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Rhein-Neckar-Region trauert

RNF-Inhaber Joachim Schulz (68) verstorben

Er war Unternehmer, aber auch Philanthrop und Kulturmacher: Plötzlich und unerwartet ist Joachim Schulz im Alter von 68 Jahren verstorben.
Schwarzweißporträt eines Mannes im Pullover.
Ende vergangener Woche ist Joachim Schulz plötzlich und unerwartetmit 68 Jahren verstorben.Foto: pr/SW-Archiv

Die Nachricht kam unerwartet: Joachim Schulz, geschäftsführender Gesellschafter des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF) und der Mann hinter dem Schwetzinger Kulturzentrum „Alte Wollfabrik“, ist überraschend verstorben. Ende vergangener Woche erlag der 68-Jährige plötzlich einem Herzversagen. Sein Tod löste in Medien, Kultur und Sport der Metropolregion Rhein-Neckar tiefe Bestürzung aus – mit Joachim Schulz verliert die Region einen leidenschaftlichen Unternehmer, Kulturförderer und Sport-Enthusiasten, der in vielen Bereichen bleibende Spuren hinterlassen hat. Programmchef Ralph Kühnl brachte das Entsetzen im RNF-Team auf den Punkt: „Die RNF-Familie ist tief betroffen. Unser aller Gedanken sind bei seiner Familie“.

RNF trauert

Schulz’ Name ist untrennbar mit der Rettung des Regionalsenders verbunden. In einer kritischen Phase – nach dem vierten Insolvenzantrag des Senders im Herbst 2024 – sprang der Unternehmer als Investor ein. Im Dezember 2024 übernahm Schulz offiziell als geschäftsführender Gesellschafter die RNF Pro GmbH und bewahrte den Sender damit vor dem Aus. Als regional verwurzelter Unternehmer war es ihm wichtig, die unabhängige Berichterstattung in der Metropolregion zu erhalten. Insolvenzverwalter Henrik Schmoll bezeichnete den Einstieg Schulz’ gegenüber dem Mannheimer Morgen gar als „Glücksfall für die Metropolregion als Ganzes“.

Trotz des Schocks über den Verlust betonte Kühnl, dass der Sendebetrieb bei RNF bis auf Weiteres weiterlaufen solle.

Herzensprojekt „Wollfabrik“

Neben den Medien galt Schulz’ zweite große Leidenschaft der Musik und Kultur. Seit Anfang 2019 war er Inhaber der Alten Wollfabrik in Schwetzingen, einem überregional bekannten Konzert- und Veranstaltungsort. Sein Vorgänger Harald Zimmermann hatte die historische Wollfabrik zuvor zehn Jahre lang als „Veranstaltungstempel“ etabliert; Schulz führte dieses Erbe mit großem Engagement fort, das „Alte“ wich rasch dem Neuen, auch im Namen.

Tatsächlich entwickelte er die „Wollfabrik“ in wenigen Jahren zu einer der ersten Adressen für Live-Musik in der Region weiter. Mit technischen Modernisierungen schuf er optimale Bedingungen für Konzerte. Auf der Bühne standen internationale Weltstars und nationale Top-Acts aus Rock, Pop und Jazz; so gastierte etwa Jazz-Legende Stanley Clarke 2019 in der Wollfabrik. Auch besondere Veranstaltungsreihen wie die „Tuesday Night Live“ zogen ein treues Publikum an. Die Atmosphäre des historischen Saals, gepaart mit Schulz’ Gespür für ein abwechslungsreiches Programm, machte die Wollfabrik zu einem einzigartigen Erlebnisraum in der Musikszene.

Unterstützer der Kultur

Schulz’ Liebe zur Musik ging Hand in Hand mit seinem unternehmerischen Mut. Selbst die pandemiebedingten schweren Zeiten für die Kulturbranche überstand die Wollfabrik unter seiner Leitung – dank kreativer Ideen und dem Vertrauen darauf, dass „Kultur auch in schwierigen Zeiten gebraucht wird“. Kurzerhand rüstete Schulz das Veranstaltungshaus während der Pandemie zum Testzentrum um, auch hier standen Seriosität und Professionalität an erster Stelle, nicht selten packte der Chef selbst an. Eine Ehrensache für den ehemaligen Rettungsassistenten, der auch als Unternehmer den Rettungsdiensten der Region weiterhin verbunden war.

