
Mit einem Gedenkjahr nimmt die Stadt Reutlingen den großen Stadtbrand von 1726 in den Blick. Unter dem Titel „Reutlingen brennt“ soll 300 Jahre nach der Katastrophe nicht nur an die historischen Ereignisse erinnert, sondern auch der Blick auf Gegenwart und Zukunft gelenkt werden.
Fast die gesamte Stadt wurde am 23. September 1726 zerstört, mehr als 1.200 Familien verloren ihr Zuhause, die Marienkirche stand in Flammen. Der Stadtbrand gilt bis heute als einer der tiefsten Einschnitte in der Reutlinger Geschichte.
Oberbürgermeister Thomas Keck betont die Bedeutung des Gedenkjahres für die Stadt: „Der Stadtbrand von 1726 hat Reutlingen tief geprägt. Das Gedenkjahr bietet die Chance, sich nicht nur mit der Geschichte auseinanderzusetzen, sondern auch darüber nachzudenken, was Zusammenhalt und Verantwortung für unsere Stadt heute bedeuten.“
Geschichte, Kultur und Gegenwart im Programm
Organisiert wird das Gedenkjahr vom Kulturamt der Stadt und der Feuerwehr Reutlingen. Gemeinsam mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren aus Verwaltung, Kultur, Kirche und Stadtgesellschaft ist ein abwechslungsreiches Programm entstanden. Den Auftakt macht am 4. März ein Vortrag zum Wiederaufbau der Stadt nach dem Brand in der Stadthalle. Von Mai bis Oktober zeigt das Heimatmuseum die Sonderausstellung „Wer rennt, wenn's brennt?“, während sich das Naturkundemuseum ab Juli mit der Sonderausstellung „Die Macht des Feuers“ befasst. Weitere Vorträge, unter anderem zu historischen Feuerspritzen der Familie Kurtz, ergänzen das Programm.
Ein Schwerpunkt liegt im September rund um den Jahrestag des Stadtbrandes. Geplant sind eine Licht- und Ton-Projektion von Casa Magica in der Marienkirche sowie eine zentrale Gedenkveranstaltung am 23. September auf dem Marktplatz. Auch musikalische Akzente sind vorgesehen, etwa mit einer Uraufführung in den Wandel-Hallen. Im Oktober folgt ein „Tag der Sicherheit“ in der Innenstadt, bevor im November die „Verkaufslange Nacht – Reutlingen leuchtet“ das Themenjahr abschließt.
Ein dauerhaftes Zeichen des Gedenkjahres soll zudem eine Stele im öffentlichen Raum setzen. Sie wird im Laufe des Jahres realisiert, gestaltet von der Reutlinger Künstlerin Susanne Immer. Die Finanzierung übernimmt die Bürgerstiftung Reutlingen.
Bettelmappe knüpft an historische Praxis an
Neben den Veranstaltungen gehört zum Gedenkjahr auch die sogenannte Bettelmappe. „Mit der heutigen Bettelmappe greifen wir eine historische Idee wieder auf. Nach dem Stadtbrand von 1726 war mit ihr in anderen Städten Geld für die betroffenen Reutlinger gesammelt worden“, so Kulturamtsleiterin Anke Bächtiger. Zum 300. Jahrestag wird nun eine auf 120 Exemplare limitierte Mappe mit ausgewählten zeitgenössischen Abbildungen herausgegeben. Der Erlös fließt – wie schon damals – in die Finanzierung von Projekten rund um das Gedenkjahr. Informationen unter www.reutlingen.de/bettelmappe.
Unterstützt wird das Gedenkjahr von der Volksbank Reutlingen und der Bürgerstiftung Reutlingen.
Einige Veranstaltungen im Überblick:
4. März
Vortrag: Wiederaufbau nach dem Stadtbrand (Schiedweckenabend), Stadthalle
9. Mai bis 4. Oktober
Sonderausstellung: „Wer rennt, wenn's brennt?“
Heimatmuseum
24. Juli bis 18. Oktober
Sonderausstellung: „Die Macht des Feuers“
Naturkundemuseum
17. September
Vortrag: „Feuerspritzen der Familie Kurtz“
Volkshochschule
19. September bis 3. Oktober
„FEUEREIFER“, Projektion-Licht-Ton-Show
von Casa Magica, Marienkirche
23. September
Gedenkveranstaltung „300 Jahre Stadtbrand“
Marktplatz
26. September
„Aus der Asche“, szenisch-multimediale Annäherung an eine Katastrophe, Marienkirche
30. September
Uraufführung „Grand Duo“ für Klavier zu vier Händen, musica nova, Wandel-Hallen
11. Oktober
Tag der Sicherheit: Brandverhütung – Brandbekämpfung, Innenstadt und Marktplatz
28. November
Verkaufslange Nacht: „Reutlingen leuchtet“
Innenstadt
Alle Termine und weitere Informationen zum Gedenkjahr sind unter www.reutlingen.de/stadtbrand zu finden.


