
In der kommenden Woche informiert der Schulverband die Bürger über die Möglichkeiten der Schulentwicklung am Schulstandort Hemsbach. Sie erhalten in dem Zug die Fakten, die auch schon den Gemeinderäten in ihrer Klausurtagung vorgestellt wurden. Im April soll die Entscheidung zum weiteren Vorgehen fallen. Im Vorfeld haben die drei Bürgermeister des Schulverbands Nördliche Bergstraße nochmals zum Pressegespräch eingeladen.
Es war die Rede von Verantwortung. Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern. Verantwortung gegenüber nachfolgender Generationen. Es ging dabei um Geld. Sehr viel Geld, die in jede der drei Varianten des Schulneubaus fließen muss. Drei Varianten stellte Tim Scheil, Weinheimer Abteilungsleiter des Bereichs Schule und Sport vor. Im Folgenden ging es um deren Vor- und Nachteile und die jeweilige Auswirkung. Das galt insbesondere dann, wenn Hemsbachs Kämmerer Silvio Salatino auf die Finanzen einging. Das Gespräch war nüchtern und sachlich. Auch wenn es das Thema alles andere als das ist. Das wussten auch die Bürgermeister. Noch immer steht das Auslaufen der Carl-Engler-Realschule im Raum, damit überhaupt ein Schulneubau realisiert werden kann. Am Ende des Gesprächs war das die Lösung, hinter die sich erneut alle drei stellten, wie sie es schon im vergangenen Jahr getan hatten. „Es sind die blanken Zahlen“, erklärte Bürgermeister Jürgen Kirchner die Entscheidungsbasis. „Es gibt nur eine machbare Lösung“, leitete später Manuel Just aus diesen Zahlen ab.
Der Neubau auf den Erlenwiese nahe den Tennisplätzen und damit auf Laudenbacher Gemarkung wäre die Variante, bei dem Synergieeffekte durch nur einen Schulstandort entstehen und zugleich alle drei Schularten – Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule – in acht Zügen bestehen blieben.
Der vom Schulverband 2025 unterbreitete Vorschlag sieht den Neubau eines Schulgebäudes auf dem Gelände der Schillerschule vor und außerdem die Sanierung des Bestandsgebäudes der Gemeinschaftsschule. In dieser Variante würde ein Standort mit sieben Zügen für Gymnasium und Gemeinschaftsschule geplant, die Carl-Engler-Realschule hätte keine Zukunft und würde auslaufen.
Die dritte Variante ist der Neubau von Gymnasium und Realschule auf dem heutigen BIZ-Sportplatz und die Sanierung der Gemeinschaftsschule. Die zwei Schulstandorte blieben, dafür auch alle drei Schularten. Der Sportplatz müsste neu gebaut werden, Synergien könnten nicht genutzt werden, verdeutlichte Christine Hörr vom Hemsbacher Fachbereich Planung und Technik.
Die Förderkulisse, das war eine deutliche Botschaft, sei noch nie so gut gewesen wie derzeit. „Im Sommer haben wir nach alter Förderkulisse über 27 Mio. Euro gesprochen“, sagte Scheil. Das war jetzt weit mehr. Mittel erhielte der Schulverband für zwei Bereiche. Das ist zum einen die Beschulung auswärtiger Schüler und zum anderen die Regelförderung des Bauaufwands in Höhe von 33 Prozent. Für die einzelnen Schularten ergeben sich – bedingt durch die Schwankungen bei der Zahl der auswärtigen Schüler auf den drei Schulen – unterschiedliche Förderquoten. So erreicht die Sanierung der Schillerschule eine Förderung von 90 Prozent, für die Realschule wären es knapp 70 Prozent und für das Gymnasium knapp 77,5.
Für die Variante des Neubaus auf der grünen Wiese rechnet der Schulverband mit Kosten von 120 Mio. Euro. Davon sind 52,38 Mio. Euro aus Fördermitteln zu erwarten, den Rest müssten die drei Kommunen aus eigener Kraft beisteuern. Die Krux: Weil der Aufgabeantrag für die Schillerschule abgelehnt wurde, wird für deren Neubau keine Förderung gewährt, die Kosten für die Errichtung der Gemeinschaftsschule schlagen damit gänzlich auf die kommunale Kasse durch. Eine Gegenfinanzierung von ca. 9 Mio. Euro wäre durch den Verkauf des Schillerschulgeländes zu erwarten. Hinzu käme eine um 6 Mio. Euro höhere Förderung durch eine größere Zahl auswärtiger Schüler, was Laudenbachs Bürgermeister Benjamin Köpfle nur sehr kurz kommentierte: „Das macht es auch nicht besser.“
Bei der Planung auf dem Schillerschulgelände liegen die Kosten laut Salation bei 80 Mio. Euro. Der Anteil, den die drei Kommunen des Schulverbands selbst zu tragen hätten, beliefe sich auf gut 16 Mio. Euro, der Rest würde über Förderungen abgedeckt.
Der Neubau von BIZ und Carl-Engler-Realschule auf dem Sportplatz und zusätzlicher Sanierung der Schillerschule würde die Kassen bei einem Gesamtvolumen von 105 Mio. Euro mit einem Eigenanteil von 27,86 Mio. Euro belasten.
Die Erlöse aus dem Grundstücksverkauf eingerechnet, ging Salatino bei einem Neubau von einem Finanzierungsbetrag von 57,72 Mio. Euro aus, bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einem Zins von 3 Prozent. Für Hemsbach hieße das eine jährliche Belastung durch Zins und Tilgung von knapp 1,35 Mio. Euro pro Jahr.
