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Es braucht Belebung im Ortszentrum

Situation des Gewerbes in der Bachgasse Hemsbach

Zwischen vollen Auftragsbüchern und Onlinekonkurrenz bewegen sich die Freuden und Nöte der Hemsbacher Gewerbetreibenden.
V.l.: Patricia Bäurle-Utech, Andreas Wiegand, Melissa Möller machen sich stark für das Zentrum im alten Ortskern.Foto: cs

Sorgen sind da – aber auch Wünsche und Hoffnung. Und eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie es ihnen geht, gibt es nicht.

Handwerk und Einzelhandel

Die Handwerker hätten volle Auftragsbücher, sagt Andreas Wiegand. „Man muss viel falsch machen, um nicht ausgelastet zu sein“, schiebt er hinterher. Wiegand hat selbst einen Heizungsbau-Betrieb, ist außerdem der Vorsitzende des Hemsbacher Bunds der Selbstständigen (BDS). Im Handwerk gebe es keine Flaute, allein die steigenden Kosten schürten Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Nachfrageeinbruchs. Irgendwann. Die Kostensteigerungen seien insgesamt ein Problem für den Handel und Gewerbe, sagen Patricia Bäurle-Utech und Melissa Möller. Sie in voller Höhe weiterzugeben an die Kunden ist für beide keine Option. „Dann käme keiner mehr“, sagt Möller. Es ist nicht der einzige Punkt, unter dem vor allem der Handel im alten Ortszentrum rund um die Bachgasse leidet.

Es fehlt etwas in der Bachgasse

Möller ist Inhaberin von Friseur Pfeiffer, Bäurle-Utech führt den Schreibwarenladen. Beide sind in der Bachgasse ansässig. Die erfährt gerade eine kleine Belebung. Zwei weitere Friseure sind vor nicht allzu langer Zeit in unmittelbarer Nachbarschaft von Möller eingezogen, bald kommt ein Tattoo-Laden hinzu. „Das bringt Menschen hierher“, sind sich die drei einig und begrüßen die neuen Angebote. Das Wichtigste sei, dass sich wieder ein Bäcker angesiedelt hat, sagt Möller. Und auch die Bücherei sorge für Frequenz, „ich merke, wenn die geöffnet ist“, so Bäurle-Utech. Sie weiß auch, wie wichtig ihr Laden für die Kunden ist: „Wenn dieser kleine Laden wegbricht, hätten die Älteren am Samstag keinen Treffpunkt mehr.“ Auch, weil es zuvor schmerzliche Schließungen gab. Etwa die Spieleinsel. Und echte Kneipen oder Lebensmittel sucht man schon seit langer Zeit vergebens. „Auch die Ärzte fehlen“, stellt Bäurle-Utech fest. Möller denkt an ein Café für jüngere Menschen, vielleicht mit einem Buchangebot und kleinen Geschenken.

Stammkunden halten am Leben

Insgesamt habe die Bachgasse nicht mehr so viel zu bieten, die Discounter zugleich viele Non-Food-Produkte im Angebot, die dem Handel Konkurrenz machten. Das sei der Lauf der Zeit, sagt Patricia Bäurle-Utech. Möller weiß, dass sich die Menschen wieder mehr Geschäfte im alten Ortskern wünschten. Kunden würden das Familiäre schätzen. Wovon der Einzelhandel in der Bachgasse lebt, seien Stammkunden, meint Bäurle-Utech. „Und Beratung und Service.“ Untereinander zählt die Vernetzung. „Deswegen wollten wir den BDS nicht sterben lassen“, sagt Wiegand. Das Netzwerk solle unter dessen Dach wieder gestärkt werden. „Es ist auch wichtig, dass wir Sprachrohr sind für die Selbständigen gegenüber der Verwaltung und andersrum“, sagt er weiter. Der Kontakt ins Rathaus sei gut – und gleiches gilt auch unter den Gewerbetreibenden.

Das alte Zentrum erhalten

„Wir machen alles Hand in Hand“, erklärt Bäurle-Utech das Miteinander in Hemsbach, das alle drei weiterhin als positiv empfinden. Jetzt erhoffen sie sich Impulse durch das Programm „Innenstadtberater“. Es sei gut, dass jemand von außen schaue, verschiedene Bereiche beleuchte und es zusammenführe. „Ich erhoffe mir eine aufschlussreiche Analyse des Leerstands“, nennt Möller einen Aspekt. Auf die Ergebnisse warten will der BDS nicht. Im Gegenteil. Dass es weitere Belebung im alten Ortskern braucht, ist allen Beteiligten, auch ohne Experten von außen klar. Erster Anker wird das Bachgassenfest sein, das zurückkommt. „Wir haben das Ziel, dass es wieder genauso schön wird, wie es war“, sagt Wiegand. Mit Flohmarkt, mit Vereinen, mit Ehrenbachgässlern und sogar Live-Musik will man am 4. Juli aufwarten. An der Ausarbeitung aller Rahmenbedingungen und Erfüllung der Vorschriften arbeite der Vorstand zurzeit mit voller Kraft, betont der BDS-Vorsitzende. Glaubt man Möller, sollte allen Bachgässlern gemeinsam nichts zu viel sein für das alte Zentrum. „Das ist das Herz von Hemsbach und wir müssen dafür sorgen, dass das erhalten bleibt“, sagt sie. Dass man mit Herz dabei sei, daran lässt Bäurle-Utech keinen Zweifel. Also muss man sich keine Sorgen machen, dass die Bachgasse ausstirbt? Ihre Antwort kommt sofort und deutlich: „Solange wir kämpfen, nicht.“ (cs)

Passantenbefragung

Das Projekt „Innenstadtberater“ hat das Ziel, das Ortszentrum Hemsbachs weiterzuentwickeln und Maßnahmen für eine attraktivere und lebendigere Mitte umzusetzen. Gefragt werden in diesem Rahmen auch ca. 100 Passanten nach ihrer Meinung zur Attraktivität des Ortskerns. Die Interviews werden am Sonntag, 10. Mai, von ca. 12 bis 16 Uhr im Ortskern rund um das Wein- und Blütenfest, die Bachgasse und am „alla hopp!“-Gelände durchgeführt. Im Anschluss wird die Befragung auch online angeboten, um diejenigen zu erreichen, die nicht oder nur selten in die Stadtmitte kommen. Der Link zu dieser Umfrage wird im Anschluss zur Befragung vor Ort veröffentlicht.

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Hemsbacher Woche
NUSSBAUM+
Ausgabe 19/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
06.05.2026
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