„Altgras-Streifen – auch als Insektenschutz-Streifen bezeichnet – bieten Lebensraum für zahlreiche Arten, die im Winter in Stängeln, im Boden oder in der Streuschicht überdauern – darunter viele Insekten, Spinnen und andere Kleintiere“, weiß Marina Klaus vom Amt für Baurecht und Naturschutz des Enzkreises: „Sie sichern damit nicht nur das Überleben einzelner Arten, sondern stabilisieren ganze Ökosysteme.“ Altgras-Streifen seien damit eine einfach umsetzbare Maßnahme mit großer Wirkung für die Biodiversität im Grünland.
Damit sie ihren Zweck erfüllen, komme es jedoch auf die richtige Anlage und Pflege an, so Klaus. Wichtig sei zunächst die zeitliche Komponente: „Die ausgewählten Flächen sollten ab der ersten Mahd eines Jahres bis mindestens ins Frühjahr des Folgejahres ungemäht bleiben. So können auch Arten profitieren, die sich in unbeweglichen Entwicklungsstadien wie Eiern oder Puppen in der Vegetation befinden und sonst mit dem Mähgut entfernt würden.“
„Lage und Form der Altgrasstreifen sind flexibel“, sagt die Naturschutz-Expertin. „Ob als Streifen, Insel oder entlang von Fahrspuren – entscheidend ist, dass sie praktisch in die Bewirtschaftung integrierbar sind. Auch kleine Flächen leisten bereits einen Beitrag. Grundsätzlich gilt: Jeder Quadratmeter zählt.“
Um negative Effekte wie Verbuschung oder die Ausbreitung unerwünschter Arten zu vermeiden, sollten Altgras-Streifen allerdings jährlich ihren Standort wechseln. Ihr Anteil sollte zudem in der Regel nicht mehr als etwa 20 Prozent der Gesamtfläche betragen, betont Klaus. Nach mehreren Jahren könne eine Fläche erneut als Altgras-Streifen genutzt werden, ohne die Vegetation zu beeinträchtigen. Besonders geeignet seien entweder extensiv oder wenig intensiv genutzte Wiesen; weniger sinnvoll Flächen in unmittelbarer Nähe zu intensiv bewirtschafteten Äckern oder Obstplantagen mit Pestizideinsatz. Klaus empfiehlt daher, Altgras-Streifen gezielt in die Bewirtschaftung zu integrieren und als festen Bestandteil eines nachhaltigen Grünlandmanagements zu etablieren.