Käme die Variante der Realisierung auf dem Schillerschulgelände zum Tragen, müsste Hemsbach mit einer jährlichen Belastung von 374.405 Euro rechnen, bei zwei Standorten mit Schillerschule und BIZ auf dem früheren Sportplatz wären es 650.865 Euro.
In allen drei Varianten muss Hemsbach den Löwenanteil zahlen, Köpfle ging aber davon aus, dass die Zahlungen Laudenbachs in den nächsten Jahren steigen werden. „Wir sind die mit Abstand jüngste der drei Gemeinden“, verwies er auf steigende Schülerzahlen bei den Nachbarn. Eine Umkehr des Verhältnisses beinhaltet das nicht.
Das ordentliche Ergebnis der Stadt Hemsbach wird bei allen Varianten belastet und steht auf Jahre im Minus. Einzige Frage: Wie hoch ist dieses Defizit und wie lange zieht es sich? „Die Zahlen sind bis 2029 ziemlich verlässlich“, stellte Salatino klar, dass es bei dem Ausblick nicht einzig um Prognosen ging. In seine Berechnungen schloss der Kämmerer auch Kredite ein, denn Hemsbachs liquide Mittel werden bis 2028 auf das vorgeschriebene Minimum abgeschmolzen sein, die Rücklagen bis 2029 aufgebraucht.
Im Zuge des Neubaus auf den Erlenwiesen wiesen seine Zahlen für 2026 wie auch 2027 ein Minus von mehr als 4 Mio. Euro aus. Bis 2036 würde daraus auch kein Plus. Zudem summierten sich die städtischen Schulden in den kommenden zehn Jahren auf ungefähr 34 Mio. Euro.
Ähnlich verhält es sich mit dem Bau auf dem Sportplatz. Auch hier erwartete der Kämmerer angesichts der Belastung bis 2036 ein durchgängig negatives Ergebnis. Die Schuldensumme könnte bis 2036 auf mehr als 25 Mio. Euro anwachsen.
Einzig mit der Variante Schillerschulgelände könnte ab 2035 wieder ein Plus für den Haushalt erzielt werden. Als Schuldenlast erwartete Salatino rund 23 Mio. Euro.
Für Manuel Just war klar, dass man bei einem Neubau auf den Erlenwiesen keinen genehmigungsfähigen Haushalt mehr haben werde. „Kreditaufnahmen sind nur für Investitionen zulässig“, führte er aus. In diesem Fall müsste man sie aufnehmen, um das laufende Kerngeschäft zu bedienen. Dem wollte Salatino nicht widersprechen. Spielraum für weitere Investitionen wären nicht mehr geben. Würde der Haushalt nicht genehmigt und die Stadt unter Zwangsverwaltung gestellt, fielen auch die freiwilligen Leistungen weg. Aus Köpfles Sicht müssten die Kommunen, insbesondere Laudenbach und Hemsbach, an völlige Belastungsgrenzen und darüber hinaus gehen. „Könnten wir das verantworten?“ Sein Blick lieferte gleich die Antwort: nein. Just machte keinen Hehl daraus, dass sich der Weinheimer Gemeinderat die Frage stellen werde, warum man eine Realschule finanzieren solle. „Das wird hinter den Kulissen schon jetzt diskutiert“, stellte er klar.
Dass die Hemsbacher und Laudenbacher Schüler eine Realschule in Weinheim besuchen könnten, stand weder für Just noch für Scheil infrage. Sowohl die Friedrich-Realschule als auch die Dietrich-Bonhoeffer-Realschule im Westen der Stadt stehen offen. Im Regelfall haben die beiden zusammen fünf Realschulzüge, das entspricht laut Scheil einer Kapazität von 150 Schülern je Klassenstufe. Er sagte auch, dass die Friedrich-Realschule im Bedarfsfall ohne Einschränkungen im Schulbetrieb in drei Jahrgängen jeweils eine zusätzliche Klasse bilden könne, so dass sich die Kapazität in diesen drei Jahrgängen auf 180 Schüler erhöhe. Die Nachbarkommunen hätten zudem Vorrang vor Schülern aus Hessen. Laut Statistik der letzten fünf Jahre waren das über die Schulen und Klassen zusammengenommen 71.
Nach der Bürgerinformation in der kommenden Woche sollen sich die drei Gemeinderäte bereits in ihren April-Sitzungen mit dem Thema beschäftigen und über den Verwaltungsvorschlag entscheiden. „Kein Mensch gibt gerne eine Schule auf. Aber wir sehen es fast als alternativlos an“, machte Just bereits klar, in welche Richtung dieser Vorschlag geht. Das, so hieß es, entspräche auch der Tendenz aus der Klausurtagung der Gemeinderäte. Die sehen sich derzeit einer Unterschriftenaktion zum Erhalt der Carl-Engler-Realschule gegenüber. Just erinnerte an die Verantwortung der Lokalpolitiker. „Derer sollten sie sich bewusst sein, wenn sie einen Beschluss herbeiführen.“ In der nächsten Sitzung des Schulverbands im Mai werde dann die finale Abstimmung fallen, wobei die Bürgermeister an den jeweiligen Gemeinderatsbeschluss gebunden sind. (cs)
Die Öffentlichkeitsveranstaltung „Perspektive Schule“ zum Neubau des Bildungszentrums Hemsbach findet am Dienstag, 24. März, um 19 Uhr in der Sporthalle des Bildungszentrums statt. Der Schulverband wird an diesem Tag über die Inhalte und Ergebnisse der Klausurtagung informieren. Es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen.


