Ein Ausflug ans Weingartener Moor, zusammen mit Achim Schäfer vom Bürgerverein Weingarten e.V., Hans-Michael Schmitt, Stadtförster in Pforzheim und bis 2023 in Weingarten, samt 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – was kann man da wohl alles entdecken? Zumindest das Vertrauen durfte nicht fehlen, als man auf einer Brücke rund um den Aussichtspunkt nacheinander zur Treppe gelangte. Der Anblick hatte sich gelohnt.
Ein paar Enten schwammen am Samstag der Vorwoche das weitläufige, 256 Hektar, was ungefähr 2,56 Quadratkilometern entspricht, umfassende Moor entlang. Ruhe, Naturidylle und ein insgesamt schöner Anblick boten sich dem Publikum. „Der Wald dient zu einem Drittel der Holznutzung, zu einem weiteren der Erholung und zum dritten Drittel dem Naturschutz“, sagte Stadtförster Schmitt. An diesem Tag konnte man den Wald als Erholungsraum genießen, auch wenn man immer wieder schauen musste, dass man sich nicht in Wurzeln oder Dickicht verfing.
An einer Badestelle nahe der Aussichtsplattform blieb man stehen und schaute sich neugierig um, denn: „Hier befand sich bis in die 1920er-Jahre hinein eine Badestelle. Sie ist heute verlandet. Das bedeutet trocken.“ Steht man auf der oben genannten Treppe, kann man es sich aufgrund der Waldfläche, die direkt an den See anschließt, aber nur wenig Wasser durchlässt, nicht vorstellen. Nur mit ein bisschen Fantasie laufen dann aber vor dem geistigen Auge Menschen umher, die baden und sich danach auf ihr Handtuch legen. Auch als Kühlschränke konnte man das Eis aus dem Weingartener Moor früher verwenden.
Die ganze, rund zweieinhalbstündige Führung über konnte man immer wieder etwas Neues entdecken und sehen, wie unglaublich artenreich das Gebiet auch rund um das Weingartener Moor ist. 170 Schmetterlingsarten, 20 Amphibienarten sowie unter anderem der Laub-, Teich-, Springfrosch und die Erdkröte finden ihren Lebensraum im Weingartener Moor. Auch, welchen Lebensraum Bäume bieten können, erläuterte Schmitt an verschiedenen Beispielen. Der Förster zeigte einen Efeustamm und sagte, dass der gesund sei. Ergänzend sagte er, dass die Stieleiche einen großen Lebensraum für den Heldbock bietet. „Dieser lebt erst mal vier Jahre im Verborgenen", sagte Schmitt. Quasi anfassen und erleben konnte man das Tier über Exponate, die man sich gegenseitig weiterreichte. 40 Hektar groß sei das Moor am 11. Oktober 1940 gewesen und sei damit stetig angewachsen, auf heute 256 Hektar, die das Weingartener Moor und den Bruchwald umfassen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer blieben durchgehend neugierig. „Hat Ulm mit Ulmen zu tun?“, fragte eine Teilnehmerin beim Betrachten von Brettwurzeln der Ulme. Die Möglichkeit bestehe. Das Ganze müsse man aber nachprüfen, sagte Schmitt. Holz in der Natur, Holz in Lebensmitteln – letzteres ließ die Teilnehmer nicht kalt. Empörte Ergänzungen und Nachfragen gab es, als Schmitt erwähnte, dass man Holz als Zusatz in Lebensmitteln, oft mit Geschmack, verwende. Ein Teilnehmer berichtete, dass er in Frucht- wie Erdbeerjoghurts das Phänomen wahrgenommen und entdeckt habe.
Neben der Fülle an Naturschönheit kam Schmitt nicht umhin, auch Negatives zu berichten. So sorge der Klimawandel dafür, dass das Moor aufbricht und Kohlenstoffdioxid (CO₂) freisetze. Das verwunderte eine Teilnehmerin, die davon ausging, dass das Moor Kohlenstoffdioxid aufnehme. „Es darf nicht zu trocken werden“, sagte Schmitt. „Z wie Zukunftsbaum“ lautete das Stichwort dahingehend, dass jeder Förster sich einen Baum heraussuchen kann, der dann den Holzertrag bringen soll. Trotz der Tendenz eines Rohstoffmangels liefere man Holz nach China, Indonesien etc. „Die liefern die Elektronik zurück“, so Schmitt. Roteichen, Buchen, auch diese Baumarten findet man im Wald – „Ohne Eingriff von außen hätten wir in Mitteleuropa mehr Buchen als andere Baumarten“, sagte der Förster. Einmal im Jahr findet in der Regel die Moor-Führung statt. (war)



