In Baden-Württemberg haben im Schuljahr 2024/25 insgesamt 7.462 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss verlassen. Insgesamt registrierte das Land 100.735 Schulabgänge.
Rein rechnerisch entspricht die Zahl von 7.462 Abgängen ohne Hauptschulabschluss einem Anteil von rund 7,4 Prozent an allen Schulabgängen in Baden-Württemberg. Die Daten gehen aus einer Recherche von CORRECTIV.Lokal hervor.
Nach Angaben des Kultusministeriums ist die Zahl nur bedingt mit klassischen „Schulabbrüchen“ gleichzusetzen. Unter den 7.462 Abgängen seien 3.770 Jugendliche aus Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), die den Hauptschulabschluss wegen ihrer Voraussetzungen gar nicht angestrebt hätten. Zusätzlich nennt das Ministerium 584 Schülerinnen und Schüler, die in Vorbereitungsklassen waren – also häufig neu zugewanderte Jugendliche, die zunächst sprachlich und schulisch ankommen sollen.
An SBBZ beziehungsweise Förderschulen sind in vielen Bildungsgängen keine anerkannten regulären Abschlüsse vorgesehen. Jugendliche, die diese Schulen regulär verlassen, gelten dadurch in der Statistik oft als „ohne Abschluss“, obwohl sie den Bildungsgang ordnungsgemäß beendet haben.
Bildungsforscher Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung fordert im Gespräch mit CORRECTIV, auch an Förderschulen stärker Wege zu qualifizierenden Abschlüssen zu eröffnen, um Perspektiven zu verbessern. Zudem könnten so Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Quoten steigen.
Bundesweit hat die Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss zuletzt einen Höchststand erreicht: Mehr als 64.000 Schülerinnen und Schüler beendeten laut Recherchen von CORRECTIV im Schuljahr 2024/25 die Schule ohne Abschluss. In fünf Bundesländern betraf das demnach mindestens jeden zehnten Schulabgänger.
Prozentual gab es am meisten Schulabbrecher in Sachsen-Anhalt. Generell ist ein deutlicher Ost-West-Unterschied zu erkennen.
Maaz verweist auf „systemische Defizite“ wie Lehrkräftemangel, zu wenig Schulsozialarbeit und fehlende Schulpsychologie – vor allem an Schulen in Problemlagen. Bildungsforscher Klaus Klemm warnte mit Blick auf Demografie und Fachkräftemangel davor, jährlich mehr junge Menschen mit ungenügenden Qualifikationen aus den Schulen zu entlassen, wie aus der Recherche von CORECTIV.Lokal hervorgeht.
Diese Recherche ist Teil einer Kooperation mit CORRECTIV.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalredaktionen umsetzt. CORRECTIV.Lokal ist Teil des gemeinwohlorientierten Medienhauses CORRECTIV, das sich durch Spenden finanziert. Mehr unter correctiv.org.


