Auf dem Turmberg in Durlach befindet man sich rund 250 Meter über Karlsruhe. Und gerade hier, an einem der höchsten Punkte der Großstadt, trifft sich jede Woche die UW-Rugby-Jugend des TSV Malsch, um in der Schwimmhalle wieder tief unterzutauchen
Ein ungewöhnlicher Sport und trotzdem viel Erfolg – in Malsch sind die Aktiven des Tauchsportvereins schon längst nicht mehr unbekannt. Bei der vergangenen Bürgerehrung erhielten sie sogar eine Auszeichnung der Gemeinde.
Reinhard Schottmüller hat das UW-Rugby mit seinen Aktiven und Trainern in den letzten 30 Jahren zu einer nationalen Größe gemacht, er ist einer der Antreiber des Unterwasser-Rugbys in Deutschland. Zuhause in Baden wird für ihn seit vielen Jahren aber vor allem eine Sache immer wichtiger: die Nachwuchsförderung.
Schottmüller, früher Professor an der Hochschule Pforzheim, beschreibt sich selbst als „Orga-Talent“. Er betont, er habe vor allem Spaß und Freude, mit Kindern und Jugendlichen etwas zu bewegen, sie zu fördern, sie vom Tauchsport und dem Unterwasser-Rugby zu begeistern. Mehr als 70 jugendliche Mitglieder zählt der Verein heute, der TSV ist dadurch im Landesverband Baden ganz oben mit dabei.
Ein besonderes Merkmal des Vereins ist das umfangreiche Ausbildungskonzept. Viele Jugendspielerinnen und Jugendspieler sowie Erwachsene werden zu Trainerinnen und Trainern ausgebildet. Zurzeit verfügt der Verein über 18 Trainerinnen und Trainer sowie sechs Tauchlehrer.
Da der TSV in Karlsruhe-Schöneck das einzige Bundesleistungszentrum für Kinder, Jugendliche, Damen und Herren betreibt, können diese hier sogar bis zu A-Trainern ausgebildet werden – eine absolute Seltenheit im Tauchsport.
Schottmüller vermeidet den Begriff „Jugendarbeit“ und bevorzugt „Jugendförderung“. „Wir spielen, wir kämpfen nicht“, sagt Schottmüller im Gespräch, der Spielspaß stehe bei ihm und seinen Aktiven im Vordergrund.
Die Atmosphäre im Training sei dementsprechend entspannt, der Leistungsdruck überschaubar, betont Schottmüller. Das sei anders als etwa im Fußball, wo die Konkurrenz um Startplätze groß und der Weg nach oben lang sei. Im Unterwasser-Rugby kann man bei Talent und Trainingsfleiß relativ schnell international spielen.
Um die Bekanntheit des Sports zu steigern, setzt der TSV Malsch beispielsweise auf Kooperationen, etwa mit der Hans-Thoma-Schule. Das findet Schottmüller signifikant: Jüngere Mitglieder würden stark auf Social Media oder Livestreams von Spielen und Turnieren setzen – für Schottmüller geht aber nichts über die Möglichkeit, ein Training besuchen zu können.
Der Trainingsalltag folgt einem klaren Ablauf: Auf das Warmschwimmen folgt das Techniktraining, taktische Varianten hält der Verein in einem eigenen Playbook fest. Ergänzt wird die Nachwuchsförderung durch Ausflüge sowie vielseitige Events rund um das Thema Wasser. In Deutschland seien sie in der UW-Rugby-Nachwuchsförderung führend, keiner mache so viel wie der TSV, sagt Schottmüller mit merklichem Selbstbewusstsein.
Viele Mitglieder der Nachwuchsgruppe machen nebenbei noch eine andere Sportart. Das begrüßen Schottmüller und der Verein, weil dadurch die verschiedensten körperlichen Fähigkeiten trainiert werden – im vielseitigen Unterwasser-Rugby besonders vorteilhaft.
Ein langjähriger Wunsch des Vereins ist eine Schwimmhalle in Malsch, seit 2002 engagiert sich der TSV dafür. Als die Sanierung der Bühnsporthalle anstand, wurde auch eine Schwimmhalle beantragt – das wurde allerdings abgelehnt.
Deshalb trainiert der Bundesligist bis heute in angemieteten Bädern wie in Durlach und Grötzingen. Für die Jugendlichen würden aber Fahrgemeinschaften gebildet werden.
Förderungen und Sponsoren sind für die unbekannte Sportart schwer zu bekommen. „Allzu viel Geld ist im Unterwasser-Rugby nicht zu holen", hatte es einmal in einem Bericht der BNN geheißen.
Die Besonderheit beim TSV Malsch: Die Ausbildung im Tauchsport ist kostenlos. Mitglieder bis 14 Jahre sind zudem beitragsfrei.
All das Engagement trägt letztlich Früchte: Der Verein wurde schon mehrere Male Deutscher Meister, das letzte Mal 2022. 2016/17 schrieb der Verein Geschichte als erstes deut sches Team in der Euro League, dem wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb.
Was den TSV Malsch letztlich antreibt, lässt sich am besten mit Schottmüllers eigenem Credo zusammenfassen: Es geht nicht ums Geld und nicht um Prestige – es geht darum, Kinder und Jugendliche für eine Sportart zu begeistern, die abseits des Rampenlichts mehr zu bieten hat, als man auf den ersten Blick ahnt. In Zukunft werden wir sicher mehr von dem ungewöhnlichen Sport in Malsch hören.


