Ein Musikerlebnis gab es für alle, die am vergangenen Freitag bei bestem Wetter zur Eröffnung der Reihe der Schlossplatzkonzerte der Jazzinitiative gekommen waren.
Nur wenige Worte machte Manfred Kern, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins, um nach dem Eröffnungsstück „Us“ von Thad Jones die Band und das in großer Zahl auf den Schlossplatz gekommene Publikum zu begrüßen. Vorher hatte Dirigent Jochen Welsch, der unter anderem auch die Bigband Kicks n‘ Sticks leitet, bereits das Orchester und die Solisten des ersten Stücks Sascha Kleem Am Sax, Dirk Leweling an der Posaune und Jürgen Kilian an der Trompete vorgestellt. Es ging weiter mit Astor Piazollas berühmtem „Libertango“. Das darin tonangebende Akkordeon wurde in dem sehr schönen Arrangement gekonnt zerlegt und auf die einzelnen Instrumentengruppen verteilt. Vor diesem Hintergrund erklangen die Soli von Barbara Wahl, Jeff Haigh und Michael Wolf. Beim dritten Stück, „The Third Degree“ von John Fredchock, trat Saxophonist Walter Orlik als Solist hinzu, aus dessen eigener Feder dann auch die nächste Nummer, „FN8614“, stammte, mit dem er Tim Kersebohm am Piano featurte. Barbara Wahls Flöte erleuchete daraufhin zusammen mit Oliver Schuchards Trompete in „Iluminada“ von Michele Fernandez den Schlossplatz musikalisch.
Die Menschen standen in mehreren Reihen dem Klangkörper gegenüber, von der untergehenden Sonne beleuchtet oder im Schatten der Schlossplatzlinden, und rechts und links saßen die Zuhörenden dicht gedrängt an den Tischen von Kaffeehaus und Brauhaus, als Sängerin Isabel Haist die Bühne in Besitz nahm. Mit „Avalon“ von Vincent Rose und Al Jolson, „The Look of Love" von Burt Bacharach und „It All Came Back To Me“ von Carlo Bäder sang sie sich in die Herzen der Menge, unterstützt von der großartigen Bigband und den Saxophon-Soli von Reinhard Kretschmer und Inger Hymon.
Im und um das Kaffeehaus, welches die Schlossplatzkonzerte unterstützt, gab es viel zu tun. Es gelang dessen Team, alle ihre Gäste zufriedenzustellen und dabei auch noch die zahlreichen Bandmitglieder zu versorgen. Chapeau! Letzteren, also den Hut, in Form eines orangefarbenen Plastikeimers mit dem aufgedruckten Namen eines italienischen Likörs, trug der Vorsitzende persönlich durch die Reihen, um freiwillige Spenden für die Arbeit der Jazzinitiative einzusammeln. Der Betrag war ansehnlich und kam – nach Abzug der GEMA-Gebühren - in voller Höhe der Band zugute.
„Azzurro“ von Paolo Conte war nach der Pause der Aufmacher des zweiten Sets. Bei „Tea Bag“ von Mike Mainieri war der Solist Walter Sielski, ein Trompeter, der bei der einen oder anderen Session der Jazzinitiative, die immer am ersten Dienstag im Monat (außer Januar und August) im Grünen Baum stattfinden, zu hören ist. Es folgten die Big-Band-Nummern „The Heat’s On“ aus der Feder von Sammy Nestico, des Arrangeurs von Count Basie, und „Feels So Good“ von Chuck Mangione, bevor erneut Isabel Haist das Publikum in ihren Bann zog. Den „Orange Coloured Sky“ von Milton de Lugg musste sie nicht erst herbeisingen. Im „Big Yellow Taxi“ von Joni Mitchell fanden sich zahlreiche in den Siebzigern groß gewordene Musikbegeisterte wieder, von denen viele rein zufällig vorbeigekommen waren und von denen einige vorher gemeint hatten, Jazz sei nichts für sie. Sie blieben alle, auch noch nachdem „Here’s To Love“ von Artie Butler, gefolgt von „Fever“ in einem Arrangement von Peter Herbolzheimer, das Ende des wunderbaren Abends markiert hatten.
Das Publikum ließ die Akteure nicht gehen, bevor es zwei Zugaben bekommen hatte. Nach „Sway“ von Pablo Beltran Ruiz sang Isabel Haist „I Wish You Love”, die englische Version von „Que reste-t-il de nos amours?“ des französischen Komponisten Léo Chauliac in einem Arrangement von Peter Herbozheimer. Mit diesem Stück ging ein wunderbarer, sommerlicher Frühlingsabend zu Ende, der vielen in schöner Erinnerung bleiben wird. Die Jazzinitiative macht weiter, am nächsten Freitag kommen aus Hockenheim Hugo and Friends auf den Schwetzinger Schlossplatz. (cl)
Weitere Infos gibt‘s unter www.jazzinitiative-schwetzingen.de


