute selbst mitarbeiten. Sie sollen ihr reparaturbedürftiges Gerät nicht einfach abgeben. Uns geht es um die Selbstbefähigung und wir leiten dabei gerne an“, betonen die Initiatoren. Die meisten Reparaturen gelingen – und wenn es einmal hakt, hilft manchmal ein Blick in Internetforen weiter. „Dass wir etwas nicht reparieren können, ist die Ausnahme“, sagt Stephan. Die Erfahrung zeige, dass sich Ausdauer lohnt. Manche Besucher hängen stark an ihren Geräten, besonders wenn es sich um Küchenmaschinen oder Videorekorder handelt.
Das Reparaturcafé hat dem Bürgerkeller zusätzlich Leben eingehaucht, der durch das regelmäßig stattfindende Käffle ohnehin ein wichtiger Treffpunkt in Waldhilsbach ist. Längst kommen nicht mehr nur Waldhilsbacher: Auch aus Wiesenbach, Meckesheim, Leimen, Ziegelhausen oder Mauer reisen Menschen an. Wer möchte, darf nach einer erfolgreichen Reparatur einen kleinen Betrag spenden. Das Geld fließt an soziale oder wohltätige Zwecke. Zwischen 400 und 500 Reparaturen sind in den vergangenen zehn Jahren zustande gekommen – die große Mehrheit davon mit Erfolg.
Wer Lust bekommen hat, das Reparaturcafé selbst einmal zu erleben, hat im neuen Jahr Gelegenheit dazu. Die nächsten Termine sind am 17. Januar, 28. Februar und 14. März. Vielleicht entdeckt ja jemand seine Freude am Tüfteln und Reparieren. Spaß macht es auf jeden Fall – und sinnvoll ist es allemal.