Im Frühjahr erwacht die Tierwelt zu neuem Leben. Für viele Arten beginnt nun eine große Reise auf der Suche nach geeigneten Orten, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Der „Kleine Drache“ hat zwar keine Flügel, aber mit seiner auffälligen schwarz-gelben Musterung ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra) unverkennbar. Sie signalisiert deutlich: „Achtung, ich bin giftig!“
Wie alle Amphibien ist auch der Feuersalamander – mit bis zu 20 Zentimetern übrigens der größte heimische Schwanzlurch – für die Entwicklung seiner Jungen auf Wasser angewiesen. Die Weibchen legen im Frühjahr oft mehrere hundert Meter bis zu einem geeigneten Laichgewässer zurück. Anders als Frösche und Kröten legt der Feuersalamander jedoch keine Eier, sondern bringt durchschnittlich 20 bis 40 Larven lebend zur Welt. Dafür nutzt er meist kleine Bäche oder Quellwässer, aber auch Teiche und Tümpel können als Kinderstube dienen. Wichtig ist vor allem, dass diese fischfrei sind. „Von Frühjahr bis Sommer kann ich in strömungsarmen Bereichen unserer Waldbäche oder in Tümpeln beobachten, wie die Salamanderlarven auf Jagd gehen“, erklärt Förster Benno Künzig. „Durch die Renaturierung von Waldbächen sowie das Anlegen neuer Feuchtbiotope, wie aktuell in Schatthausen, schaffen wir wieder geeignete Lebensräume für den Feuersalamander. Davon profitieren auch andere Amphibien, Insekten und zahlreiche weitere Tierarten.“
Die Larven verbringen drei bis fünf Monate im Wasser und fressen in dieser Zeit alles, was in ihr Maul passt. Die äußeren Kiemen schrumpfen nach und nach, und die charakteristische Färbung wird sichtbar. Der Körper passt sich immer mehr dem Leben an Land an. Diese Verwandlung, die alle heimischen Amphibien durchlaufen, nennt sich Metamorphose. Zu Gesicht bekommt man die imposanten Tiere jedoch nur selten, denn ihre Haut trocknet schnell aus. Erwachsene Feuersalamander sind daher meist bei Regen oder nachts unterwegs. Ansonsten halten sie sich gut geschützt unter Totholz, Steinen oder in Erdspalten auf. Ihr Speiseplan unterscheidet sich kaum von dem der Larven: Regenwürmer, Schnecken und viele Insekten stehen auf dem Plan. Hauptsache, sie passen ins Maul.
„Der Klimawandel macht nicht nur unseren Wäldern, sondern auch deren Bewohnern zu schaffen. Beim Feuersalamander ist das besonders deutlich: Längere Trockenphasen im Frühjahr und Sommer führen dazu, dass Waldbäche und Feuchtbiotope frühzeitig austrocknen, sodass sich die Larven nicht vollständig entwickeln können. Hohe Temperaturen sorgen zudem für eine schnellere Austrocknung der Amphibienhaut“, so Künzig. Nicht nur der Klimawandel setzt Schwanzlurchen wie Salamandern und Molchen zu, sondern auch eine Pilzkrankheit (Batrachochytrium salamandrivorans, kurz „Bsal“), die als Salamanderpest bekannt ist. Dieser aus Asien über Tierhandel eingeschleppte Pilz führt zu einer Austrocknung der Haut und endet fast immer tödlich. Die Krankheit breitet sich zunehmend in Mitteleuropa aus. Bislang sind in Baden-Württemberg glücklicherweise keine Fälle bekannt.
Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, dennoch kann sie durch ihn weiterverbreitet werden. Jeder kann helfen, die Ausbreitung einzudämmen: Amphibien sollten keinesfalls berührt, Gewässer und deren Uferbereiche nicht betreten und Hunde in Gewässernähe an der Leine geführt werden. Feuchtes Schuhwerk sollte nach dem Einsatz vollständig getrocknet werden. Zusätzlich zu Klimawandel und Salamanderpest sind natürliche Lebensräume durch Straßen zerschnitten, was die Wanderungen der Tiere oft zur tödlichen Gefahr macht.
So faszinierend und einzigartig der Feuersalamander auch ist, er gehört zu den Arten, die besonderen Schutz brauchen. Damit dieser auch in Zukunft bei uns sein Zuhause hat, braucht es unser aller Rücksicht und Engagement: Jeder kann helfen, indem er Amphibien und ihre Lebensräume schützt. Das Kreisforstamt setzt sich bei der Waldbewirtschaftung dafür ein, die Lebensräume im Rhein-Neckar-Kreis zu erhalten und zu verbessern. Diese Maßnahmen helfen nicht nur Amphibien und vielen anderen Tieren, sondern auch dem Wald selbst, da Wasser den Bäumen in Trockenphasen länger zur Verfügung steht. Neben den Försterinnen und Förstern engagieren sich viele ehrenamtliche Naturschützer, die beispielsweise Amphibienschutzzäune an Straßen aufbauen und kontrollieren. Gemeinsam leisten diese Maßnahmen sowie ein achtsamer Umgang mit den Lebensräumen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des „Kleinen Walddrachen“ und zur Artenvielfalt in unseren Wäldern im Kreis.


