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Was die Weingartener bewegt

Staubwolken auf der Deponie? - Zu Besuch bei MinERALiX

Staub- und Sandwolken auf der Deponie? Das meint eine Leserin gesehen zu haben. Die Redaktion war vor Ort bei MinERALiX in Weingarten.
zwei Hände, die etwas Erde halten
Ganz verschiedene Arten von Bauschutt und Böden werden hier gelagert.Foto: haf

Ein Gewitter bahnt sich an, der Wind frischt auf und zieht von Südwesten kommend in Richtung Weingarten. Es bilden sich einige Windhosen mit Sand, die in kurzer Zeit zu einer übergroßen Sandwolke anquellen und in Richtung Innerorts ziehen. Innerhalb weniger Minuten war von Weingarten – vom Kirchberg aus betrachtet – nicht mehr viel zu sehen. Dieses Szenario beschreibt eine Leserin, die sich an die Redaktion wandte. Doch worum geht es hier konkret?

Die Leserin zeigt sich über die Staubentwicklung besorgt und bringt diese mit der Deponie von MinERALiX am Ortsrand in Verbindung. „Seit Monaten bin ich irritiert, dass sich immer so viel Staub in meiner Wohnung absetzt – obgleich ich regelmäßig und häufig Staub wische – meine Fenster ständig eine Staubschicht nach Regen aufweisen und meine Reizungen der Augen und Nasenschleimhäute seit Monaten nicht aufhört.“ Sie vermutet, dass ihre permanente Schleimhautreizung der Augen und Nase nicht mit ihrer Heuschnupfenallergie zusammenhängt, sondern mit dem Staub der auf dem Deponiegelände entsteht.

Eine Staubwolke aus Richtung Deponie?

Einige Tage nach dem eingangs beschriebenen Szenario beobachtete die Leserin laut eigener Aussage ein weiteres mal dieses Phänomen. An einem eigentlich sonnigen Tag bildete sich eine große Nebelschwade. Ihre Vermutung: es handelte sich um eine Staubwolke aus Richtung Deponie kommend. Ihre Eindrücke belegt sie auch mit einigen Fotos. Das Ganze ereignete sich im Spätsommer/Herbst des letzten Jahres.

Mit ihren Bedenken wandte sich die Leserin sowohl an die Gemeinde als auch an MinERALiX. Neben einem Gespräch mit dem Bürgermeister kam es im November vergangenen Jahres zu einem Vor-Ort Termin auf der Anlage. Der dortige Betriebsleiter Thorsten Fredrich nahm sich die Zeit, ihr die Anlage zu zeigen und alles zu erklären. Ihre Bedenken blieben jedoch, auch weil die Bewässerungsanlage noch nicht in vollem Ausmaße funktionsfähig sei.

Zu Besuch bei MinERALiX

Auch die Redaktion bekam die Gelegenheit, sich kürzlich auf der Anlage von MinERALiX umzusehen. Vorweggenommen sei jedoch, dass dieser Besuch im Januar stattfand. Die Leserin machte ihre Erfahrungen mit den Staubwolken aber bereits im Sommer/Herbst letzten Jahres. In den Wintermonaten entsteht bekanntermaßen grundsätzlich weniger Staub als in den trockeneren Sommermonaten.

Betriebsleiter Thorsten Fredrich und Achim Stadtherr, Büroleiter von MinERALiX in Gaggenau, sehen keinen Zusammenhang zwischen den beschriebenen Staubphänomenen und der Recyclinganlage. Mit der Kritik der Leserin konfrontiert, hieß es: „Das kann nicht von uns sein“, ist sich Stadtherr sicher.

Als eine mögliche Erklärung führt er die Wetterlage an: „Heute Morgen war bspw. auch ein leichter Nebeldunst über den Feldern zu sehen, der in der Sonne besonders auffällt.“ Fredrich ergänzt, dass ähnliche Szenarien auch durch landwirtschaftliche Aktivitäten wie die Getreideernte entstehen könnten, was auch zum Zeitpunkt, zu welchem die Fotos der Leserin entstanden sind, passe. Denn diese sind im letzten Sommer entstanden.

Mit Blick auf die Fotos der Leserin, die die angeblichen großen Staubwolken zeigen, erklärt Betriebsleiter Fredrich, dass diese nach Feierabend entstanden seien. „Nach Feierabend passiert hier auf der Anlage nichts mehr. Insofern sind wir überzeugt davon, dass das nicht von uns kommt“, so Fredrich.

