Für ihre dritte gemeinsame Spielzeit stellen die künstlerischen Köpfe des Badischen Staatstheaters ein Programm vor, das Linien und Leitgedanken fortführt und dabei auch die mittlerweile vielfältigen Erfahrungen und den regen Austausch mit dem Publikum einfließen lässt: „Wir sehen uns als eine wichtige Institution in der Stadtgesellschaft und deshalb ist es für uns essentiell, auch deren Bedürfnisse und Interessen mitzudenken,“ erläutert Intendant Christian Firmbach:
„Karlsruhe liebt Traditionen, ist aber auch besonders begeisterungsfähig für Neues und Unbekanntes. Die tiefgehende Theatralisierung aktueller Themen erfährt ebenso großen Zuspruch wie Abende mit hohem Unterhaltungswert. Diese Bandbreite des Interesses ermutigt uns – ebenso wie viele Auszeichnungen und das überregionale Presseecho – den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, und entsprechend vielseitig ist auch die kommende Spielzeit wieder ausgerichtet.“
In der Oper reicht die Spanne von der Eröffnung mit einem Musicalklassiker bis zu einem Musiktheater ohne Worte im ZKM. Das Schauspiel vereint Klassiker mit Well-Made-Plays und einer Zaubershow und philosophiert über das Prinzip Hoffnung. Das Ballett tanzt für die ganze Familie, zeigt Choreografie-Klassiker und Neukreationen. Die Staatskapelle spielt großbesetzte Sinfonien, intime Kammermusik und lädt viele Gäst:innen ein. Das Junge Staatstheater spürt in maßgeschneiderten Produktionen den wichtigen Fragen junger Menschen nach, und das Digitaltheater erkundet die dunklen Seiten der Menschheit.
„Allerdings stellt uns das reduzierte Budget vor große Herausforderungen“, erklärt Firmbach. „Es macht sich nach außen vor allem in der Fülle des Angebots bemerkbar. Aber zum Glück gehört ja Kreativität zu unserem Kerngeschäft und wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“
Mit Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ Musicalklassiker startet die Saison glamourös – und setzt gleich zu Beginn auf Starpower und große Bilder. Zu Gast in Karlsruhe sind mit Vassiliki Roussi als einstige Stummfilmdiva und Filippo Strocchi als – ihr auf fatale Weise verbundener – Drehbuchautor zwei Stars der internationalen Musicalszene.
Mit der Oper Arabella, einer feinsinnigen Wiener Gesellschaftsstudie aus der Feder des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, verabschiedet sich Georg Fritzsch als Generalmusikdirektor vom Badischen Staatstheater. Die Inszenierung liegt in prominenten Händen: Brigitte Fassbaender, die Georg Fritzsch seit langem verbunden ist, gibt damit ihr Karlsruher Regiedebüt.
Miguel de Cervantes‘ vielfach adaptierter Roman Don Quijote gilt offiziell als eines der „bedeutendsten Bücher der Welt“. 1910 machte Jules Massenet den träumenden Ritter zum Titelhelden einer „heroischen Komödie“: Mit Kammersänger Konstantin Gorny in der Titelrolle, versetzt Regisseur Matthias Piro – enger Regiemitarbeiter von Tobias Kratzer – die ebenso humorvolle wie tiefgründige Geschichte in die Karlsruher Gegenwart.
Die 49. Internationalen Händel-Festspiele bieten gleich zwei Premieren von Opern, die noch nie in Karlsruhe zu erleben waren. Die Festspiele werden eröffnet mit Faramondo, inszeniert von Keith Warners langjähriger Co-Regisseurin Katharina Kastening. Darin sind mit Valer Sabadus, Eric Jurenas und Maximiliano Danta gleich drei gefeierte Countertenöre, sowie Johanna Falkinger zu erleben.
