Eine Residenzkünstlerin mit Herzenswärme, Klugheit, Haltung und vielfältigem Talent, denn die noch junge deutsch-italienisch geprägte Sophie Pacini zeigte sich nicht nur als erfolgreiche Pianistin, sondern auch als sozial engagierte, wortgewandte und warmherzige Frau. In mehreren Konzerten überzeugte sie von ihrem unglaublichen Talent als Pianistin und mit ihren Themen: Frauenrechte, Musikvermittlung von Klassik nicht nur für Kinder.
Doch ihr Leben ist noch vielseitiger: mit ihrem eigenen Festival „Nuancen“ in ihrer Heimatgemeinde Aying in Bayern vor Ort, und sie trägt die Musik in viele bedeutende Konzertsäle der Welt. Als „Young Artist of the Year“ und als „Nachwuchskünstlerin des Jahres 2015“ bei ECHO Klassik wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie tritt seit ihrem 9. Lebensjahr auf und bekam mit 18 Jahren den „Ritterschlag“ von der berühmten Pianistin Martha Argerich, ihrem großen Vorbild. Seitdem sind sie befreundet. Ihre extrovertierte Ausstrahlung, ihre Offenheit, ihr Engagement brachte sie bis hierher und sie präsentierte bei einem Konzert für die Zonta-Clubs der Metropolregion, zu dem die jetzige Präsidentin Martina Kühnemund begrüßte und die erste Bürgermeisterin der Stadt Lisa Schlüter die Schirmherrschaft übernahm, ihr Projekt in Frauenhäusern. Musik die etwas bewirkt, bewegt: von Moll zu Dur, vom Dunkel ins Licht. Diese Erfahrung machte sie mit ihrem Spiel vor Frauen. Musik wie eine Umarmung, Trost und Hilfe zur Aufrichtung. Reflektion des Vergangenen und Blick in die Zukunft. Dies passt genau zu dem Engagement der Zonta-Frauen und dem Benefizkonzert am Dienstagabend, es war ein grandioser Erfolg! Den Tonarten ordnet Pacini Farben zu und so zeigt Mozart's Fantasie in d-Moll KV 397 mit seiner Wendung von Moll in Dur den Weg aus der Verzagtheit in die Zuversicht. Auch Franz Schuberts Klaviermusik verleiht sie die Kraft des Schönen.
Aber auch den Kompositionen von Frauen gibt sie Raum und Glanz: Cécile Chaminade's „Souvenance“ op. 76 Nr. 1 spielt sie mit Aufbruchsstimmung. Und Fanny Hensel's Mélodie H-Dur op. 5 lässt die Begabung der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy erahnen, die sie zeitlebens ihrem Bruder z.B. in den „Liedern ohne Worte“ schenkte. Sie werden ihm zugeordnet. Beide kamen in dem Konzert am Mittwochabend zu Gehör. Der Pianistin zur Seite stand an diesem Abend Cordula Stratmann die kurzfristig mit Texten und Gedichten einsprang um den Abend zu füllen. Mit tiefsinnigen Texten von Franz Grillparzer, Rainer Maria Rilke, Luise Büchner oder Ingeborg Bachmann. Die trotz ihrer Ernsthaftigkeit durch die Vortragsweise von Cordula Stratmann Anlass zu Heiterkeit gaben, denn für die Romantik tauche sie nur wenig, wie sie kundtat.
Sophie Pacini konnte das vorgesehene Programm nicht durchziehen da ihr ein Unfall eine Verletzung einbrachte, die sie dazu zwang zu kürzen. Doch sie trat trotzdem auf, welch Haltung und Zugewandtheit an ihr Publikum das sie nicht enttäuschen wollte.
Und das sich mit stehendem Applaus bedankte. Auch für die unglaublich empathische und wunderschöne Musik die sie mitbrachte. Mit Frédéric Chopin's berühmtem und berührenden Prelude Des-Dur op. 28 Nr. 15 in verhaltener Spielweise zauberte sie eine andächtige Stimmung, Wehmut im Nocturne cis-Moll. Forciertes Herangehen, Spiel mit der Lautstärke und den Tempi beim Scherzo Nr. 2 b-Moll op. 31, es wurde im Mozartsaal zum Erlebnis. Und als Zugabe ein Stück von Claude Debussy, entgegen den unangebrachten lauten Bemerkungen eines einzelnen Herrn der mehr Musik forderte, eher zu seiner und aller Beruhigung. (aw)
