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//Rossini-Festival – Die Bilanz der Jahre 2022 bis 2025//

Zwischen Weltklasse-Kunst und spitzem Bleistift In Bad Wildbad ist das Belcanto-Opernfestival „Rossini in Wildbad“ weit mehr als nur ein Musikereignis;...
Logistische Meisterleistung: Dank der engen Zusammenarbeit von Stadt und Feuerwehr ist das Kurhaus wieder voll bespielbar und wirtschaftlich attraktiv. Die positive Resonanz auf das Kurhaus als Spielstätte zeigt sich schon jetzt in den Rekordzahlen des Vorverkaufs.Foto: Maren Moster

Zwischen Weltklasse-Kunst und spitzem Bleistift

In Bad Wildbad ist das Belcanto-Opernfestival „Rossini in Wildbad“ weit mehr als nur ein Musikereignis; es ist ein globales Aushängeschild. Doch wie finanziert man Weltklasse-Kultur in Zeiten von Pandemie-Folgen und Kostenexplosionen? Im Gemeinderat wurden nun die Endabrechnungen für vier Jahre vorgelegt. Das Ergebnis ist eine finanzielle Punktlandung, die dennoch für Diskussionsstoff sorgte.

Eigentlich sieht der Werkvertrag mit Intendant Jochen Schönleber vor, dass die Abrechnungen jährlich präsentiert werden. Dass nun die Jahre 2022 bis 2025 gebündelt auf dem Tisch lagen, hatte einen bürokratischen Grund: Ein kleiner Überschuss von 447,- Euro aus dem Jahr 2022 musste aufgrund der damaligen Corona-Regeln (anteilige Fehlbedarfsfinanzierung) erst vom Ministerium geprüft werden. Der erlösende Bescheid aus Stuttgart kam erst im März 2026, was die Freigabe der Folgejahre verzögerte.

Die nackten Zahlen: Disziplin im Budget

Die Stadt Bad Wildbad unterstützt das Festival mit einem festgesetzten Zuschussbedarf von jährlich 135.000,- Euro (bis 2023) bzw. 140.000,- Euro (ab 2024). Jochen Schönleber hat bewiesen, dass er mit knappen Mitteln haushalten kann:

2022: Dank Bundesmitteln aus dem Sonderfonds wurde das Budget um 447,- Euro unterschritten.

2023: Eine Überschreitung um 1.167,- Euro. Hier schmerzte besonders der Ausfall einer geplanten CD-Einspielung (Gli Arabi nelle Gallie), da der Haupttenor die enormen stimmlichen Anforderungen nicht bewältigen konnte.

2024: Trotz einer teilweisen Kostenexplosion im Kulturbetrieb betrug die Überschreitung lediglich 64,- Euro.

2025: Eine minimale Abweichung von 116,- Euro

Nach Verrechnung aller Jahre ergibt sich eine Gesamtabweichung von lediglich 902 Euro. Diese Summe muss das Festival im Jahr 2026 einsparen, um den Haushalt wieder auszugleichen.

Von Weltkarrieren und Video-Frust

Das Festival fungiert immer wieder als Sprungbrett für internationale Stars. Sängerinnen wie Sara Blanch (Titelrolle in Adina, 2022) oder Marina Viotti (2024/2026) starteten hier ihre Weltkarrieren. Doch es gab auch Schattenseiten: Die mediale Verwertung, früher eine wichtige Einnahmequelle, wird durch die „Gratis-Mentalität“ und Raubkopien im Internet fast unmöglich gemacht. Dennoch sind Aufnahmen laut Schönleber für die internationale Strahlkraft unverzichtbar.

Die Rettung des Kurhauses

Ein besonderer Erfolg des Jahres 2025 war die Rückkehr in das Königliche Kurhaus. Durch die Initiative von Staatssekretär Arne Braun und das Zusammenwirken von Feuerwehr, Baurechtsamt und Touristik GmbH wurde die Empore wiedereröffnet, was den Saal erst wirtschaftlich bespielbar machte. Mit einer neuen Lichtausstattung und der Mitgliedschaft im Projekt „Opera Next Generation“ der EU blickt das Festival nun gestärkt in die Zukunft.

Debatte im Gemeinderat: Aushängeschild oder Kostenfaktor?

Bürgermeister Marco Gauger betonte die Bedeutung des Festivals: Mit einem vergleichsweise geringen Budget gelinge es, Orchester von Weltklasse nach Bad Wildbad zu holen. Das Land Baden-Württemberg stehe voll hinter dem Festival und habe seinen Zuschuss sogar auf 175.000 Euro aufgestockt.

Stimmen aus den Fraktionen

Rita Locher (FWV) lobte die stabile Finanzierungsstruktur und die Unterstützung durch den Förderverein und Spender: „Man kann das Festival nur deshalb so umsetzen“.

Uwe Göbel (CDU) hob die Werbewirkung hervor: Während des Festivals seien die Unterkünfte ausgebucht, der Name der Stadt werde in die Welt hinausgetragen.

Ursula Jahn-Zöhrens (SPD) sah im Festival einen touristischen Mehrwert, der an „alte Zeiten“ anknüpfe und Gastronomie sowie Hotellerie emotional und wirtschaftlich stütze.

Werner Kriech (AfD) äußerte gemischte Gefühle: Er erkenne die positiven Besucherströme an, lehne Zuschüsse aber aus grundsätzlicher politischer Überzeugung ab.

Das Votum

Am Ende stimmte der Gemeinderat mehrheitlich für die Entlastung der Jahre 2022 bis 2025. Bei einer Gegenstimme (Mathias Fey) und einer Enthaltung (Werner Kriech) wurde der Weg für die kommende Saison frei gemacht. Der Ausblick für 2026 ist vielversprechend: Der Vorverkauf liegt bereits 18 Prozent über dem Vorjahr. (mm)

Erscheinung
exklusiv online
von Stadt Bad WildbadRedaktion NUSSBAUM
08.05.2026
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