Auch die zweite, in Koproduktion mit dem Bayreuth Baroque Opera Festival entstehende Oper Floridante, wartet mit internationalem Starcast auf, darunter Sopranist Bruno de Sá und Countertenor Max Cencic, der zudem Regie führt. Das genaue Festspielprogramm wird im Herbst 2026 vorgestellt.
Mit einer besonderen Uraufführung eröffnet das Schauspiel die neue Spielzeit. Dass die Welt eine veränderbare ist, hat wohl kein Philosoph der Moderne dringlicher formuliert als Ernst Bloch. Nicht, ob wir unsere Zukunft verloren haben, sondern wie wir sie wiedergewinnen können, müsste die Leitfrage der kommenden Jahre sein. Um sie erfahrbar zu machen, verwandeln Regisseur Stephan Kimmig und der mehrfach Grammy-nominierte Postgenre-Komponist PC Nackt Ernst Blochs Opus Magnum Das Prinzip Hoffnung in ein Stück Musiktheater.
Den dystopischen Gegenentwurf dazu, der radikaler (und heutiger) kaum sein kann, liefert Heiner Müller. Sein Macbeth (nach Shakespeare) erzählt vom unbedingten Willen zur Macht. Gewalt zieht Gewalt nach sich, Mord folgt auf Mord. Regie führt Simone Blattner.
Erstmals seit seinem Amtsantritt 2024 beim Staatsballett Karlsruhe setzt Ballettdirektor Raimondo Rebeck bei einer Neukreation und Uraufführung den Schwerpunkt auf Kinder und Familien: In ihrer ersten abendfüllenden Kreation Cinderella, der Eröffnungspremiere des Staatsballett in der Spielzeit 2026/27, erzählt die Hauschoreografin Kristina Paulin das weltberühmte Märchen von Aschenputtel als die Geschichte zweier Menschen, die nirgends zuhause sind – Cinderella im eigenen Haus, der Prinz im Palast.
Ein opulent ausgestattetes Märchen für die ganze Familie, das, live begleitet von der Badischen Staatskapelle, Alltag und Zauber verbindet und die Magie der wahren Begegnung feiert.
Der Abschied von Generalmusikdirektor Georg Fritzsch prägt die Spielzeit 2026/27 mit der Badischen Staatskapelle. Er wird das 1. Sinfoniekonzert (u. a. Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder mit der international gefeierten Solistin Golda Schultz sowie Dvořáks Sinfonie „Aus der neuen Welt“), das 3. Sonderkonzert mit einem Beethoven-Fest zum 200. Todestag des Komponisten (mit Chören aus der Stadt und circa 350-450 Sänger:innen) und schließlich das 8. Sinfoniekonzert sowie das 5. Sonderkonzert dirigieren – Letzteres mit seinem Abschiedsstück, der 8. Sinfonie von Anton Bruckner. Darüber hinaus hat Georg Fritzsch für weitere Sinfoniekonzerte einige seiner Vorgänger zur Badischen Staatskapelle eingeladen.
Außerdem kann die Badische Staatskapelle in den etablierten Reihen der Extrakonzerte, Kammerkonzerte, NachtKlänge, Kinderkonzerte und KlangÖffner eine thematische Bandbreite vom Barock bis in die Gegenwart präsentieren. Neben der Gaelic Symphony von Amy Beach werden in den Kammerkonzerten Werke von vier weiteren Komponistinnen erklingen. Mit den von Thomas Siffling erfolgreich kuratierten Jazz Nights wird die programmatische Vielfalt der Konzertsparte schließlich abgerundet.
Gemeinsamkeit zu schaffen und dabei Mut zur Individualität zu stärken prägt die Perspektive im Jungen Staatstheater – und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen: So erzählt die Uraufführung familienalbum.karlsruhe (12+) von Lisa Sommerfeldt vom jüdischen Karlsruher Komponisten und Architekten Richard Fuchs, und verbindet Familien- mit Stadtgeschichte zu einem recherchebasierten Schauspiel mit Musik von Paul Brody. Ein Stück gegen das Vergessen für Schüler und Familien, das in Kooperation mit dem Digitaltheater entsteht.
