Denkwürdiger Tischtennisabend in Eislingen: ein Spiel, das keinen Verlierer verdient hat, endet mit einer unglücklichen Niederlage der Naberner. Der 5-Stunden-Krimi hatte alles zu bieten, was von einem Landesliga-Spitzenspiel zu erwarten war: Spannung, Emotionen, hochklassige Ballwechsel – und tischtennisübliche Psychspielchen. Aber der Reihe nach.
Die Ausgangslage war klar. Durch die überraschende Niederlage der Eislinger zum Rückrundenauftakt in Murrhardt lag der Druck eher bei den Gastgebern, um den Meisterschaftskampf noch offen zu gestalten. Auf Naberner Seite hingegen setzte man darauf, bei einem Sieg entspannter in die kommenden, schweren Spiele gegen Oeffingen, Kirchheim, Birkmannsweiler und eben Murrhardt gehen zu können. Logischerweise schlugen wir Naberner und auch die Gastgeber in Bestbesetzung auf.
Schon bei den Eingangsdoppeln wurde klar, dass man sich am Sonntagabend besser nichts mehr vornehmen sollte. Die Eislinger hatten ihre Doppel nach der Niederlage in Murrhardt umgestellt. So mussten Jakob und Andrej gegen das bisherige Einserdoppel der Gastgeber ran. Das Naberner Doppel Eins kam schwer in die Partie und musste nach 2:0-Satzrückstand schon kämpfen, um nicht gleich ins Hintertreffen zu geraten. Letztlich fanden die beiden zu ihrem Spiel und gewannen in fünf Sätzen. Auch die anderen beiden Doppel gingen über die volle Distanz. Luca und Mike verloren unglücklich zu 9 im fünften Satz, Tim und Manne gewannen dagegen mit gleichem Ergebnis.
Am vorderen Paarkreuz teilte man sich die Punkte. Luca gewann souverän in drei Sätzen gegen Binder. Tim zeigte wieder eine starke Leistung gegen den im Bezirk bekannten Prce, der in den Wendlinger Hochzeiten Teil der Regionalligamannschaft war, unterlag jedoch im fünften Satz wieder zu 9.
In der Mitte brachte Andrej mit seinen Aufschlägen Fauser komplett aus dem Konzept und siegte 3:1. Am Nebentisch brachte dagegen Jakob eine 2:1-Satzführung gegen Ehni nicht ins Ziel.
Mike spielte gegen Bachhofer den 6. fünften Satz des Abends, verlor diesen aber wieder mit 9:11.
Dann wurde es hitzig. Mannes Gegner Bihler, der schon mehrmals damit aufgefallen war, seinen Emotionen über verbale Entgleisungen und arrogant anmutendem Spielstil Luft zu machen, führte schnell 2:0, ehe Manne immer besser in sein Angriffspiel fand und sich in den Entscheidungssatz kämpfte. Dort behielt der Naberner trotz kritischer Gesamtstimmung die Nerven, sodass dank Mannes Sieg die Greens nach der ersten Einzelrunde mit 5:4 in Führung lagen.
Auch im Duell der beiden Einser zwischen Luca und Prce blieb es hitzig. Prce beschwerte sich schon in der Vorrunde über Lucas vermeintlichen verdeckten Aufschlägen (eine Slow-Mo-Analyse nach dem 9:2-Vorrundensieg der Naberner hatte dies nicht beweisen können), und startete wohl deshalb selbst im Entscheidungssatz bei Lucas 9:7-Führung die regelwidrigsten Aufschläge zu machen, die die Landesliga wohl je gesehen haben.
Kurzer Exkurs: Die Aufschlagregeln führen auch im internationalen Tischtennis immer wieder zu Diskussionen. Kaum ein Spieler macht 100 % korrekte Aufschläge, es werden zwangsweise also kleinere „Fehler“ akzeptiert.
Das Besondere in Lucas Fall war nun also, dass sich Prce zwar über Lucas Aufschläge beschwerte, der (Eislinger!) Schiedsrichter jedoch keine Anstalten machte, diese zu sanktionieren. Perfide und unsportlich ist es dann, mit dem Rücken zur Wand aus (fragwürdigem) Gerechtigkeitssinn selbst mit maßlos überzogenen, falschen Aufschlägen zu beginnen, auf welche sich Luca – im Gegensatz zu Prce im umgekehrten Fall – nicht vier Sätze lang einstellen konnte. So kam es, wie es kommen musste. Luca erspielte sich zwar noch einen Matchball, verlor dann aber in der Verlängerung. Luca gratulierte fair und ihm schien die ganze Geschichte um die Aufschläge deutlich weniger nahezugehen, als den restlichen Nabernern. Schade nur, dass dieses überragende Tischtennisspiel, bei dem Prce über fast die gesamte Dauer ausschließlich mit seinem sehenswerten, starken Spielstil auffiel, eher wegen der Geschehnisse in der Schlussphase des fünften Satzes in Erinnerung bleiben wird.
Die Emotionen bis hier hin reichen normalerweise schon für mindestens eine Halbserie. Es ging jedoch weiter.
Pechvogel Tim verlor auch das dritte Spiel des Nachmittags mit seiner Beteiligung mit zwei Punkten Unterschied im fünften Satz.
Andrej war gegen Ehni in drei Sätzen nahezu chancenlos, Jakob zeigte parallel seine beste Saisonleistung und rang Fauser in fünf Sätzen nieder – Zwischenstand 6:7 aus Naberner Sicht.
Als dann am hinteren Paarkreuz Manne und Mike jeweils mit 2:0 in Führung lagen, sah alles schon nach (mindestens) einem Punktgewinn für die Greens aus, doch leider brachte nur Manne diese ins Ziel. Mike dagegen sorgte für die nächste 9:11-im fünften Satz-Niederlage an diesem Sonntag.
Das Schlussdoppel von Jakob und Andrej lief dann leider schnell in die Richtung von Prce/Binder. Trotz starker Ballwechsel und großem Kampf war das Eislinger Spitzenduo zu sicher und hatte immer die passende Antwort. Nach fünf Stunden verwandelten die Gastgeber ihren ersten Matchball zum 9:7, was Begeisterung unter den zahlreichen Zuschauern in der Halle auslöste. Ein Eislinger Fan bedankte sich per Handschlag bei allen Naberner Spielern für dieses hochklassige und spannende Spiel – stark!
Wer selbst nicht mitzählen wollte oder verständlicherweise dabei rauskam, hier die Partie in Zahlen:
11 x fünfter Satz, dabei 7 x pro Eislingen
37:36 Sätze pro Eislingen
674:692 Bälle pro Nabern
Damit rücken die Eislinger auf einen Punkt an uns Naberner heran. Trotz der Niederlage bleiben wir Tabellenführer und können auch positive Dinge rausziehen. Mit dieser Einstellung und Kampfbereitschaft sind wir in allen kommenden Partien nur mit außergewöhnlichen Leistungen zu schlagen.
Die nun kommende einwöchige Spielpause kommt gelegen. Alles, was wir hatten, haben wir an den Eislinger Tischen gelassen.