Strenge Vorgaben

Er räumt zwar ein, dass es gelegentlich kleinere Staubaufwirbelungen geben könne. Schließlich werden hier tagtäglich große Mengen an Bauschutt angeliefert und gelagert. Außerdem sind bestimmte Böden auf dem Gelände jahreszeitabhängig zu durchfeuchtet und müssen mittels Kalk verfestigt werden, was Staub verursachen kann. Doch die von der Leserin beschriebenen Staubwolken, die sich über die Innenstadt legen, hält er für unwahrscheinlich. „Staubwolken können sich nur auf das Betriebsgelände beziehen. Diese ziehen aber nicht so weit bis in den Ort“, ist sich Stadtherr sicher.

Er verweist zudem auf die strengen Vorgaben von Behörden und der Gemeinde. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zum Bau der Anlage ist ein Staubgutachten erstellt worden, das die Einhaltung der im Bundesimmisionsschutzgesetz geforderten Grenzwerte beim derzeitigen Betrieb belegt. „Wir sind dazu verpflichtet, diese einzuhalten“, betont Stadtherr.

Ausbau & Maßnahmen zur Staubminimierung

Die Anlage befindet sich derzeit noch im Ausbau. Nach gut drei Jahren Bauzeit sollen die letzten Arbeiten in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Dadurch kann es noch vereinzelt zu kleineren Staubaufwirbelungen kommen“, erklärt Fredrich. Mit der Fertigstellung, insbesondere der Beregnungsanlagen, werde jedoch selbst dies weiter eingedämmt.

Die Beregnungsanlagen zählen zu den Schlüsselmaßnahmen zur Reduzierung von Staub. Rund 20 solcher Regner sind über das Gelände verteilt und sorgen für kontinuierliche Feuchtigkeit. Auch bei der Begehung der Anlage ist der feuchte und teils schlammige Boden festzustellen, auch wenn die Beregner zum Zeitpunkt der Begehung der Anlage gerade nicht liefen, da diese im Winter durch die frostigen Nachttemperaturen am nächsten Morgen immer erst neu gestartet werden müssen. Bewusst lässt man das Wasser hier auch stehen. „Es kann ruhig länger stehen bleiben, es muss nicht sofort abfließen“, erklärt Stadtherr bei der Besichtigung. Der feuchte Asphalt mit seinen schlammigen Pfützen bindet Staub effektiv: „Wo Wasser ist, staubt es nicht“, ergänzt Fredrich.

Durchfahrbecken für Lkws

Die Beregnungsanlagen haben mehrere Einsatzgebiete: Neben der Befeuchtung von Bauschuttbergen werden auch Maschinen, Fahrzeuge und insbesondere die Lkws, die die Anlage passieren, beregnet. „Es gibt ein Durchfahrbecken. Da fährt jeder Lkw unmittelbar vor Verlassen des Geländes hindurch, damit der Staub sich möglichst auf der Anlage abrollt und nicht nach außen getragen wird“, erklärt Stadtherr. Zusätzlich werden die Fahrzeuge vor Verlassen des Geländes nochmals beregnet. „Der Recyclingbaustoff ist besser verarbeitbar, wenn es feucht ist, vor allem im Sommer ist das wichtig. Außerdem staubt es dann weniger, wenn der Lkw fährt“, ergänzt Fredrich.

Da die Beregnungsanlage, genauer gesagt die Ringleitung rund um die Deponie, noch nicht ganz fertig gebaut ist, kann sie momentan nur während der Arbeitszeit genutzt werden. Nach Beendigung der Baumaßnahmen ändert sich dies: „Da kann man die Regner auch um 18 Uhr und um 20 Uhr jeweils mal für ein paar Minuten laufen lassen“, erklärt Fredrich. Gesteuert wird das alles per App. Allgemein sei viel investiert worden, um Staub und Schmutz von der Gemeinde fernzuhalten.

Verschiedene Wasserkreisläufe

Hinzukommen nicht nur behördliche Vorgaben, sondern auch Auflagen seitens der Gemeinde. Man habe hier eng und „im Einvernehmen“ mit der Gemeinde zusammengearbeitet. 10 Millionen Euro hat die Anlage von MinERALiX gekostet. „Den Großteil davon sieht man nicht. Der liegt unter dem Asphalt. Das sind die Wasserleitungen, das sind die Wassersammelleitungen, das sind die Pumpen, das sind die Enteisenungsanlagen, um das Grundwasser in einen wirklich nutzbaren Zustand zu bringen. Es handelt sich hier um Abstrom vom Moor. Der ist unheimlich eisenhaltig und kann so nicht direkt genutzt werden“, so Fredrich.