Das Digitaltheater begibt sich in seiner Uraufführung Karneval der Tiere - Eine XR-Experience über das Verschwinden in Kooperation mit dem Naturkundemuseum exklusiv vor Ort in eine geheime Ausstellung – nach Museumsschluss, und geführt von Schauspieler Gunnar Schmidt als einem besonderen Nachtwächter. Für einen Abend werden mithilfe einer Extended-Reality-Brille durch den Menschen ausgerottete Arten wieder lebendig, begleitet von der berühmten, hierfür neu bearbeiteten Musik von Camille Saint-Saëns.
Die Vielfalt des Programms beweist: Das Staatstheater bleibt in der Spielzeit 2026/27 künstlerisch in Bewegung – aber auch strukturell bleiben Veränderungen an der Tagesordnung: Mit Blick auf die Anforderungen der kommenden Jahre und die sichtbaren Fortschritte auf dem Weg zum Neuen Staatstheater wird die Zukunft des Hauses bereits heute konkret erfahrbar.
„Unser Blick auf die Zukunft ist mit Vorfreude auf die Möglichkeiten verbunden, die perspektivisch das Neue Staatstheater eröffnen wird. Darauf arbeiten wir hin. Zugleich ist diese Motivation deutlich getrübt durch den Fakt, dass das gesamte Haus mit immensen Herausforderungen im Umgang mit reduzierten Zuschüssen konfrontiert ist“, konstatiert der Kaufmännische Intendant Johannes Graf-Hauber.
„Die Finanzierung der neuen Spielzeit ist jedoch gesichert.“ Die turnusgemäß anstehenden Preiserhöhungen werden in der kommenden Spielzeit etwas stärker ausfallen, und auch mithilfe von Dynamic Pricing werden weitere Möglichkeiten ausgeschöpft. „Dennoch können wir weiterhin auch günstige Tickets anbieten“, versichert Graf-Hauber.
Eine klare Verbesserung im Service für das Publikum bringt die Einführung einer weiteren Zahlungsmöglichkeit im Webshop: Dort ist nun PayPal als schnelle und sichere Zahlungsmöglichkeit verfügbar. Und mithilfe der auf der Webseite integrierten Smart Mobility Map (smap) des Durlacher Partner-Unternehmens raumobil lässt sich bereits jetzt die Anreise zu den einzelnen Spielorten einfach und nachhaltig planen, denn das Theaterticket ist auch weiterhin gleichzeitig KVV-Ticket.
„An unserem Service wird grundsätzlich nicht gespart, im Gegenteil: Wir bieten weiterhin das volle Abonnementprogramm an, und schöpfen zudem mit der spartenübergreifenden Zusammenarbeit die besonderen Möglichkeiten unseres Mehrspartenhauses aus“, betont die Künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann.
„Dennoch werden wir mit Blick auf die Spielzeit 2027/28 und die anstehende Interimsphase in Zukunft mit Einschränkungen leben müssen, und weniger Neuproduktionen anbieten können. Umso erfreulicher ist es, dass die Fortführung der Kooperationen mit anderen großen Kulturinstitutionen wie dem Zentrum für Kultur und Medien (ZKM) oder dem Naturkundemuseum unsere Vernetzung innerhalb der Stadt weiter stärkt.“
Der offizielle Startschuss für die neue Spielzeit fällt wie gewohnt mit dem großen Theaterfest am 19. September auf dem Hermann-Levi-Platz und im Haupthaus. Der Vorverkauf für ausgewählte Vorstellungen der 49. Internationalen Händel-Festspiele 2027 ist bereits gestartet. Die gesamte neue Spielzeit geht ab dem 1. Juli in den Verkauf.


