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Wahrzeichen vor neuer Zukunft

Stadt kauft Adler

Eines der historisch bedeutendsten und stadtbildprägendsten Gebäude Eislingens wurde von der Stadt gekauft.
Die Backsteinfassade ist ortsbildprägend.Foto: bra

Der ehrenamtliche Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Hans Jörg Autenrieth, gab am Beginn der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montagabend bekannt, dass der Kaufvertrag am 29. April 2026 notariell beurkundet worden sei.
Mit dem Kauf des Hauses mit seiner roten Backsteinfassade sowie einem dazugehörigen Grundstück am Platz d´Oyonnax verfolgt die Stadt mehrere Ziele. Zum einen soll der Adler dauerhaft erhalten und saniert werden. Die beliebte Gastronomie soll fortgesetzt werden. Der Festsaal im Obergeschoss soll ferner wieder nutzbar gemacht werden, so Autenrieth. Mit dem Kauf und dem Erhalt folgt die Stadt auch einem Wunsch aus dem Forum Stadtentwicklung. Viele Eislinger finden, dass der Adler erhalten und saniert werden soll.
Dass es nun zu dem Kauf gekommen ist, ist insbesondere deswegen bemerkenswert, weil die Stadt mit dem bisherigen Besitzer Adolf Holzherr bereits seit vielen Jahre verhandelt. Mitunter schienen die Fronten verhörtet. Der Zwist gipfelte darin, dass Holzherr im Jahr 2011 einen baufälligen Balkon am Adler kurzerhand abreißen ließ. Das hatte über Eislingen hinaus für Aufsehen gesorgt. Später hat die Stadt eine sogenannte Erhaltungssatzung für das Gebäude erlassen, die es dem Eigentümer untersagt hatte, Veränderungen an dem Backsteingebäude zu vorzunehmen. Dass es trotz der mitunter schwierigen Vergangenheit nun mit dem Kauf geklappt hat, sei einem über Jahre gewachsenen Vertrauensverhältnis zwischen der Stadt und dem Besitzer zu verdanken, erklärt der Oberbürgermeister Klaus Heininger auf Nachfrage.
Jahrhunderte alte Geschichte
Die Geschichte einer Tavernen- und Schildwirtschaft zum Adler reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Über viele Jahrhunderte war der Adler in Familienbesitz. Im Jahr 1880 heiratete Karl Oskar Holzherr in die Besitzerfamilie ein. Er war der Urgroßvater des bereits erwähnten Adolf Holzherr. So steht es im Buch „Eislingen. Stadt der Vielfalt“ von 2011. Das heutige Gebäude ist freilich wesentlich jünger als die erste schriftliche Erwähnung der Gaststätte. Das Backsteingebäude wurde 1899 gebaut. 1971 stellte die Brauerei ihre Produktion ein. Zuvor hatte das Bierbrauen in der einstigen Brauereigaststätte eine langjährige Tradition. Für die Kühlung wurde Eis aus der Krumm oder dem Mühlkanal verwendet. Die Lagerung fand im Adlerkeller am Ortsausgang Richtung Krummwälden statt.
Der große Saal im Obergeschoss des Hauses spielte einst eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Von Hochzeiten über Taufen, Theatervorstellungen oder Konzerte fanden dort statt. Der Großeislinger Arbeiter- und Bauernrat sei dort im Jahr 1919 gegründet worden, sowie die NSDAP-Ortsgruppe im Jahr 1931, heißt es in dem Buch „Eislingen. Stadt der Vielfalt“. Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich US-amerikanische Soldaten im Adler einquartiert und viele Einrichtungsgegenstände zum Heizen verbrannt. Zuletzt diente der große Saal nur noch als Möbellager. Geht es nach den Plänen der Stadt, könnte sich das aber in der Zukunft ändern.
Gebäude soll umfassend saniert werden
Zunächst soll das Dach saniert werden, das bereits undicht geworden ist. Die umfassenden Sanierungsmaßnahmen sollen erst in einigen Jahren, Anfang der 2030er-Jahre, folgen. Ein Kernziel dabei ist die Wiederbelebung des Saals im ersten Stock. „Es ist ein ganz wunderbarer Saal“, schwärmt der Oberbürgermeister Heininger. Nach einer Sanierung könnte der Saal wieder für private Feiern wie Hochzeiten, Jubiläen oder Geburtstage genutzt werden. Auch für Veranstaltungen wie Konzerte oder Kinoabende könnte der Adlersaal in Zukunft wieder genutzt werden.
Wichtig ist laut Heininger der Kauf des Adlers auch für die zukünftige Gestaltung der Stadtmitte. „Der Adler wird zum Ensemble der Stadtmitte gehören“, verdeutlicht er. Die Backsteinfassade ist ähnlich wie bei der Schlossapotheke ein prägender Anblick, dem auch die Klinkerfassade des Rathauses sein Aussehen zu verdanken hat.
Wichtiger Teil der neuen Stadtmitte
Geklärt werden muss noch, wie die Sanierung der Gastronomie erfolgen soll. Derzeit scheint es kaum möglich, das Restaurant samt Küche im laufenden Betrieb zu erneuern.
Die Adlersanierung könnte die Stadt unterm Strich mehrere Millionen Euro kosten. Das Gebäude ist allgemein in keinem guten Zustand. Über den genauen Kaufpreis schweigt die Stadt. Dem Vernehmen nach soll aber ein sechsstelliger Betrag vereinbart worden sein. bra

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
20.05.2026
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