Und was passiert mit dem schlammigen Wasser auf der Anlage? Da die Lkws mit ihren dreckigen Reifen über die Anlage fahren, befindet sich dort eine Staubfracht oder auch eine Schlammfracht. So bleibt einiges liegen. „Das wird dann eingeschwemmt in die Gullys und landet letzten Endes wieder in unserem Schlammabsetzbecken. Wir haben schon sehr darauf geachtet, dass wir verschiedene Wasserkreisläufe haben, und auch immer genügend gesammeltes Niederschlagswasser vorhanden ist, um hier über die Beregnungsanlage eine gewisse Grundfeuchte herzustellen“, so Fredrich.

Weitere Schutzmaßnahmen

Neben den Beregnungsanlagen wurden zusätzliche Vorkehrungen getroffen, um Staubentwicklung zu minimieren. Dazu zählen regelmäßig fahrende Kehrmaschinen, überdachte Lagerbereiche (sogenannte Boxen) für besonders staublastige Abfälle wie gipshaltigen Bauschutt. Unter dem Dach entsteht weniger Staub, zudem bleibt dort auch die Feuchtigkeit besser enthalten. Die einzelnen Anhäufungen an Bauschutt, egal ob in den Boxen oder auf der offenen Fläche, werden zudem regelmäßig beregnet.

Zu den weiteren Maßnahmen, die auch den Vorgaben der Gemeinde entsprechen, gehören umfangreiche Begrünungen rund um das Gelände. So wurden unter anderem Böschungen angelegt und Solitärbäume sowie Hunderte von Büschen gepflanzt.

Weitere Pflanzen werden auf der noch im Bau befindlichen Gemeindeseite hinzugefügt. „Die Begrünung wurde als Ausgleichsmaßnahme vorgeschrieben, da die Betriebsfläche vergrößert und versiegelt wurde“, erläutert Stadtherr. Im Sommer erreichen die Büsche Höhen von bis zu mehreren Metern, die Bäume wesentlich mehr, und bieten damit zusätzlichen Schutz. Auch von der Gemeinde gab es die Vorgabe, dass Bäume und Büsche gepflanzt werden müssen, „damit die Anlage insgesamt eher hinter dem Grün verschwindet“, erläutert Stadtherr.

Bauabschluss im Laufe des Jahres

Momentan befindet man sich in der finalen Phase des Ausbaus, der in diesem Jahr fertig werden soll. Dazu zählt die Restasphaltierung des Geländes auf der Gemeindeseite, die Fertigstellung der Ringleitung für die Beregner rund um die Anlage sowie das Hochziehen der Betonwand. Außerdem wird im vorderen Bereich Richtung Gemeinde noch ein Sicht- und Lärmschutzwall aufgeschüttet, der am Ende eine Höhe von fünf Metern haben soll. Diese Maßnahmen sollen bis Mai abgeschlossen sein. Abschließend wird im Spätjahr noch die Begrünung auf der Gemeindeseite erweitert. Ziel ist es, so auch die letzten möglichen Staubaufwirbelungen zu verhindern.

80.000 Tonnen Bauschutt im Jahr

Auf insgesamt 27.000 Quadratmeter erstreckt sich die Anlage. Die Frage bleibt, ob die Weingartener Bürger die Größenordnung, die die Deponie erreicht hat, im Vorfeld so abschätzen konnten. Doch Fredrich betont die Bedeutung der Anlage für die Region: „Im letzten Jahr haben wir 80.000 Tonnen Bauschutt von Industrie und Privatpersonen angenommen, verarbeitet und verkauft. Das reduziert das Verkehrsaufkommen in der Region. Denn ich kann Abfälle nicht mit dem Lkw ewig durch die Gegend fahren“, so Fredrich weiter.

Zudem wurde MinERALiX auf der vorhergehenden Mülldeponie gebaut, die unbefestigt war und dadurch staubanfälliger. Die Gesamtsituation, was die Staubbildung anbelangt, habe sich somit zu vor dem Bau deutlich verbessert. Zudem wurden durch den Endausbau der Deponie und die wasserdichte Asphaltschicht der darunter abgelagerte Müll vor Wasserzutritt geschützt. Hierdurch könne sichergestellt werden, dass keine Schadstoffe mehr ausgespült werden können. Auch dadurch seien größere Baumaßnahmen notwendig gewesen.

Die Größe der Anlage sei zudem notwendig, um die Menge an Bauschutt lagern und verarbeiten zu können. „Das hilft auch, Staubvolumen einzudämmen“, betont Fredrich. Er versichert jedoch, dass die Anlage nach den letzten Baumaßnahmen auch nicht weiter wachsen werde: „Größer wird sie nicht mehr.“ (haf)

Erscheinung
Weingartener Woche
Ausgabe 07/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
10.02.2026
Orte
Weingarten (Baden)
Kategorien
Panorama