In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Kultur und Soziales hat die Stadtverwaltung dargelegt, warum im Umfeld der Doris-Leibinger-Schule derzeit keine Schulstraße eingerichtet werden soll. Die vorgebrachten Argumente sind umfangreich, detailliert und in vielen Punkten nachvollziehbar.
Doch was ist überhaupt eine Schulstraße?
Eine Schulstraße ist ein Straßenabschnitt im unmittelbaren Umfeld einer Schule, der zu bestimmten Zeiten – meist zu Schulbeginn und Schulende – für den motorisierten Verkehr gesperrt wird. Ziel ist es, gefährliche Situationen durch Bring- und Abholverkehr zu vermeiden und Kindern einen sicheren, ruhigen Schulweg zu ermöglichen. In vielen Städten wird dieses Modell bereits erfolgreich erprobt oder dauerhaft umgesetzt.
Die Verwaltung macht deutlich, dass die örtlichen Gegebenheiten rund um die Doris-Leibinger-Schule komplex sind: mehrere Erschließungsrichtungen, notwendige Ausnahmen für Anwohner*innen, Lieferverkehr, Lehrkräfte und Menschen mit Behinderung sowie rechtliche und organisatorische Hürden. Hinzu kommen Zweifel an der Kontrollierbarkeit und Akzeptanz einer solchen Maßnahme. All das sind Aspekte, die ernst genommen werden müssen.
Gleichzeitig bedauern wir, dass trotz dieser nachvollziehbaren Bedenken kein Versuch gewagt werden soll. Gerade bei Verkehrsprojekten wünschen wir uns grundsätzlich mehr Mut zum Ausprobieren. Temporäre Maßnahmen, zeitlich begrenzte Pilotprojekte oder begleitete Tests könnten wertvolle Erfahrungen liefern – auch dann, wenn sie am Ende nicht dauerhaft umgesetzt werden. Verkehrsraum ist begrenzt, und die Frage, wie viel Platz wir Autos und wie viel Platz wir Menschen, insbesondere Kindern, geben wollen, ist eine zentrale Zukunftsfrage unserer Stadt.
Ein Kernproblem im Schulumfeld sind die sogenannten Elterntaxis. Was gut gemeint ist, führt in der Praxis häufig zu mehr Verkehr, unübersichtlichen Halte- und Wendemanövern und damit zu genau den gefährlichen Situationen, die eigentlich vermieden werden sollen. Je mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen, desto unattraktiver und unsicherer wird der Schulweg für alle anderen. Das Problem verstärkt sich selbst.
Kinder, die ihren Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder dem Bus zurücklegen, profitieren mehrfach: Sie bewegen sich selbstständiger, werden sicherer im Straßenverkehr und gewinnen an Selbstvertrauen. Gleichzeitig sinkt das Verkehrsaufkommen vor der Schule – ein Gewinn für alle Beteiligten.
Unser Ziel bleibt daher klar: sichere Schulwege, weniger Autoverkehr und mehr Raum für Menschen statt für Autos. Eine lebenswerte Stadt entsteht dort, wo neue Wege ausprobiert und bei Erfolg dann langfristig implementiert werden.
Wenn wir über Schulwege, Verkehr und Sicherheit sprechen, geht es letztlich um das Wohl unserer Kinder. Gerade zum Jahresende rückt das Wesentliche in den Fokus. Wir wünschen allen Bürgerinnen und Bürger ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. (Simone Rathfelder für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Ditzingen)