Wer Unterwasser-Rugby noch nicht kennt, denkt vielleicht an eine kuriose Nischensportart. Wer sie einmal erlebt hat, ist meist überrascht: von der Intensität, der Dreidimensionalität und der taktischen Tiefe eines Sports, der weit mehr ist als Rugby im Schwimmbad.
Unterwasser-Rugby ist eine Mannschaftssportart, deren Ziel es ist, einen mit Salzwasser gefüllten Ball in den gegnerischen Metallkorb auf dem Beckenboden zu befördern. Ausrüstung: Tauchermaske, Schnorchel, Flossen – mehr braucht es nicht.
Um 1960 noch eine beliebte Trainingsalternative für Taucher, ist die Sportart heute eine internationale Leistungssportart. Ihren Ursprung hat die Sportart in deutschen Tauchvereinen.
Im internationalen Spiel haben sich drei grundlegende Rollen herausgebildet: Obertorverteidiger, Untertorverteidiger und Stürmer. Der Obertorverteidiger, umgangssprachlich „Deckel“ genannt, liegt in der Regel mit dem Rücken auf dem Korb, der Untertorverteidiger schützt ihn vor Angriffen am Beckenboden. Die Stürmer greifen das Tor an und betreiben beim Verteidigen Forechecking.
Jede Mannschaft besteht aus bis zu 15 Spielerinnen und Spielern, von denen sechs gleichzeitig im Wasser sind. Gewechselt wird fliegend – ohne Spielunterbrechung, sobald eine Spielerin oder ein Spieler die Wasseroberfläche verlässt.
Ein Tor zu erzielen ist schwerer, als es klingt. Unterwasser-Rugby zählt zu den Defensivsportarten: Spiele zwischen ebenbürtigen Teams enden häufig 1:0. Der Torbereich ist klein und gut zu verteidigen.
Um den Verteidiger vom Korb zu lösen, gibt es verschiedene Techniken. Am effektivsten ist es aber, wenn man den „Deckel“ vom Korb gezogen bekommt.
Zielgenaue Pässe sind aufgrund des Wasserwiderstands nur bis zu zwei Meter möglich. Unter Wasser kann natürlich kaum kommuniziert werden, Spielerinnen und Spieler müssen daher gut eingespielt sein.
Jeder könne Unterwasser-Rugby spielen, betont Reinhard Schottmüller vom TSV Malsch im Gespräch. Das Bild vom robusten Kontaktsport schrecke zwar manche ab, Unterwasser-Rugby könne aber von 10 bis 70 Jahren weitestgehend problemlos gespielt werden. Auch Geschlechterunterschiede spielen kaum eine Rolle.
Körperlich fordert der Sport auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Ausdauer, Kraft und Apnoe-Fähigkeit sind ebenso gefragt wie Wendigkeit, Schnelligkeit und taktisches Gespür. Der Sport spricht alle möglichen Konditionsarten an: Schnelligkeit im Angriff, Kraft in der Verteidigung, aber auch mentale Aspekte wie Übersicht. Deswegen ist es auch förderlich, noch andere Sportarten nebenbei zu trainieren.
Grundsätzlich gilt der Sport als wenig verletzungsanfällig – mit Ausnahme der unstrukturierten Anspiel-Situation zu Spielbeginn und nach Toren, bei der es gelegentlich zu Kopfverletzungen kommen kann. Schottmüller setzt sich international für schärfere Regeln ein, um dies künftig zu minimieren.
Spieler sind typischerweise nur ein bis drei Minuten im Wasser, tauchen dabei aber für 15 bis 30 Sekunden ab – und müssen danach mit möglichst wenigen Atemzügen wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Ein effizienter Tauch-Atemrhythmus ist daher unerlässlich.
Der TSV Malsch bietet ein kostenloses Schnuppertraining an – und das über mehrere Wochen, ohne Vereinsmitgliedschaft. Weitere Informationen gibt es telefonisch bei Jochen Schottmüller unter 0176 20319681 oder per E-Mail an martin@uwr-malsch.de.
Jugendliche Vereinsmitglieder bis 14 Jahre sind beim TSV Malsch beitragsfrei. Trainiert wird seit dem Jahr 2000 in der Sportschule Karlsruhe-Schöneck, jeweils mittwochs von 18 bis 20 Uhr. Für Interessierte, die keine Möglichkeit haben, selbst anzureisen, ist ein Fahrdienst eingerichtet.


