
Tiefes Moor und Sanddünen: Nachdem Einsatzkräfte zwei Menschen aus dem leeren Stausee der Schwarzenbach-Talsperre retten mussten, hat die Feuerwehr eindringlich vor dem Betreten des Bereichs gewarnt. Der tiefste Teil des Sees sei ein Moor, ein Sumpfgebiet. «Das ist saugefährlich, wenn man da drinsteckt, man kommt da leider nicht mehr raus», sagte der Gesamtkommandant der Feuerwehr Forbach, Marius Mungenast.
Gerade bei gutem Wetter liefen zahlreiche Menschen in den abgelassenen See hinein. Überall stünden Schilder, dass das Betreten des Bereichs verboten sei. «Die Leute sollen einfach wegbleiben und von oben gucken.» Man könne alles von oben sehen. «Man muss nicht runter, um zu sehen, dass der See leer ist», sagte Mungenast.
Aufgrund von Sanierungsarbeiten ist der Stausee bei Forbach (Kreis Rastatt) aktuell leer. Mittlerweile habe die Feuerwehr drei Personen aus dem abgelassenen See retten müssen, sagte Mungenast. Erst am Sonntag stürzte nach Angaben der Bergwacht eine Frau im inneren Bereich des Stausees an einem stark abschüssigen Ufer und rutschte einen Hang hinab - allerdings noch in der Nähe des Ufers.
«Das Gelände da unten, das ist Sand», sagte Philip Urban von der Bergwacht. «Das ist wie eine Düne am Atlantik. Es ist halt tiefer Sand.» Die Mitglieder der Bergwacht hätten die Frau in eine Gebirgstrage gelegt und diese dann bis zum Ufer getragen, gesichert durch ein Seil. Dort hätten sie sie an den Rettungsdienst übergeben. Zu dem Zeitpunkt seien auch zahlreiche andere Menschen in dem abgelassenen See unterwegs gewesen.
Wenige Stunden später seien die Einsatzkräfte von Bergwacht und Feuerwehr erneut alarmiert worden: Ein Mann hatte sich in dem mittleren Bereich des Stausees so schwer verletzt, dass er nicht mehr selbstständig gehen konnte. Den Angaben nach ist der Boden dort so matschig, dass man bis zu den Knien einsinkt. Der Mann selbst sei allerdings nicht im Moor versunken, sagte Mungenast. «Zwei Schritte weiter, dann wäre es so gewesen.»
Die fünf Bergretter überlegten nach eigenen Angaben mit Feuerwehr und Rettungsdienst, wie sie den Patienten am besten aus dem abgelassenen See herausbekommen. Eine Rettung per Winde mit dem Helikopter sei das Schnellste, aber auch das Schonendste für den Patienten gewesen, sagte Urban. Der Mann sei etwa 300 Meter von der Straße entfernt gewesen.
Die Rettungskräfte hätten einen Helikopter des ADAC gerufen. Dieser habe eine Notärztin abgeseilt. Die Bergretter hätten den Patienten in einen Luftrettungssack gepackt. Anschließend sei der Mann mit der Notärztin am Seil wieder hochgezogen und in eine Klinik geflogen worden.
Der See wurde abgelassen, um laut Energieversorger EnBW unter anderem an der Staumauer zu arbeiten. «Das Betreten des Seeufers ist tatsächlich untersagt», hatte eine Sprecherin bereits zuvor mitgeteilt. An verschiedenen Treppen und Zugängen seien daher Bauzäune angebracht, zusätzlich wiesen Warnschilder rund um den See auf die Gefahren hin. Aber: «Eine vollständige Absperrung des gesamten Uferbereichs ist weder praktikabel noch vorgesehen.» Die Arbeiten sollen bis Oktober laufen.
Urban sagte über die Rettungen aus dem Stausee: «Die Umgebung ist außergewöhnlich, weil ein leerer Stausee natürlich nicht alltäglich ist, aber die Einsätze an sich sind jetzt nichts Außergewöhnliches.»
Die ehrenamtlichen Retter der Bergwacht sind nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 1.400 bis 1.500 Mal im Jahr im Einsatz, um Verletzte zu versorgen, Vermisste zu suchen oder in unwegsamem Gelände zu helfen. Allein der Einsatz der Bergwacht kostete am Sonntag pro Rettung 2.500 Euro - die Rechnung dafür geht laut Bergwacht allerdings an die Krankenkassen der Verletzten.
Dass die Menschen trotz Verbotsschildern den abgelassenen See betreten haben, kritisierte der Bergretter nicht. Es seien viele andere Menschen am Wochenende in dem See unterwegs gewesen, sagte er.
Auch Feuerwehrkommandant Mungenast sagte mit Blick auf den See: «Da ist die Hölle los, da oben.» Er sei schon gespannt, was da am Wochenende mit dem 1. Mai los sein werde. Der abgelassene See sei eine Touristenattraktion, die die Leute aus der Region anziehe.
Grundsätzlich sieht die Bergwacht kein generelles Problem der Fahrlässigkeit als Auslöser für ihre Einsätze. «Das Thema der Fahrlässigkeit oder Selbstüberschätzung taucht bei uns auch auf, aber jetzt nicht so, dass wir sagen, sehr häufig», sagte Urban. Manchmal würden Menschen im Winter einfach nicht die passende Kleidung tragen oder nicht die richtigen Schuhe.
Meistens seien die Betroffenen schlicht unglücklich gestürzt. So sei das am Sonntag auch gewesen - ganz normale Stürze. «Man stolpert mal und man stürzt - und manchmal tut man sich eben dabei weh.»
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