
Wer wäre wohl besser geeignet, die Spielplätze im Stadtgebiet zu prüfen, als jemand mit seiner großen Erfahrung und Begeisterung? In der Personalabteilung der Stadtverwaltung Sinsheim staunte man nicht schlecht, als Michas Bewerbung einging – formvollendet mit Anschreiben und Lebenslauf.
Schnell stand fest: Den jungen Mann möchte man im Rathaus kennenlernen. Micha wurde in Begleitung seiner Eltern und Schwester Mara zum Vorstellungsgespräch eingeladen und durfte im Anschluss auf der alla hopp!-Anlage gleich selbst seine Expertise unter Beweis stellen, während er von zwei Kollegen aus dem Team der städtischen Spielplatzprüfern in die Handhabung der Prüfgeräte eingewiesen wurde.
„Wir haben immer wieder gute Bewerbungen“, betonte Personalabteilungsleiter Ronald Lips im Vorstellungsgespräch. „Eine so tolle und ungewöhnliche gibt es aber selten“, wandte er sich an Micha.
Erstaunlich souverän und ganz ohne Nervenflattern stellte sich der Zweitklässler den Fragen im Vorstellungsgespräch. Und obwohl die Fragen natürlich eigens auf ihn zugeschnitten waren, ging formal alles ganz so zu, wie in jedem der knapp 100 Bewerberverfahren, die jedes Jahr bei der Stadtverwaltung Sinsheim geführt werden. Empfangen wurde Micha von Bürgermeister Bernd Kippenhan, Personalabteilungsleiter Ronald Lips, Abteilungsleiter Marcel Arndt, dem die Spielplatzprüfer unterstellt sind, Sandra Albert als Vertreterin des Personalrats und Melanie Wricke, Assistentin des Oberbürgermeisters.
Eine genaue Vorstellung davon, was ein Spielplatzprüfer so macht, hatte Micha auf jeden Fall: „Ich kriege gesagt, welchen Spielplatz ich prüfen muss. Und dann gehe ich da hin und teste alles, fotografiere davor und danach und schreibe alles auf.“
Dass diese Vorstellung der Realität sehr nahe kommt, bestätigte Arndt: „Arbeitsbeginn ist immer um 7 Uhr. Dann machen wir die Arbeitseinsatzplanung und anschließend gehen die Spielplatzprüfer mit Tablet, Prüfgerät und Protokoll auf die Spielplätze, die an diesem Tag anstehen.“
Alle Spielplätze im Stadtgebiet werden alle zwei Wochen kontrolliert. „Einer alleine braucht dafür gut eine Woche, zu zweit schafft man das in drei Tagen“, erklärte Kippenhan dem aufmerksamen Micha. Für den steht übrigens fest: Das Wichtigste auf einem Spielplatz sind Klettergerüste. Große Augen machte er dann, als Arndt ihm einen Katalog mit Spielplatzgeräten zeigte und den Nachwuchsfachmann schätzen ließ, was beispielsweise ein Kletterturm kostet. Dabei schätzte Micha insgesamt sehr gut; beim Kletterturm lag er mit 10.000 Euro dann aber nur bei knapp der Hälfte des tatsächlichen Preises.
Dass Spielplatzprüfer mehr tun als Probeklettern durfte Micha dann gleich selbst erfahren: Gemeinsam mit den städtischen Spielplatzprüfern Tim Schuchmann und Jochen Kaiser durfte er sich im städtischen Auto mit auf den Weg in die alla hopp!-Anlage machen – sicher transportiert mit Sitzerhöhung. Auf dem Spielplatz wurde geprüft, ob Schrauben fest genug sitzen oder ob Holzbalken Beschädigungen aufweisen, an denen sich Kinder verletzen könnten. Selbstverständlich war er dabei bestens gerüstet: In eigens mitgebrachter leuchtgelber Matschhose, mit festem Schuhwerk und einer Warnweste, die ihm Arndt überreichte, machte sich der Siebenjährige ans Werk. Das erfreuliche Fazit lautete nach eingehender Prüfung: Alles in bester Ordnung.
Die Spielplatzprüfer haben dabei mehr Werkzeug zur Verfügung als allein die eigenen Hände: Mittels eines kleinen Metallstabs wird beispielsweise geprüft, ob Ösen an Ketten eng genug sind, damit keine Finger eingeklemmt werden können. Für Rutschen gibt es spezielles Prüfgerät, mit dem getestet wird, ob es sogenannte Fangstellen gibt, in denen sich beispielsweise Schals verfangen könnten.
Und nicht nur das Prüfen an sich ist Aufgabe des „Spielplatztrupps“. Kleinere Reparaturarbeiten werden selbst vor Ort vorgenommen, größere Arbeiten werden in der Bauhofwerkstatt erledigt. Die Mitarbeiter bereiten Spielplätze auch auf die Anlieferung neuer Geräte vor.
Der Spaß an der Arbeit war Micha sichtlich anzumerken. Genauso groß war dann aber auch seine Freude, als er mit großer Geste seinen Eltern die Warnweste aushändigte, den Feierabend einläutete und mit seiner Schwester einfach nur zum Vergnügen auf die Geräte stürmte – ganz so, wie es einem Jungen in seinem Alter ja auch zusteht.
„Micha heute hier zu haben, ist schon etwas Besonderes“, betonte auch Oberbürgermeister Marco Siesing, der Micha bei seiner Arbeit in der alla hopp!-Anlage begleitete. „Wenn jemand in diesem Alter Interesse an der Arbeit bei der Stadt zeigt, dann unterstützen wir das natürlich sehr gerne.“ Erstmal aber genießt Micha noch den Rest der Ferien, bevor es am Montag zurück in die Schule geht. „Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihn sein Weg nach der Schulzeit zur Stadt führt“, schloss sich Lips an. „So souverän, wie er sich heute präsentiert hat, hat er auf jeden Fall den perfekten Grundstein gelegt, wenn er später mal ein Praktikum bei uns machen möchte. Und natürlich haben wir in ein paar Jahren sicher auch den passenden Ausbildungsplatz für ihn.“