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Ehrenamtsinitiative im Porträt

Stadtgestalterei: Bürger machen Hemsbach lebendig

In der „Stadtgestalterei“ bringen Hemsbacher Bürger ihre Ideen ein, um Stadt, Natur und Freizeitbereiche gemeinsam zu gestalten und zu beleben.
Einen Barfußweg anzulegen, war ein Projekt der ISEK-Gruppe „Wiesensee“ in Hemsbach.Foto: bn

Was im Jahre 2012 von Stadtverwaltung und Gemeinderat ins Leben gerufen wurde, lebt heute wie damals mit ehrenamtlichem Engagement Hemsbacher Bürgerinnen und Bürger, also eine wirkliche Bürgerbeteiligung.

Unter der Projektbezeichnung ISEK, das steht für Integriertes Stadtentwicklungs-Konzept, wurde in Bürgerwerkstätten die Kernfrage diskutiert: Wie kann Hemsbach auch in Zukunft ein attraktiver, lebendiger und liebenswerter Lebens-, Wohn- und Arbeitsort sein?

Direkte Bürgerbeteiligung

Um die Akzeptanz der zukünftigen Aktivitäten bei der Bevölkerung zu erreichen, war eine direkte Bürgerbeteiligung vorgesehen. Das begann dann bereits im Juni 2013, als sich die erste Projektgruppe Landschaft und Vorgebirge mit ehrenamtlichen Mitstreitern bildete. Diese Frauen und Männer hatten sich das Ziel gesetzt, die Offenhaltung des Vorgebirges zu erreichen.

Beweidungskonzepte, Sicherung von Weideflächen und die Freilegung von Streuobstwiesen waren die ersten Maßnahmen. Später folgten die Pflege des Blütenweges, Sicherungsvorkehrungen für die Krötenwanderung an der B3 und für Amphibien wurden im Wald Wildwasserbiotope eingerichtet, mit dem Ziel, die Pflanzenvielfalt zu erhalten und den Amphibien „eine Heimat zu geben“.

Dieser ersten Gruppe folgten die ISEK-Projektgruppen „Kulturlandschaft und Wiesensee“ und „Innerstädtisches Grün“. Koordiniert wurden ab 2014 die Aktivitäten durch Julianne Rößler, der vier Jahre später Julia Rehl folgte.

Neugestaltungen am Wiesensee

Das Freibad und das Gelände um den Wiesensee standen im Fokus der „Wiesensee-Gruppe“, die den Rundweg um den See neugestaltete, einen Barfußweg und einen Sinnesgarten erstellten und beim Beleuchtungskonzept „Wiesensee-Rundweg“ mitgearbeitet hat.

Auch die Ufersicherung und ein Mähkonzept wurden angeregt und umgesetzt. In Zusammenarbeit mit der Schillerschule wurden Nistkästen angebracht. „Innerstädtisch“ wurde die „Blühende Altstadt“ entwickelt, viele Grünflächen im Stadtgebiet wurden angelegt und am Kleinen Waidsee wurde in Kooperation mit dem Pflegeverein die erste Aussichtsplattform montiert.

Die Neugestaltung des Durchgangs von der Bachgasse zur Schlossgasse gehört ebenso dazu wie die Veränderung des Ritterplatzes.

Weitere Gruppen

Zwischenzeitlich hatten sich weitere Gruppen etabliert. Da waren die Erstellung eines Parkraumkonzeptes für die Untere Bachgasse und die Schaffung von barrierefreien Bushaltepunkten zwei Beispiele für das Handlungsfeld „Mobilität und Verkehr“.

Die installierte Photovoltaikanlage auf dem Rathausnebengebäude gehörte zum Bereich „Umwelt und Energie“. Im Bereich „Bildung und Freizeit“ wurden die Umgestaltung des Sportgeländes mit Kunstrasenplätzen, die Eröffnung der „alla hopp-Anlage“ realisiert, und die Betreuungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen während der gesamten Ferienzeit eingeführt.

Umbenennung

Was bis 2021 Integriertes Stadtentwicklungs-Konzept ISEK hieß, eine Idee, die vor mehr als neun Jahren mit der ersten städtischen Koordinatorin Juliane Rösler und vielen ehrenamtlich tätigen Hemsbachern ihren Anfang nahm, fand eine Fortsetzung – nur mit neuem Namen und einer veränderten Organisationsstruktur:

Stadtgestalterei lautet die Überschrift und sollte mit ausgewählten Projekten und deren Initiatoren die Arbeit dieser Gruppen auf eine breite Basis stellen. „Zukunft zum Mitmachen“ hieß die Aufforderung der neuen städtischen Koordinatorin Lara Scharei.

Aufgaben zur Verschönerung der Stadt, des Wiesenseebereiches und des Vorgebirges waren bereits die Ziele von drei ISEK-Arbeitsgruppen. Für Scharei war die ISEK-Idee „sehr erfolgreich“, durch diesen „Relaunch“ soll die Bürgerbeteiligung noch verstärkt werden.

Ein weiteres Ziel ist, so Bürgermeister Jürgen Kirchner, Hemsbach noch attraktiver zu gestalten, die vielen Ideen, die Kreativität und das Fachwissen der Bürgerinnen und Bürger zu nutzen.

Insgesamt sieben Gruppen

Ideen für zwölf Themen waren schnell gefunden. Daraus entwickelten sich später sieben Gruppen, die teilweise bereits beim ISEK-Konzept existierten. So wurden der Außenbereich Wiesensee, das Vorgebirge und der Wald wie bisher betreut.

Neu hinzu kamen das Freibad Wiesensee, bei dem eine Baumspenderaktion initiiert wurde und eine Spendertafel angebracht wurde. Der Bereich Rohrwiesen erfuhr eine Attraktivitätssteigerung, umweltfreundliche Hundekotbeutel wurden angebracht und eine Hundespielwiese eingerichtet.

Ein weiteres Projekt gründete für ein Klimaschutzkonzept eine Klimaschutz-AG, und den „Schottergärten“ wurde mit einer Aktion „Insekten- und umweltfreundliche Gärten“ begegnet. Dazu gehörten Blüten- und Bienengärten.

Das Netzwerk „Müllvermeidung“ hat einen Hof- und Garagenflohmarkt im gesamten Stadtgebiet ins Leben gerufen, der bisher sechsmal stattfand. Müllsammlungen im Rahmen der World Cleanup-Day-Aktion waren ebenso erfolgreich wie die Gelbe Band Aktion, bei der jeder an diesen so gekennzeichneten Bäumen ernten darf.

Bürgermeister Jürgen Kirchner machte bereits 2015 in einer Bürgerkonferenz unmissverständlich klar, dass ein solches Projekt nicht allein durch die Verwaltung zu schaffen sei: „Hier ist die Bürgerbeteiligung dringend erforderlich.“ Nach heutigem Stand ist festzuhalten, dass mit großem Engagement viele Hemsbacher daran arbeiten, „ihre Stadt zu verschönern und damit die Lebensqualität zu steigern“. (bn)

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMBodo Nakoinz
30.09.2025
Orte
Hemsbach
Kategorien
Bürgerinitiativen
Kommunalpolitik
Politik