Zwei Männer vor einem Impfzentrum auf einem Schwarzweißfoto.
Auch während der Corona-Pandemie stand der Unternehmer der Region unterstützend zur Seite.Foto: amoos/SW-Archiv

In Schwetzingen und der ganzen Kurpfalz würdigt man ihn als Motor des Kulturlebens, der die Region mit Konzerten bereichert hat. Seine Verbundenheit zur Heimat zeigte sich auch darin, dass er die örtlichen Vereine einband: 2020 zierte das Logo der Wollfabrik sogar die Trikots der HG Oftersheim/Schwetzingen, um so Sport und Kultur miteinander zu verbinden.

Verwurzelt im Handballsport

1957 geboren und aufgewachsen in Schwetzingen, entdeckte Joachim Schulz früh den Handball für sich – eine Leidenschaft, die ihn sein Leben lang begleiten sollte. Schon als Schüler trat er dem Traditionsverein TV 1864 Schwetzingen bei. Über zwei Jahrzehnte stand er dort als Torwart zwischen den Pfosten. In der Saison 1984/85 feierte er mit der ersten Mannschaft den Aufstieg in die Landesliga und legte damit den Grundstein für den späteren Durchmarsch des Clubs bis in die 2. Bundesliga. Parallel dazu engagierte er sich mit Herzblut als Jugendtrainer und sogar einige Jahre als sportlicher Leiter des Vereins. Sein Spitzname „Jogi“ zeugte von der Kameradschaft und dem Respekt, den er sich durch seinen Einsatz erwarb.

Engagierter Partner

Beruflich verschlug es Schulz zwar ab 1987 in die Ferne – als studierter Bauingenieur wechselte er in die Textilbranche und baute in Hongkong und Bangkok ein eigenes Handelsunternehmen auf. Doch auch in den Jahren in Asien ließ ihn der Handballsport nicht los. Nach seiner Rückkehr in die Heimat 2015 fand er rasch den Weg zurück in die Sporthalle und in die regionale Sportszene. Die HG Oftersheim/Schwetzingen, Spielgemeinschaft seines Heimatvereins, gewann ihn bald als förderndes Mitglied und Sponsor. „Wir verlieren mit Joachim nicht nur einen engagierten und langjährigen Partner, sondern auch einen Handball-Enthusiasten, dem der Handballsport in Schwetzingen und der Region immer wichtig war“, schreibt die HG in ihrem Nachruf voller Dankbarkeit. Bis zuletzt stand Schulz bei Heimspielen am Spielfeldrand, fieberte mit und unterstützte „seine“ Mannschaft, wo er konnte.

Nachruf der HG Oftersheim/Schwetzingen

Auch der überregionale Handballsport profitierte von seinem Engagement. Bei den Rhein-Neckar Löwen, dem zweimaligen Deutschen Meister aus der Metropolregion, brachte sich Schulz in vielfältiger Rolle ein. Zunächst als Sponsor und Mitglied im Wirtschaftsbeirat (den sogenannten „Wirtschaftslöwen“), zog er 2023 in den Aufsichtsrat des Bundesligisten ein. „Mit seinem Engagement als Sponsor, Vorstandsmitglied der Wirtschaftslöwen und zuletzt als Aufsichtsratsmitglied machte sich Schulz bei den Rhein-Neckar Löwen verdient“, heißt es in der Mitteilung des Vereins zu seinem Tod. Die Löwen würdigten seine jahrzehntelange Verbundenheit zum Handball: Schon als Jugendlicher hatte Schulz im Tor gestanden – diese Liebe zum Sport prägte auch sein späteres Wirken. „Die Rhein-Neckar Löwen trauern um ihr Aufsichtsratsmitglied Joachim Schulz und danken ihm für seinen Einsatz sowie seine langjährige Verbundenheit zum Club“, ließ der Verein verlauten.

Trauer und Vermächtnis

Der plötzliche Verlust von Joachim Schulz reißt eine Lücke, Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kultur reagierten bestürzt. Viele würdigen ihn als Visionär, der regionale Projekte mit Herz und Verstand voranbrachte. „Joachim war ein Macher, der Risiken nicht scheute. Viel hat er in seinem zu kurzen Leben angepackt und bewirkt“, fasste ein Weggefährte zusammen. Dankbar hebt man hervor, dass Schulz trotz aller Erfolge „seine Wurzeln nie vergessen hat“ und stets der Region treu blieb.

Schulz hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk: Er hat einen Fernsehsender gerettet, eine Kulturstätte mit neuem Leben erfüllt und unzählige Menschen im Sport inspiriert. Sein plötzlicher Tod ist ein großer Verlust – doch sein Vermächtnis wird in Rhein-Neckar nachwirken. Er wird der Region als engagierte Persönlichkeit in dankbarer Erinnerung bleiben.

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Schwetzinger Woche
Ausgabe 47/2025
von Redaktion NUSSBAUMjr/pm
10.11.2025
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