
Laut diverser Statistiken fordert inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung ein Böllerverbot an Silvester, und zahlreiche Studien sowie Stellungnahmen verdeutlichen, dass privates Silvesterfeuerwerk erhebliche Belastungen für die Gesellschaft bedeutet. Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes zufolge sterben jedes Jahr rund eine halbe Million Wildtiere an unmittelbaren und mittelbaren Folgen des Silvesterfeuerwerks. Die primäre Todesursache ist Herzversagen durch Panik. Haus- und Wildtiere leiden gleichermaßen unter Lärm, Licht und Explosionen.
Neben dem Tierschutz sprechen auch andere Argumente für eine ernsthafte Prüfung eines Böllerverbots. Feuerwerkskörper und Feinstaub gefährden Menschen: Nicht nur die Feuerwerker, sondern auch viele Kinder und Unbeteiligte erleiden teils schwere Verletzungen und landen in überlasteten Notaufnahmen; brennende Gebäude, Sachbeschädigungen und die Kosten für Aufräum- und Reinigungseinsätze belasten Städte und Landkreise.
Gegner argumentieren mit Tradition und Freude am Fest und vergessen dabei, dass Traditionen nicht zwangsläufig alle erhalten bleiben müssen. Früher war es auch Tradition, Hexen zu verbrennen oder Leute öffentlich hinzurichten – nur zwei Beispiele, dass man Traditionen durchaus überdenken kann, wenn sie schädlich sind.
Auch an diesem Jahreswechsel starben rund um LE zahlreiche Tiere, entliefen etliche Haustiere, wurden Menschen verletzt und musste die Freiwillige Feuerwehr unnötige Brände löschen. Die Stadtreinigung sowie unbeteiligte Menschen benötigen Tage, um den giftigen und mit Schwermetallen belasteten Müll zu beseitigen. Der Silvestermüll bleibt teilweise noch Monate oder Jahre in der Natur. Müssen wir das wirklich noch haben?
In Spanien ist Silvesterfeuerwerk unüblich, die Niederlande gehen mit gutem Beispiel voran. Ab 2026 soll dort privates Silvesterfeuerwerk verboten werden. Auch bei uns wird ein bundesweites Böllerverbot diskutiert, doch die Feuerwerkslobby ist stark und will nicht auf Milliardengewinne verzichten – der Bund weigert sich. Noch.
Uns stellt sich deshalb die Frage, welche Möglichkeiten sich uns als Kommune bieten, das Problem anzugehen. Verbote in historischen Stadtvierteln sind längst möglich; dürfen wir nur alte Gebäude schützen oder auch Menschen, Tiere und Umwelt? Die Debatte um ein Böllerverbot an Silvester ist kein Angriff auf Kultur, sondern eine Prüfung der Verantwortung gegenüber Mitmenschen, Tieren und Umwelt. Deshalb wollen wir diese Fragen angehen und hoffen auf eine konstruktive Diskussion im Gemeinderat.
Noch ein kleiner Funfact: 97 % aller Patienten mit feuerwerksbedingten Verletzungen sind Männer. Vielleicht sollte man Männer so einen Kram einfach gar nicht entscheiden lassen?


