Das war kein gewöhnlicher Theaterabend. Aber auch kein klassischer Liederabend. Eher etwas dazwischen, aber ein wilder, kluger und ziemlich vergnüglicher Streifzug durch die Tierwelt – und am Ende natürlich mitten hinein in die Menschenwelt. Am vergangenen Samstag war das „Ensemble Sa-Tiere“ mit seinem Programm „Vom Dasein der Tiere“ zu Gast im Theaterzimmer der Kastanienschule Rot.
Schon der Auftakt machte klar: Hier wird nicht brav Tierlyrik aufgesagt. Hier wird gesungen, gespielt, gespöttelt, gestaunt und zwischendurch auch den anwesenden Menschen ordentlich der Spiegel vorgehalten. Mit viel Musik, feinem Witz und einem bestens aufgelegten Ensemble ging es von Affenmenschen und Möwen über Käfer, Fliegen, Seepferdchen und Panther bis hin zu Tigern, Ottern, Bonobos und sogar dem Einhorn.
Auf der Bühne standen Annelie Peters und Michael Huber, begleitet von der Live-Band um Arrangeur und Komponist Holger Weitz an der Gitarre, Andreas Kilgus an den Keyboards, Frank Backes am Bass und Drummer Peter Sauter. Weitz hatte die Verse vertont, Regie geführt hatte Hubert Brandt: Das Ergebnis war eine herrlich ungewöhnliche Mischung aus Literatur, Konzert, Kabarett, Evolutionsgeschichte und Denkanstoß.
Zu hören waren Texte großer Namen: Christian Morgenstern, Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz und andere begegneten sich auf der Bühne in überraschenden musikalischen Gewändern. Mal wurde es herrlich albern, mal schräg, mal zart, mal bitterernst. Das Publikum durfte lachen – und tat das auch ausgiebig. Aber der Abend blieb nicht beim Klamauk stehen.
Denn „Vom Dasein der Tiere“ erzählte eben nicht nur von Tieren. Immer wieder ging es um uns Menschen: um unseren Blick auf die Natur, um Überheblichkeit, Fortschritt, Ausbeutung, Artensterben und die Frage, ob die sogenannte Krone der Schöpfung vielleicht doch öfter mal vom Sockel steigen sollte. Gerade dieser Wechsel machte den Abend stark: Eben noch ein komischer Reim, ein musikalischer Seitenhieb oder eine schräge Tierkunde – und plötzlich ein Gedanke, der hängen bleibt.
Unser Fazit als Gastgeberverein: Das war ein rundum fantastischer Abend. Tierisch unterhaltsam, musikalisch stark, mit viel Esprit, viel Gelächter und zugleich mit Momenten, die nachwirkten. Wir danken Peter, Michael, Frank, Annelie, Andreas, Holger und Werner an der Technik sowie allen vor, auf und hinter der Bühne für diesen besonderen Abend. Und natürlich danken wir allen Besucherinnen und Besuchern, die dabei waren. Wir waren sehr gerne Gastgeber – für einen Abend, der gezeigt hat: Literatur kann bellen, singen, beißen, schnurren und manchmal auch ziemlich deutlich knurren. (jr)



